Seiten

Freitag, 10. März 2017

Ferienende

Zwei wundersame oder heilsame Ferienwochen gehen heute zu Ende. Morgen wartet ein nächster Weiterbildungstag, und am Sonntag müssen die Vorbereitungen noch ausgefeilt und gestaltet werden. Die Schüler sind seit einigen Tagen schon wieder sehr nahe im Bewusstsein.
Zum ersten Mal seit meinem Wiedereinstieg ins Erwerbsleben habe ich mit einer gewissen Gelassenheit in die unterrichtsfreien Tage hinein und jetzt auch wieder daraus heraus finden können. Zum ersten Mal seither habe ich mich an die Nähmaschine gesetzt, auch wenn es nur zur Bewältigung eines beachtlichen Flickwäscheberges war. Zum ersten Mal seither habe ich es geschafft, mich mit ein paar Menschen zu treffen, mit denen ich zum Teil seit Jahren davon gesprochen hatte. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten habe ich an den ersten Morgen ausschlafen können, habe 10-Stundenschlafnächte erlebt und bin tagsüber zusätzlich auf dem Sofa eingeschlafen. Zum ersten Mal seit letztem Sommer gab es einen Tag ganz ohne Schmutzwäsche vor der Waschmaschine. Zum ersten Mal seit fast einem Jahr, hat sich die Haut an meinen Händen soweit beruhigt, dass keine neuen offenen Risse mehr entstanden sind, dass ich sogar zu hoffen wage, dass nächste Woche die kleinen Hände sich nicht schüchtern und irritiert zurück ziehen, wenn es gilt, sich im Kreis die Hand zu reichen. 
Ich bin so froh und dankbar, dass der Frühling mit seinem Licht wieder da ist und die Amsel mit ihren Liedern.

Fundstück

Deine Aufgabe ist nicht, nach Liebe zu suchen, sondern nach den Barrieren in dir selbst, die du gegen sie aufgebaut hast. — Rumi

Mittwoch, 8. März 2017

Rückschnitt

"Hauptsache, dem Baum geht es gut", habe ich dem Bauern immer wieder gesagt, als wir letzten Montag die Bäume im Garten angeschaut und den Rückschnitt besprochen haben. Ich hatte am Tag zuvor diesen Beitrag von Iren gelesen und war mir überhaupt nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee war, die vier Obstbäume im Garten zu schneiden. Der eine, ein ziemlich alter Boskopbaum, wächst bereits ins Haus resp. muss nach dem Lüften immer wieder nach draussen geschoben werden. Der Kirschbaum trägt die meisten Früchte in Höhen, die mit der Leiter nicht zu erreichen sind und der jüngere Apfelbaum hat so viele senkrecht schiessende Triebe gebildet, dass er einem Punk mit seiner Frisur zu gleichen begonnen hat.
Heute war er nun da, der Fachmann aus dem Dorf, stand im Baum, stieg wieder hinunter und schaute ihn mit Abstand an, diskutierte mit seinem Mitarbeiter, ob dieser oder jener Ast wohl der richtige sei, kletterte wieder in das dichte Geäst, löste ein paar Zweige und rang dann um die nächste Entscheidung.



Nach drei Stunden war es viel heller, und vor mir standen nicht etwa Krüppel, sondern verjüngte Lebewesen, die aufzuatmen schienen und eine gesunde Form bekommen hatten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ihnen gut geht. Und mir mit ihnen.

Dienstag, 7. März 2017

Gratis Emotionen

Ab sofort bekommt man dort, wo ich meist einkaufe, Emotionen gratis. Das heisst, man muss etwas kaufen, dann bekommt man sie gratis. Klar, oder? Sie haben Saugnäpfe als Füsse und lassen sich so zum Beispiel an Fensterscheiben kleben. Man kann sie aber auch verwenden, um die persönliche aktuelle Stimmung zu signalisieren. Auf den Tellerrand oder auf den Computer gesetzt, versteht sie jede und jeder. So spart man gleich doppelt, einmal beim Einkaufen, wo man sie nicht bezahlen muss, und dann beim Kommunizieren, wo man ohne Worte auskommt.  
 
😎


Montag, 6. März 2017

zulassen

Sie hat soviel über das Loslassen nachgedacht und nachgespürt, sosehr, dass sie nicht gemerkt hat, wie dieses Üben sich verbunden hat mit ihrem inneren Antreiber, welcher das Loslassen zu fordern begann. Dadurch trennte sie sich von diesem inneren Wissen und begann den Druck zu spüren, alles loslassen zu müssen.
Sind es die Frühlingsstürme, sind es Begegnungen im Traum oder Gedanken, welche sie an die Hand nehmen, sie kann und will es so genau gar nicht wissen oder benennen: Sie fällt sanft und ohne Angst hinein in einen tiefen Ozean der Fraglosigkeit und sieht und weiss und wird erfüllt von unendlicher Dankbarkeit: Das Leben hat sie durch Momente und Begegnungen geführt, die jenseits von Zeit und Schuld und Begrenzung sie geformt und geöffnet haben. Diese Momente und was sie geschenkt und zum Leuchten gebracht haben – und es sind nicht wenige – braucht sie nicht loszulassen, weil sie sie gar nicht hält, sondern weil sie in ihr und um sie sind, weil es Blicke sind über die Begrenzung hinaus, weil darin Kraft und Weite liegt und Leben. Ihr Leben. 


Freitag, 3. März 2017

Reisenotizen 11

Im Wald, der ein Teil ihres Zuhauses ist, wachsen unzählige Bäume, und jetzt, da sie mit dem Frühling schwanger stehen, bereiten sich unendlich viele Knospen auf ihren Aufbruch vor. Doch es ist ein einziger Spross mit seinen winzigen Knospen, der sich mit ihr verbunden hat, der eine Schicht tiefer in ihr Leben hinein wächst als alle andern, weil er sie damals so geführt hat.

Er sieht schwach aus zur Zeit. Seine Knospen sind klein und irgendwie trocken. Sie weiss nicht, ob sie Leben in sich tragen und spürt, wenn sie es sich sosehr wünscht, wie wenig es in diesem Geschehen um ihre Wünsche geht.




Mittwoch, 1. März 2017

...