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Sonntag, 1. August 2021

213/365 Mutter

Vor vier Monaten hat sich das Leben meiner Mutter von einer Stunde auf die andere komplett verändert. Es begann eine intensive Zeit, welche sie bis an die Grenzen ihrer Kräfte forderte. Reisen zu Kliniken an mehrfach wechselnden Orten, Gespräche mit Ärzten, Entscheidungen für oder gegen verschiedene Massnahmen, Bangen um den nächsten Tag, viele Besuche, wenig Schlaf... Vor einem Monat dann wurde die Geschichte dieses Menschen, ihres Mannes, zu Ende geschrieben. Wieder waren wir Kinder da, fast täglich jemand, bis sie sagte, sie brauche jetzt wieder einmal einen ruhigen Tag für sich alleine. Sie erhielt hunderte von Briefen und Karten, las, staunte, erzählte denen, die da waren, von den Schriebenden und deren Bezug zum Vater, zu ihnen. Die Abschiedsfeier forderte viele kleine und grosse Planungsschritte, Absprachen, Gespräche. Zur Feier letzten Donnerstag konnte endlich auch der Bruder anreisen, welcher die ganzen drei Monate in Israel gelebt hatte. Heute ist nun auch er wieder abgereist.
Jetzt ist der Abschied vollständig. Vor ihr liegt ein neuer Alltag, ein stiller, einer, der die Lücke schmerzhaft zeigen wird, einer, der hoffentlich von ganz vielen Menschen durch Lebenszeichen aller Art aufgelockert sein wird. Keines von uns "Kindern" lebt um die Ecke oder im Dorf, nicht mal im Kanton. Es beginnt nun auch für uns ein neuer Abschnitt.