Ich hatte versprochen zu erzählen.
Eine Mutter, die in sich die Erinnerung an den letzten Tag ihrer Tochter trägt, erwacht früh, so früh wie damals, als die kurze Nacht auf der unbequemen Liege neben dem Intensivplatz endete mit der blitzartigen Gewissheit, dass dies die Stunde des Abschiedes ist. Ein Mutterherz kann diesen Moment nicht vergessen, kann nicht ohne Ergriffenheit durch die Erinnerung gehen, muss aufstehen und Feuer machen und all die Dinge tun, die es im Leben zurück behalten haben.
Um halb sieben machte ich mich auf den Weg, in mir das leise Beben wie ein kleines Echo von der Erschütterung jener Dämmerstunde. Damals schneite es, ohne dass ich es bemerkt hatte. Diesmal begann ein wolkenloser Himmel mit einem hellen Saum zu erwachen. Meine Füsse grüssten all die Steine wie vertraute Bekannte, die tausendfach den Weg gezeichnet haben hinunter zu diesem kleinen Flecken Erde am alten Dorfrand. Es war morgenstill und kalt, die Erdschollen hart gefroren und von weissen Kristallen überzogen. Ich stellte die mitgebrachten Kerzen auf die Wegplatte, füllte aus der Flasche Wasser in die Vase, schälte die Blumen aus dem grünen Papier und stellte sie ins Wasser. Dann entzündete ich die Kerzen und freute mich seufzend über das Licht und den vertrauten Duft nach heissem Metall. Es war gar nicht so einfach, Stellen zu finden, auf denen die Kerzen stehen konnten ohne abzurutschen.
Frieden. Grösse. Stille. Die Dämmerung schien zu lächeln, mit jedem Atemzug ein Bisschen mehr. Die kleinen Lichter vor dem Stein antworteten mit friedlichem Leuchten.
Und dann begann die Amsel zu singen!
leise, ungeübt noch, aber so unendlich schön, und ihr Lied sank hinein in das Mutterherz und öffnete es und fand darin ein zitterndes Glück, tiefe, schüchterne Liebe und eine unfassbare Dankbarkeit.


Ach Gabriela,
AntwortenLöschenich bin ergriffen, im wahrsten Sinne des Wortes, so schön, so traurig, so tröstend, so groß.
Die Amsel scheint uns beiden gleich viel zu bedeuten, du dort, ich hier, in Gedanken an dein Mädchen, uns beiden singt sie ihr (erstes) Lied.
Ich danke dir für diese Zeilen.
Herzensgrüsse Angelika
Ja, diese Amsel hat ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk überbracht!
LöschenDanke auch dir!
Sehr, sehr berührend ist das. Mehr kann ich dazu gar nicht sagen.
AntwortenLöschenAusser das folgende Zitat vielleicht von Juan Ruiz Jiménez:
"Und ich werde gehen
Und die Vögel werden bleiben und singen"
Lieben Gruss,
Brigitte
Dieses Bild hat mich "damals" eine Zeitlang begleitet. Es relativiert so wohlklingend! Lieben Gruss zurück!
Löschenwie wunderschön daß gerade die erste Amsel dir gesungen hat!
AntwortenLöschenherzliche grüße
frau siebensachen
Gell!
LöschenIch freue mich, dich zu lesen!
Verbunden durch die Amselliedherzohren! :)
Liebe Gabriela,
AntwortenLöschenberührt und ergriffen bin auch ich oft von deinen WindWorten. Glücklich war ich, als ich rein zufällig diesen Blog fand, nachdem der Mirjamblog endete... Bewegt bin ich, wenn ich von deinen nicht endenwollenden Aufgaben und Pflichten lese, die dich so müde machen. Still betend bin ich für dich da und flehe um Engel, die dich tragen, wenn alles zu viel und zu schwer wird. Und staunend bin ich, wenn dir im rechten Augenblick die Amsel ihr Lied singt und dich dankbar und sogar froh werden lässt.
Herzensgrüsse,
Trudy
Danke dir! Und schön, dass der Zufall dich geführt hat. Hattest du meine gelegten Spuren damals nicht gefunden?
LöschenEs sind viele schöne Aufgaben, die mir gestellt sind. Für den Kräftehaushalt muss ich die Verantwortung selber tragen, und da bin ich am Üben... Danke für deine weittragenden Gedanken!
Lieben Gruss
Sie sind so wunderbar ich glaube ich habe mich verliebt ihr Worte kommen vom Herzen
AntwortenLöschen♡
AntwortenLöschenAMSELN singen nun auch hier
Der Schnee ist weggetaut
Ich denke viel an Euch
LG
Elisabeth
Liebe Elisabeth, ich hoffe, irgend eine meiner Kommentarantworten sei bei dir angekommen. Auch ich denke oft an euch und hoffe, ihr seid in der bloglosen Welt gut geschützt unterwegs. Liebe Grüsse, FrauWind
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