Der Mai ist so gut wie vorbei und ich habe nie mehr geschrieben. Sehr oft fĂŒhle ich mich leer oder allenfalls angefĂŒllt mit Zweifeln.
Es lÀsst sich ja höchstens spekulieren, was ohne Corona jetzt wÀre.
Es hĂ€tte diesen streifenfreien FrĂŒhlingshimmel nicht gegeben, ich hĂ€tte nie mehr das DauergefĂŒhl einer Grossfamilienmutter gehabt, ich hĂ€tte zwei Monate lang jede Nacht eine Stunde weniger geschlafen, ich hĂ€tte viele Funktionen und Möglichkeiten des Computers nicht kennen gelernt.
Trotzdem. Unterdessen halte ich mir die Ohren zu, wenn die Lautsprecher im Tram zu dröhnen beginnen, zweimal auf jeder Fahrt, und höre doch jedes Wort: "Auf Anweisung der eidgenössischen Zollverwaltung kann die Station .... bis auf weiteres nicht bedient werden. Mir dangge för ehr VerstĂ€ndnis und wönsche ehne e gsundi und ...eti..." Der Schluss ist seit zwei Monaten derselbe und nicht verstĂ€ndlich, und jedes Mal wĂŒrde ich am liebsten schreien: "Ich habe kein VerstĂ€ndnis!" Meine Nerven liegen so oft blank. Ich erschrecke ab kleinsten GerĂ€uschen, bin völlig intolerant geworden hustenden Menschen gegenĂŒber, kriege Herzrasen und andere Symptome, wenn im Mailpostfach Nachrichten im Zusammenhang mit dem Scheidungsverfahren aufleuchten, versuche mit vereinten KrĂ€ften die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler loszulassen, mir nicht anmerken zu lassen, wie schwer es mir fĂ€llt, wirke dadurch wohl mehr als nur coronadistanziert und fĂŒhle mich so unwohl dabei. Pfingsten gibt mir nun die Chance, in Ruhe Zeugnisse und Lernberichte zu schreiben, die BegrĂŒssungsbroschĂŒre fĂŒr die neuen Eltern und den Stundenplan zu gestalten, die Materialbestellung zu ergĂ€nzen und mir ein paar Gedanken zum Unterricht der nĂ€chsten Woche zu machen.
DarĂŒber nachzudenken, was Pfingsten sein könnte, schaffe ich nicht. Jeder Gedanke daran bindet mich mit Drahtseilen zurĂŒck an die Kindheit, und jene Baustellen mag ich nun nicht auch noch sichern oder gar bearbeiten.
Schreiben geht auch nicht oder höchstens an Regentagen.
In einem Online-Weiterbildungskurs zum Thema Resilienz versuchen wir, positive Erfahrungen und Momente körperwirksam werden zu lassen. Da spĂŒre ich dann, wie sehr ich von all diesen Sorgen und Ăberforderungen geprĂ€gt bin, realisiere, wie die Herausforderung, daran noch etwas zu Ă€ndern, mit jedem Tag, um den sich mein Leben verkĂŒrzt, grösser wird.
FĂŒr heute in fĂŒnf Wochen ist meine Reise in die Bergheimat geplant. Wieviel Vergangenheit bis dahin noch geschaffen werden soll, ist im Zukunftsmodus kaum ertrĂ€glich. Bleibt die Gegenwart: Pfingsten am Computer.