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Sonntag, 8. Dezember 2019

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Manchmal kann ich mich nur schwer verstehen.
Ich freue mich zum Beispiel mindestens wie eine Schneekönigin, wenn im Briefkasten persönliche Post liegt. – Das kann ich gut verstehen!
Ich stelle die Post voller Vorfreue auf, um sie immer und immer wieder zu sehen, wenn ich daran vorbei gehe. Aber ich öffne sie nicht. – Das finde ich seltsam.
Mit der Zeit stellt dieser Umschlag mit der persönlichen Handschrift bloss noch die eine Frage: Warum öffnest du mich nicht? –  Ausweichen wird schwierig. Ich weiss, dass ich die Antwort kenne, sie muss ja in mir liegen.
Gestern sprach ich sie aus und hörte ihr zu, nicht sehr verständnisvoll, aber erstaunt und mit einem Anflug von Verzweiflung über mich selbst. Angst habe ich, Angst davor, mich dem Geschenk nicht gewachsen, nicht würdig zu fühlen und vor allem auch davor, mit der Hilflosigkeit konfrontiert zu sein, nicht zu wissen, wie ich angemessen danken kann! Das habe ich gesagt und dann habe ich den Umschlag geöffnet, überwältigt, tief berührt und beschenkt – und ohne Ahnung, wie ich angemessen reagieren könnte.

Da steht auf einer der wundervollen Seiten dieser Text, den ich teilen möchte, als eine Art Dank, ein erster Versuch vielleicht. Und den Gedanken, dass die, welche mir das schenkt, es nicht tun würde, wenn sie mich wirklich kennen würde, den lasse ich vom heutigen Sonntagssturm wegwirbeln, falls er stark genug ist...

Vielleicht
muss man
noch weiter gehen,
bis alle Lichter verblassen
nach und nach
und weiter,
bis die Nacht
das letzte Wort hat,
das grosse samtene,
das alles andere verschluckt.
Vielleicht muss man
noch weiter gehen,
damit einem
irgendwo dann
ein kleines Stückchen
Weihnachten
ins Herz 
fallen kann.

Isabella Schneider