„In der Stille
zwischen deinem Herzschlag
wartet eine Aufforderung.
Hörst du sie?
Benenne sie, wenn du musst,
oder lass sie für immer namenlos,
aber warum vortäuschen,
sie sei nicht da?“
~ Rumi
Seiten
Donnerstag, 29. Juni 2017
Mittwoch, 28. Juni 2017
Keine SMS
Plötzlich stand sie da, strahlend und gesund und sprühend vor Glück.
Wow.
Nach der Begrüssung pedalte sie gleich noch einmal los, um das obligate Rückkehrbild nachzustelle,
gab dann der kleinen Schwester Fahrunterricht,
bis die Wolken endgültig brachen.
Wie schön, wenn die Welt, der Meerwind, das blondierende Salzwasse, die steilen Berge Korsikas, die lachenden jungen Menschen durch Erzählung, Bild und Energie ins Alltagshaus einziehen. Soviel Leben, soviel Freude.
Nun kocht die grosse Schwester ein afrikanisches Gericht, unbekannte Düfte ziehen um die Wände, die kleine sucht Kleider fürs Sommerlager zusammen, Mückenstiche werden gezählt, Wäscheberge vergrössert, von Wohnungssuche wird erzählt und von Nächten unter dem Sternenhimmel, singend wuseln sie durchs Haus, kommen an und planen bereits den nächsten Aufbruch.
Der Regen schlägt gegen die Fensterscheiben und lässt die Natur ein Trinkgelage feiern. Übermütig tanz das Sommergrün im Wind.
Und vor dem Fenster blühen die Rosen.
Dienstag, 27. Juni 2017
Lebenszeichen!
Nicht 30 Minuten, schon drei Tage vor der geplanten Rückkehr kam heute die erste Nachricht, etwas mehr als drei Wochen nach dem Start. "Wir sind wieder in der Schweiz!" Für morgen wäre die Überquerung des Gotthardes geplant gewesen. Nun wird aber vor heftigen Gewittern und unwetterartigen Regenmengen gewarnt, weshalb sie einen Tage abwarten und dann allenfalls die Velos auf den Zug verladen, sollte sich die Lage nicht beruhigen.
Immerhin bin ich etwas beruhigt.
Montag, 26. Juni 2017
Ja!
Vielleicht bin ich heute einer der glücklichsten Menschen dieser Welt, und wenn du es auch bist, dann lass uns den Rest der Welt damit anstecken. Unsere neue Klasse hat sich heute zum ersten Mal getroffen und etwas mehr als eine Stunde gemeinsam verbracht. Sowas von alltäglich für die Allgemeinheit, und sowas von besonders für die einzelnen Menschen, die da zusammen lauschten, staunten, lachten, malten. Es fühlt sich zutiefst an nach Ankommen, ankommen in meiner Aufgabe als Lehrerin, ankommen auf dem schicksalshaften Weg mit diesen Kindern, ankommen in der Zusammenarbeit mit meiner Stellenpartnerin, ankommen in einem Kollegium, das gemeinsam lachen kann. Und in jedem Ankommen liegt ein Aufbruch ins Ungewisse, aber voller Vertrauen und Zuversicht. Ich möchte es hinausrufen bis zu den Sternen, mein Danke für diese Chance, leise und wortlos und leuchtend. Und ich möchte meine ganze Kraft und Freude dafür zur Verfügung stellen.
Samstag, 24. Juni 2017
Reichtum
Überfülle, Lebendigkeit, Staunen...
Innerhalb von 14 Stunden sind vier zurückgekehrt.
Gestern abend die drei Söhne: Der Student zum Lernen, der Mittlere von seiner Bergtour und der Jüngste vom Landwirtschaftspraktikum und Klassenabschlusslager auf Elba.
Und schliesslich heute morgen
eine Stunde später als erwartet, endlich
die Tochter aus Afrika.
Einer von ihnen sitzt nun in der Unibibliothek, die andern erzählen, zeigen Bilder, Filme, atemberaubend, ergreifend, erschütternd, reich, wach, kaum zu fassen.
Und einmal mehr bin ich froh, die Bilder erst im Nachhinein zu sehen, den Klippenspringer, den Bergsteiger, die Afrikabusfahrtreisende. Einmal mehr aber bin ich auch zutiefst dankbar, dass sie gehen, hinaus in ihr Leben, nicht in meines, auch nicht in ein von mir ausgedachtes, nicht in ein von meiner Ängstlichkeit begrenztes, sondern in das ihre. Soll es weh tun – das ist meine Geschichte.
Natürlich bin ich auch dankbar, dass sie wieder da sind, vorübergehend – und dass wir eine Waschmaschine habe.
Nun ist nur noch die Velofahrerin unterwegs. Sechs Tage trennen uns noch von der vielleicht ersten SMS 30 Minuten vor Ankunft. Bestimmt brechen sie bald auf, haben Poebene und Gotthard vor sich, und dann die vertrauten letzten Kilometer quer durchs kleine, enge, heimatliche Land.
Und vor meinem Fenster blühen die Rosen.
Donnerstag, 22. Juni 2017
Sommerfülle
Man spricht miteinander diese Woche.
Über das Wetter.
Es ist nun 23:30 und immer noch 28° draussen, drinnen etwas mehr...
Aber bald ist es geschafft. Wenn die Berechnungen eintreffen, so wird es ab Samstag wieder erträglicher. Die sechs Kinder übernachten diese Nacht an sechs verschiedenen Orten und in vier verschiedenen Ländern. Einer davon habe ein Bild geschickt vom Felsband, auf dem er mit seinem Kollegen die Nacht verbringen möchte. Die Vorräte haben sie in ein Schneefeld gesteckt: "Unser Kühlschrank", sei unter dem Foto gestanden. Ich glaube, so langsam wird es doch Zeit, dass ich den Wunsch des Schülers erfülle und mich empfänglich für solche Millionen-Stern-Unterkünft mache. Oder zumindest für die Bilder davon.
Sagte ich schon, dass ich am Abschiednehmen bin? Täglich letzte Male, letzte Wünschaustauschrituale, Auf- und Abräumen, kleine Feste. Gleichzeitig erste Sitzungen im neuen Kollegium, Einrichten des zukünftigen Klassenzimmers, Vorbereitung des Kennenlernnachmittages nächste Woche mit der zukünftigen Klasse, Riesenfreude. Noch scheint alles möglich zu sein.
Man kommt ins Plaudern, wenn Nächte heiss sind!
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