Bisher hatte ich immer gedacht, Gerichtssäle seien gross, etwas düster, erhaben, hölzern und vorne sitze die Richterperson im schwarzen Talar auf einem hochlehnigen, ledern geposterten Sitz.
Nichts davon war zu sehen, als ich am Donnerstag erstmals einen solchen Raum betrat. (Ich hoffe, es war auch das letzte Mal.) Sitzungszimmer würde ich das nennen, vorne ein grosser weisser Tisch, an dem die Richterin in Zivil sass und neben ihr eine blutjunge (hätte meine Tochter sein können) Gerischtsschreiberin vor dem Computer wartete. Im Raum standen wohl etwa vier weisse Tische, deren jeweils zwei Plätze durch eine Plexiglasscheibe voneinander getrennt waren. Auf jedem Platz stand ein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel. Es war hell, aber ich könnte nicht sagen, wie das Tageslicht in den Raum kam. An einen Blick aus dem Fenster kann ich mich nicht erinnern.
Ich weiss, dass Bilder an der einen Wand hingen, ich erinnere mich, dass ich versuchte, sie anzuschauen, wahrzunehmen. Es gelang mir nicht.
Es war seltsam friedlich zwischen uns beiden. Die Zeit hielt für ein paar Momente den Atem an. Es fühlte sich an, als würde ein neues Kapitel in einem gemeinsamen Buch aufgeschlagen.
Das hatte ich nicht erwartet.