Immer wieder kommen diese Wellen: neue Einschränkungen, neue Erkenntnisse, neue Einsichten. Es ist harte Kost und meist braucht es ein paar Stunden, bis sie verdaut ist und Energie freisetzt, um sich wieder aufzurichten. Diese Verdauungszeiten sind schmezhaft, angstbesetzt, lähmend. Wahrscheinlich sind sie die wahren Bedrohungen des Immunsystems. Ich komme eben vom Einkaufen. Das Hamstern ist nicht mehr spürbar, dafür Distanz, Stille, Konzentration. Vor dem Eingang liegt ein gestürzter Fahrradfahrer unter Wärmedecken der Polizei und wartet auf den Rettungswagen. Er erinnert mich daran, dass es auch noch Notsituationen ausserhalb des Virus gibt.
Im Tram sitzt eine ältere Frau, hustet vor sich hin und bleibt an der Endstation sitzen. Sie trägt eine Sonnenbrille, obwohl es regnet. Ich habe viele Meter Abstand, aber die Verzweiflung ist distanzlos spürbar. Ich lasse sie sitzen und steige aus.
Heute früh habe ich aus einer Mail diese Sätze kopiert. Sie könnten von Veit Lindau sein, aber das ist ja auch gar nicht so wesentlich.
Teif atmen und dann entspannt lesen.
JA. Wir sind verletzbar. Wir wissen verdammt wenig. Es geht nicht immer bergauf.Und die existentiellen Lektionen kommen nie, wann und wie wir sie uns wünschen.Diamanten entstehen unter hohem Druck.Die Verzweiflung der Raupe ist die Vorfreude des Schmetterlings. Mitten im Geburtskanal ist es dunkel, eng, schleimig und blutig.Doch keine Angst. Kein Verzagen.Denn auch auf die dunkelste Nacht folgt irgendwann die nächste Morgendämmerung. Das Chaos von heute ist eine höhere Ordnung, die wir nur noch nicht verstehen.