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Mittwoch, 3. März 2021

62/365 Todleben

Wir sprechen über die Zeit der Trauer. "Wird es irgendwann besser?" fragt sie. "Oh ja, wie alles im Leben verändert sich auch die Intensität und die Farbe dieses Schmerzes. Was nicht verschwindet sind die Spuren, die sich tief eingeschrieben haben und ein Teil von mir geworden sind. Aber ich liebe diese Spuren, ich bin dankbar dafür, und eigentlich ist es jene Zeit, welche die lebendigste war in meinem Leben, die durchlässigste, wunder-vollste, jene, in der ich mich am wenigsten verstellen konnte und daher am autentischsten mit dem Leben verbunden war." – "Ich weiss so genau, was du meinst", antwortet sie mit Tränen in den Augen.
Manchmal sehne ich mich nach dieser Verbundenheit, nicht nach dem Preis, den ich dafür bezahlen musste, aber nach dem Wunder, welches in jedem Tautropfen glitzerte, nach der Liebesgeschichte einer Schlehenblüte, nach dem Wolkentanz, der meine Seele an die Hand nahm, nach den Augenblicken mit den Menschen, welche sich hineinwagten in diesen geheimnisvollen Wirkungskreis und dafür sorgten, dass mir der Boden nicht unter den Füssen hinweg brach.
Da können keine Mailfluten und Lehrpläne, keine Systemarbeiten und Poollösungen mithalten. 
Nur manchmal, wenn der Wind weht, spielt er mit der angelehnten Türe und weht einen Hauch Blau herein.