"Ich habe neulich einen spannenden Kurs besucht", begann sie. "Es ging darum, welche Wirkung die Verneinung in der Sprache auf die Kommunikation hat." Jedes "un-" und "ent-" verneint eigentlich den nachfolgenden Wortstamm. Und sie erzählte von den zum Teil spannenden Suchen nach positiven Formulierungen.
In mir regte sich sofort Widerstand, doch mittlerweile weiss ich, dass dies genau die Momente sind, in denen mich etwas sehr dirket angeht.
Erst als sie längst gegangen war, begann mir zu dämmern, dass sie das Thema bestimmt nicht bloss dieses einen Wortes wegen angeschntten hatte. Vermutlich beobachtet sie in meiner Sprache ziemlich viel Negativformulierung. Ständig neue Sätze kamen mir in den Sinn, welche in meinem unreflektierten Alltags/Unterrichtswortschatz zirkulieren. "Ich möchte nicht, dass ihr jetzt....", "versucht, nicht dies oder jenes zuerst zu machen,,,", "Bitte sprich nicht mit vollem Mund!" "Lasst die Pinsel nicht im Wasserglas stehen."
Ich fühlte mich ertappt, hundertfach, und so peinlich berührt, dass es eigentlich Selbstverletzung gleichkommt, das hier öffentlich zu wiederholen. Es muss für einen Menschen, der für dieses Thema sensibilisiert ist, eine echte Herausforderung sein, diese Aneinanderreihung von Nicht-Aussagen zu beobachten.
Fragt sich nur, wie das im Unterricht funktionieren kann, meine Formulierungen vorausschauen oder voraushörend und -fühlend zu überprüfen.
Es braucht Mut zur Verlangsamung und ganz viel Kreativität und Spontaneität.
Ich bin gespannt.

