Das darf ich wohl erzählen ohne grenzüberschreitend zu sein?
Seit den Herbstferien haben alle drei zweiten Klassen zusammen einmal die Woche Chorsingen. Ich leite die Proben und bin noch jedes Mal aufgeregt und nervös. Es sind doch fast 60 Achtjährige, die ziemlich viel – naja – Phantasie und Mitteilungsbedürfnis haben. Heute haben wir die Lieder für den Laternenumzug geprobt. Ich habe eine Melodie gespielt und gefragt, ob jemandem die Worte dazu in den Sinn kommen. Ein Mädchen meldete sich, ich gab ihr das Wort.
Doch sie begann zu singen, hell, rein und fein, eine ganze Strophe. Alle Menschen im Saal waren mucksmäuschen still, hielten verzaubert den Atem an.
Nach dem letzten Ton floh ich hinter das Klavier, griff in die Tasten und forderte damit alle auf, das Lied mitzusingen, während mir die Tränen übers Gesicht liefen.
Was für ein Licht vermag ein einziger kleiner Mensch zu sein!