Ich mag es gar nicht, wenn ich andere Menschen erzürne. Diese Haltung ist so tief verinnerlicht, dass ich ein Leben lang alles getan habe, um es nicht so weit kommen zu lassen. Das Resultat ist eine riesige Anpassungsleistung, der Preis dafür ein kaum vorhandenes Vertrauen in meine Entscheidungen.
Heute kommt beides zusammen, wieder einmal. Und weil ich heute an einem Punkt stehe, von wo aus ich dieses Hergebrachte wie eine Aussenstehende zu beobachten übe, spüre ich den Sog hinein in die Flucht vor mir selber mit übergrosser Deutlichkeit.
Übplatz: Bloggerland.
Übsituation: alter Blog kurz vor der Schliessung, der Wunsch, treue Immernochleserinnen, zu denen keine direkte Kontakaufnahme möglich ist, mitzunehmen, ohne gleichzeitig die halbe Verwandtschaft und Nachbarschaft mit herüber zu holen, weil diese Mischung aus Anonymität und Nähe soviel Zündstoff an den Tag legt.
Übstrategie: Rätselpost mit WindWortLink als Lösung
Übreaktion: Frust- und Ärgermails von resignierten Pfadsucherinnen.
Übung: Mich nicht entschuldigen, das Post nicht vom Netz nehmen, dazu stehen, dass ich es mit Freude verfasst und frei gegeben habe, akzeptieren, dass ich zwar verantworte, was ich sende, nicht aber in der Hand habe, was dies bei anderen auslöst, vertrauen, dass schmerzhafte Momente die lehrreichsten sein können, wenn ich mich ihnen nicht entziehe.
Die brave Schülerin in mir würde so gerne fehlerfreie Arbeiten abliefern. Die wachstumsbegierige macht sich den Wind zum Lehrer.
Ein herzliches Willkommen allen, welche hergefunden haben und herfinden. Ich verspreche in keiner Hinsicht Perfektion. Übungshalber.