Manchmal, wenn die Blog-Statistik ungewöhnliche Zugriffszahlen anzeigt, versuche ich, Gründe dafür zu finden.
Gestern führte mich dieses Nachforschen in ein Windel-Forum, in dem meine Buchstabenspielerei von neulich verlinkt worden war.
Seltsam, was das mit mir machte.
Einerseits spürte ich erstmals seit langem wieder, in was für einem anonymen, kontextlosen Feld ich mich mit meinem Schreiben bewege und fühlte die Verletzlichkeit, die mich vor vielen Jahren die Kommentarfunktion hat deaktivieren helfen.
Andererseits wurde der kurze Blick in jene (für mich) anonyme Welt zu einer Art Zeitmaschine, die mich zwanzig Jahre zurück katapultierte, in jene Zeit, als es zu meinen täglichen Aufgaben gehörte, Stoffwindeln zu waschen, aufzuhängen, zu wickeln. Fast 15 Jahre lang habe ich täglich Kinder gewickelt (nein, nicht immer mit Stoff!), lebte ich intensivst in dieser Verbundenheit mit den Bedürfnissen und Abhängikeiten, aber auch im Zauber des Erwachens und Entdeckens der jungen Kinder.
Dann kam der Tod. Die letzte angefangene Windelpackung verschenkte ich zwei Jahre später. Und als ich erwachte aus der Starre, war ich umgeben von dieser zweiten intensiven Lebensphase der heranwachsenden Jugendlichen. Jahr um Jahr – zwei, drei, ein paar Monate lang fünf Teenies gleichzeitig.
Jetzt sind die Jüngsten 14 und 16. 14 war der Älteste, als seine jüngste Schwester starb. Sie fliegen aus und ich auch. Und doch braucht es da noch sosehr meine Präsenz, mein Aushalten, meine Klarheit, mein Verständnis. Diese Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Kuscheln im Nest und den immer mutigeren Flugversuchen fordert nach wie vor Konzentration und Gleichgewichtssinn. Und Kraft.
Dass ich mich da manchmal sehne nach einer Pause, muss ich mich dafür entschuldigen?
Nein. Ich tue es nicht. Und dieser jüngste Vogel wird eben mit Flügeln fliegen, die ihr in der Umgebung von Erfahrung und Erschöpfung gleichzeitig gewachsen sind. Sie werden sie tragen, diese Schwingen. Da bin ich mir sicher.
Und irgendwann, in ziemlich kurzer Zeit, werde ich da sitzen, in die Welt zu sechs verschiedenen Wegen hinaus träumen und realisieren, dass jene langen 15 Jahre der P....t vorbei sind. Für immer.
Und vielleicht werde ich sogar wehmütig und etwas traurig sein.
Wer weiss.