Ich lerne viel über die Angst, wie sie wirkt und wie sie es schafft, Macht zu übernehmen, indem sie lähmt, wer ihr gehorcht. Immer wieder gelingt es mir, diesen Spielen zu entrinnen, doch die letzten Monate mit diesem andauernden Ringen sind nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Vor drei Jahren, als die Tochter als Velokurierin zu arbeiten begonnen hat, war ich stolz, jetzt, da sie die Arbeit nach langer Pause wieder aufnimmt, mache ich mir Sorgen. Als die jungen Menschen anfingen, auch in ihrer persönlichen Freizeit in die Berge zu gehen, freute ich mich. Nun steht auf einem Wunschzettel: "Lawinensuchgerät". Mir wird ganz flau. Früher vertraute ich meinem Körper, pflegte ihn mit Wärme, Bewegung, Teetrinken und Schlaf. Heute bringt mich ein unbekanntes Ziehen im Bauch oder ein Stechen im Hals kurz vor den Wahnsinn.
Niemals möchte ich ihr das Zepter überlassen in meinem Königreich. Doch sie hat an sovielen Stellen meine natürlichen Grenzen von Vertrauen und Zuversicht untergraben, schlüpft irgendwo herein und zieht sich erst zurück, wenn ich ihr den roten Teppich zum Hauptausgang ausrolle.