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Mittwoch, 8. Mai 2019

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Liebes leeres Bildschirmblatt,
Ich weiss, dass du alles akzeptierst, was ich auf dich setze. Du bleibst auch geduldig leer, wenn ich dir nichts als Sprachlosigkeit zumute. Du fragst nicht nach, wenn ich erschrocken ganze Abschnitte lösche. Du wunderst dich nicht, wenn Satzfetzen über Stunden hereintröpfeln. Du versuchst keine Traurigkeit wegzuwischen und erwartest Weisheit sowenig wie Humor oder Verzweiflung.
Und wenn ich dich für einen Weiterbildungsnachmittag schliesse und dann am Abend einen Elternbrief über dich schiebe, dann nimmst du das mit derselben Gelassenheit hin. 
Nur der orange Button da oben, der lechzt so leuchtend nach Betätigung. Er macht dein geduldiges Geschehenlassen mit einem einzigen Klick zum Schaufenster. Darüber denke ich oft nach, wenn ich durch dein Weiss hindurch den Impulsen lausche, aus denen Worte wachsen.
Ich habe heute einen Lindenbaum gesehen, der von der Abendsonne, welche zwischen Horizont und Wolkenschwere für einige Momente lang einen hellen Streifen Blau gefunden hatte, in ein goldenes Leucht- und Glitzerwunder verwandelt worden ist, weil der ganze Regen des Tages in ihm hing. Liebes weisses Blatt, damit will ich dich noch schmücken, bevor ich dich hinaus klicke. Guten Flug in die unbekannte Nacht!