Heute kam Post. Post kommt täglich, doch heute war es anders. Es klebte kein Strichcode und auch keine Dauermarke auf dem Umschlag, sondern zwei Marken. Ich hielt den Karton in den Händen und fasste es kaum. Da hat jemand ganz bewusst zwei kleine Bilder ausgewählt, eines mit einer Bergwiese, auf der der Schnee zurückweicht und den Krokussen Platz macht, das andere eine Szene aus einer romanischen Weihnachtsgeschichte, in der der Engel zum Hirten sagt: "Fürchte dich nicht." Die Marken sind aus den 60er-Jahren, in denen ich zur Welt gekommen bin, und sie sind seither irgendwie aufbewahrt worden von vielleicht zwei Generationen von Menschen, bis sie heute nun zu mir gereist sind.
Man könnte meinen, es wäre Post von einem vertrauten Menschen, der mich sehr gut kennt und weiss, wie gerne ich mit der Wahl der Briefmarke einem Brief noch einen persönlichen Gruss mitgebe, eine Farbe, eine Stimmung, eine kleine Geschichte ohne zu wissen ob ankommt, was sich nicht festkleben lässt.
Dem ist aber nicht so. Bestellt habe ich online hier ohne jeden persönlichen Kontakt. Es sind Samen für den Schulgarten, in dem ich mit meiner Klasse ein Hochbeet pflegen darf, Blumensamen, deren Wachstum wir beobachten werden. Ich wünsche mir sosehr, dass die Kinder staunen lernen.
Es fühlt sich ganz danach an, als stünde das Projekt unter einem guten Stern.
(Ein paar davon werde ich auf Mirjams Grab säen.)

