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Montag, 20. April 2020

Wer A sagt, ...

... hofft, dass auch A verstanden wird.

Stunden habe ich in den letzten beiden Wochen damit verbracht, Arbeitsaufträge zu formulieren.
Sie sollten nicht zu lange sein, denn was mehr als 4 Zeilen hat, wird von 30% der Eltern und SchülerInnen nicht gelesen. (Erfahrungswert der ersten drei Homeschooling-Wochen) Sie sollten nur das Wesentliche enthalten. Sie sollten klar und verständlich sein. Sie sollten zielorientiert formuliert sein und möglichst starke innere Bilder hervorrufen. Ich habe versucht, eigene Materialien zu kreieren, damit ich auch mit Farben arbeiten kann. Ich habe mich über die Weisung der Schule hinweggesetzt und Farbkopien erstellt, damit auch die, welche nur rot lesen können, der Spur folgen können. Ich habe versucht, Material vorzubereiten, welches die Kinder in die Hand nehmen können, etwas herstellen können, um nicht nur vor abstrakten Tabellen zu sitzen, ich habe ein Quiz erstellt, bei dem sie sich als Detektive fühlen können und nicht merken, dass sie Lesen üben. Am Samstag bin ich 4 Stunden durchs Dorf gewandert, um all dieses Material zu den Kindern nach Hause zu bringen.
Ich habe das alles gerne gemacht. Es war eine Herausforderung, ein Hineindenken in die Situation der Familien oder zumindest ein Versuch in diese Richtung. 

Und dann heute... 

Soll ich die Haare raufen? Soll ich schreien? Soll ich verzweifeln? Soll ich den Beruf wechseln? Soll es mir egal sein? "FrauWind. Ich verstehe das auf Seite 2 nicht." – FrauWind verweist auf den ersten Satz auf der ersten Seite. – "Aha, das habe ich gar nicht gelesen. Danke!" Noch und noch und noch. Nichts, was gefragt wurde, wäre nicht nachzulesen gewesen. In einfacher Sprache. In kurzen Sätzen. Wichtige Wörter rot hervorgehoben. Und keines dieser Kinder arbeitet alleine.

Ich glaube, da wächst eine Generation heran, die es sosehr gewohnt ist, dass jede Handlung sofort durch ein Geräusch quitiert wird, dass sofort(!) gewarnt wird, wenn ein anderer Weg als der vorgegebene eingeschlagen wird, dass jeder kleine Erfolg mit einem "Super, genial, weiter so!" gelobt wird, dass Aufträge, die zwar geschrieben sind, auch gleich vorgelesen werden, – sosehr, dass die eigene innere Bildgebung und Beweglichkeit verkümmert und verloren geht, ganz abgesehen davon, dass diese Kinder manipulierbar gemacht werden. Da wage ich nicht weiter zu denken....

5 Kommentare:

  1. Ja, das muss man wohl sagen, irgend etwas läuft da in die falsche Richtung.
    Aber das ist mir schon bei meiner Tochter aufgefallen, dass nicht viel Wert auf die Vermittlung von geschriebenen Texten gelegt wird.
    Aufsätze wurden so gut wie keine geschrieben, dass hat mich sehr gewundert.
    Als ich dann wärend ihrem Studium mit ihr zusammen ihre Arbeiten korigiert haben, musste wir oft lachen über ihren, ich, sage mal, oftmals kuriosen Ausdrucksweise. Bei der Masterarbeit gabe es dann zum Glück nicht mehr so viel zu lachen.
    Liebe Grüsse, Katharina

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    1. Ja, das kenne ich auch! Das Schreiben ist dann ja noch eine zweite Sache. Aber einfach mal lesen, mehr als nur eine SMS... Natürlich sind das nicht alle, ich könnte mich an die Hälfte halten, die erreichbar ist. Aber jetzt, da ich so intensiv auf die Eltern angewiesen bin und von denen haben so viele keine Geduld, einen Text zu lesen... Ich komme mir vor, als würde ich unter einer Glasglocke versuchen so etwas wie Unterricht zu organisieren. Diese Sätze "Achso, das wussten wir nicht!" "Stand das irgendwo?" "Das war uns nicht bewusst" "Sie hat schon mal angefangen, es sah so verlockend aus...", völlig am Ziel vorbei. Ich mag nicht mehr. Ich möchte wieder Schüler unterrichten und nicht Eltern dazwischen geschaltet haben. Sorry. Vielleicht ist das ja schon die richtige Richtung und ich kann einfach nicht folgen. Morgen ist ein neuer Tag. Liebe Grüsse

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    2. Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen, wie schwierig das ist.

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  2. Oh, man...I feel you.

    Und ich sehe das genau, wie du: es sind oft nicht die Schüler*innen, die nichts gebacken bekommen (oft setze ich mich über die wohl sonst sehr üblichen ungeschriebenen Regeln hinweg und kontaktiere die Kinder auch noch direkt, obwohl die Eltern per Mail informiert worden sind), sondern die Eltern, die nicht in der Lage sind, einfachste Informationen zu verstehen, innerhalb der gegebenen Fristen zu antworten, usw. Ein Kind beispielsweise wurde nach den Schulschliessungen von den Eltern trotz Schreiben der Schule und Info von mir ins Schulhaus geschickt, obwohl die Mutter mir bestätigt hatte, alle Informationen erhalten zu haben und pünktlich im online-Unterrichtszimmer sein zu können. Da wusste ich mir auch nicht mehr zu helfen...

    Aber manchmal gibt es dann wieder so tolle Erlebnisse, die hoffen lassen und vor allem Kinder, die entgegen dem Vorbild ihrer Eltern selbstständig zu denken und zu handeln lernen und das freut mich dann um so mehr.

    Alles Liebe und halt die Ohren steif
    Livia

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  3. Susanne Möschner21. April 2020 um 10:49

    Liebe Gabriela, danke für das Teilen Deiner Erfahrungen als Fernlehrerin, ie ich ja auch im Moment bin. Meine Schüler sind allerdings älter als Deine, meine eigene Klasse 8. Klasse, sind dieses Jahr meine "Jüngsten". Interessanterweise nimmt bei denen dieser von Dir beschriebene Effekt des sich ständig Rückversicherns, des Nachfragens bevor man zu Ende gelesen hat usw. , den ich sonst zunehmend bei den Kindern im Allgemeinen festestelle, gerade ab. Viele meiner Achtklässler sind nach knapp 5 Wochen zu Hause arbeiten wesentlich selbständiger als vorher. Ich kann nur vermuten, dass das mit dem Alrer zusammenhängt. Deshalb hab ich natürlich auch weniger Eltern, die sich dazwischenschalten. Die digitalen Wege nutzen sie wie selbstverständlich, in den Videokonferenzen sind sie sehr diszipliniert. Dennoch fehlt der KOntakt vom Mensch zu Mensch, die sonst aktiven sind auch im Videounterricht aktiver, die Zurückgezogenen eben auch eher zurückgezogen.
    Halte durch , liebe Gabriela, es wird auch wieder andere Zeiten geben und man wird aus den Erfahrungen lernen und im Präsenzunterricht dann sicher genau diese beschriebenen Effekt versuchen abzubauen. LG aus dem Homeschooling.
    PS: Mein Großer schreibt nächsten MOntag seine erste Abiprüfung. Das ist ein eigenes Kapitel in diesen Zeiten. Da war zum Beispiel große Traurigkeit, dass es DEN letzten Schultag nach 12 Jahren nun gar nicht gab, weil es einem nicht bewusst war Mitte März...

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