Vermutlich habe ich es schon oft geschrieben. Trotzdem tue ich es heute wieder:
Das grösste Glück in meinem Beruf – oder eines der grössten – ist es, wenn in den Augen eines Kindes dieses Licht aufgeht, dieses Blitzen, welches eine Mischung ist aus Klarheit, Begeisterung und Verstehen. Und wenn dann dieses Denken auch noch in Worte gefasst werden kann, dann kommen mir manchmal fast die Tränen.
Dieses eine Kind konnte beim Schuleintritt noch nicht bis zehn zählen. Es hatte ein Riesendurcheinander mit allen Zahlen, in denen ein Zischlaut vorkommt. Sssssssieben, Sssssechs, Zzzzzzzehn, Zzzzzzwölf.... Und meist zog es die Schultern schon bis zu den Ohren hoch, sobald es merkte, dass Zahlen ins Spiel kommen.
Bis es Klick machte. Ich weiss nicht, was der Auslöser war. Plötzlich sass da ein anderes Kind, aufrecht, aktiv.
Und heute, als wir einmal mehr auf der Suche waren nach der Einfachheit, da erklärte sie engagiert und überzeugend:
"Also: 17 - 10 das ist ja ganz einfach, denn 17 hat ja eine Zehn und dann noch sieben dazu. Wenn ich jetzt diesen Zehner wegnehme, dann ist ja ganz klar ohne zu rechnen, dass da noch die Sieben übrig bleibt."
Oder ein Mädchen bei der Rechnung 6 - 5: "Wenn ich sechs minus sechs rechnen würde, dann würde ja null übrig bleiben. Nun nehme ich aber eines weniger weg, also bleibt eins übrig."