Man weiss ja heute oft nicht, ob ein Ton echt ist oder ob bloss ein Handyklingelton ertönt. So ging es mir heute mit dem ersten Amsellied des Jahres, und das finde ich eine ziemlich traurige Geschichte, weil es ihr den Zauber nahm. Ich sass im Tram kurz nach sieben, und seit dieser neuen Zeit öffnen an jeder Station alle Türen, ohne dass man danach verlangt. Und da war es, das zaghafte Lied, das mein ganzes Wesen mit all seiner Sehnsucht nach neuem Leben zum Klingen brachte, dieses ungeübte Aufjauchzen noch in der Dunkelheit.
Und gleichzeitig schob sich ein Misstrauen zwischen mich und dieses Klingen, der leise Schreck, ich könnte mein Sehnen einer Kopie, einer Fälschung geschenkt haben, einem simplen elektronischen Signal.
Als die Türen sich wieder schlossen, verstummte das Lied. Ich werde nie wissen, was mich da tatsächlich in Februarstimmung versetzt hat.
Dieses Jahr ist vielleicht eben das zweite dann das erste.