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Dienstag, 20. Juni 2017

Erkenntnis

Was meinen Beruf zum Traumberuf macht? Dass ich immer wieder miterleben darf, wie sich ein je nach Kind verbissenes, verzweifeltes, gespanntes, fragendes, forschendes Gesicht auf einmal aufhellt, die Augen zu lachen beginnen, der Mund sich öffnet und ein glückliches, befreiendes "Achso!!!" aus der Tiefe aufsteigt und dann die Arbeit zu fliessen beginnt, Ordnung einkehrt in Atem und Schriftbild. Lehrerin sein heisst, eine "Mir-geht-ein-Licht-auf"-Begleiterin zu sein, eine "Licht-Moment-Chancen"-Schafferin, geführt vom Rätsel jedes einzelnen Kindes.

Sonntag, 18. Juni 2017

Vorbereitungen

Sollte ich mich in den kommenden Tagen nicht melden, so hat das mit diesen orangen Zahlen zu tun. Mir machen sie Angst. Als es letztmals so heiss war hier, waren Sommerferien. Ich bin früh aufgestanden, habe mich vor dem Mittag ins Haus zurückgezogen und dort gedöst, bis der Abend etwas Abkühlung brachte. Aber diese Woche ist Schule, Theater, Vortragsübung, Abschiedsapéro der erste, Sitzung an der neuen Schule, Pizzabacken mit den DaZ-Kindern, x Fahrten in stickigen, verschwitzten Trams... Ich bin ja unendlich froh, dass es mir kräfte- und kreislaufmässig wieder gut geht, aber wie bitteschön überlebt man solche Hitze? Wie sollen Kinder arbeiten und was? Wir werden wohl den Sommerwortschatz in Wasser auflösen und tiefkühlen und dann auf der Zunge zergehen lassen. Mit haben und sein werde ich es nicht so genau nehmen. Ob es jetzt heisst: "Ich habe Durst" oder "ich bin Durst" ist bei solch orangen Werten ja fast dasselbe.



Ein bisschen trösten wird mich das Wissen, dass es Menschen gibt, die das geniessen, wovor ich mich fürchte. 😎 Es fühlt sich dadurch nicht nach Kollektivlast an und schenkt Spielraum. Eine gute Woche an alle unter diesem Himmel!

Samstag, 17. Juni 2017

Standortperspektiven



Ein paar Blicke von heute morgen, welche mich mit Freude erfüllen.

Erinnerungsfreude
Ich spüre noch das Glück der Kinder, wenn früher diese Wiese gemäht wurde: Kaum war das Heu eingefahren, versammelte sich die ganze Kindergeneration des Quartiers zum Spielen. Das war der Beginn des Sommers. Vergangenheit.

Gegenwartsfreuden
Ein Wegweiser, auf dem soviel Biographisches vereinigt ist: meine aktuellen Schulorte, jener meiner Kinder und der zukünftige – im Licht.
Ein Brunnen, der mich mit Dankbarkeit erfüllt, dafür, dass wir sogar an einer Haltestelle an einer befahrenen Strassenkreiselkreuzung frisches Wasser trinken dürfen.

Zukunftsfreuden
Ich freue mich auf den Duft von Heu beim Einschlafen, beim Aufwachen, beim Unterwegssein.
Ich freue mich darauf, meine Wege nach den gelben Wegweisern zu richten.
Ich freue mich darauf, an den Brunnen am Weg meinen Durst zu stillen.
Noch drei Wochen – zwei in der Schule und eine am Schreibtisch, dann verreise ich erstmals seit vier Jahren wieder für ein paar Tage in "meine" Bergheimat. So ist es zumindest geplant.

Und vor meinem Fenster blühen die Rosen. Es kann nicht sein, dass man soviele Privilegien verdient, sonst wäre die Ungerechtigkeit nicht zu ertragen. Geht teilen, wenn ich mich dieser Fülle anvertraue?

Donnerstag, 15. Juni 2017

...

Manchmal denke ich an den schüchternen Zehnjährigen, wenn ich ihn sehe, staune aus der Distanz über diesen jungen Mann, der seinen Mut auf der Bühne des Lebens inszeniert, spielend, geniessend, unkonventionell, leise. Es macht mich dankbar, wenn ich spüre, dass ein "Kind" seinen Weg geht, seine eigene Kunst, die Flügel auszubreiten entdeckt und übt...



Mittwoch, 14. Juni 2017

Grüner blue win Gruss

Unheimlich genug wäre es ja gewesen, das Verschwinden der ganzen gesendeten Mails. Doch dann bemerkte ich in den letzten Tagen, dass auch Unterordner verschoben worden waren, umbenannt zum Teil, englisch beschriftet, und neue standen da in Reih und Glied, ohne dass sie mich gefragt hätten. Geht ja gar nicht, fand ich und wollte aufräumen, meine gewohnte Arbeitsordung wiederherstellen. Sicherheitshalber öffnete ich sie vor dem Löschen. Die ersten beiden waren leer. Dann klickte ich den dritten an.
Du ahnst es: Dicht an dicht standen sie da, lachten mich an und freuten sich bestimmt über mein langsam realisierendes Gesicht: All die verloren  geglaubten Nachrichtenträger. Ich habe ihnen versprechen müssen, dass ich sie in den Ferien sortieren und ordentlich ablegen werde. Dafür werden sie von weiteren Streichen absehen.

Und hier darf das einzige einigermassen brauchbare Samstagbild doch noch von Sommerfülle erzählen.

Dienstag, 13. Juni 2017

Heilblume

"FrauWind, das ist Ihre Salbe. Es ist die beste Salbe der Welt. Mir hilft die immer. Ich habe ihnen etwas davon abgefüllt. Ich hoffe ganz fest, dass sie Ihre Haut heilt, aber ich bin mir eigentlich sicher."


 
Wie rührend solch kindliche Fürsorge ist! Ob es mir gelingt, meine Vorsicht unbekannten Inhatsstoffen gegenüber abzulegen, ihr zuliebe?

Montag, 12. Juni 2017

Zwischenstation unter der Linde

Schön und seltsam zugleich, wenn das Zelt, welches man auf Bildern seit Jahren immer wieder auf allen möglichen Plätzen gesehen hat, für eine Nacht im eigenen Garten steht! Ich fühle mich geehrt, ein Teil einer Reisegschichte sein zu dürfen, eine Geschichte, die sich auf unzähligen Fahrradkilometern auffädelt, Perle um Perle, Ferienwochen um Ferienwochen. Danke, Frau rebis, für deinen Besuch, die vielen langen Gespräche, deine unkomplizierte Chaosresistenz.. Ich wünsche dir ein frohes, heilsames Unterwegssein in dieser zweiten Woche.