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Sonntag, 19. November 2017

Gartennovember

Für eine Waldrunde hat es schon ewig nicht mehr gereicht. Beim letzten Mal war er noch grün, nun steht er kahl. Heute habe ich wenigstens eine kleine Fotorunde durch den verwilderten Garten gemacht, bevor ich mich an den Schreibtisch gesetzt habe.

Die kleine Mirjamrosenblüte ist mir schon vor zwei Tagen aufgefallen. Als hätte sie keine Ahnung von November, blüht sie da mitten im ungepflegten Beet vor sich hin und schenkt mir jedes Mal, wenn ich an ihr vorbei gehe, einen warmen Extraherzschlag.




Die Rebe an der Hauswand hat sich entblättert. Einzig die Lebensimpulse des frühen Frühlings, welche im April erfroren sind, hängen noch. Sie sind wohl zu jung gestorben, um sich richtig lösen zu können.




Ob sie sich noch entfalten wird? Die Schneeschauer der letzten Nacht scheint zumindest keinen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.


In den Herbstferien hat der jüngste Sohn das Gartenhäuschen, welches fast neun Jahren lang auf der Grundstücksgrenze gestanden hatte und unterdessen gezeichnet war von Wind und Wetter, zurückgebaut und entsorgt. Einige Details hatte er sorgfälltig gelöst und zur Aufbewahrung zur Seite gelegt – und vergessen. Als ich neben der wieder erblühten Christrose ein paar trockene Stauden auszupfte, fand ich ein Brett auf der Erde liegen, hob es auf und 

Samstag, 18. November 2017

zukünftige Vergangenheit

Wenn ich – sollte es in meinem Leben dieses "später" je geben – einst ein Gemisch von gekochtem Hafer, Holzfeuer, Kaffee, Duschmittel, frischer Wäsche und Bananen riechen werde, so werde ich mich unweigerlich zurückversetzt fühlen in die frühen Morgenstunden von damals, als ich mit einem Teil der Kinder noch im Haus lebte, werde vielleicht sogar körperlich spüren, wie dicht diese Minuten waren zwischen dem Weckerklingeln und den 100 Sekunden vor Tramabfahrt, und ich würde mich nicht wundern, wenn ich dann, im Rückblick, sogar Wehmut empfinden werde.

Donnerstag, 16. November 2017

...

Diese Tage mit ihren Nebeltüchern und den vermummten Hügelzügen über dem Wald, mit den einsamen Schweinchen in den erfundenen Geschichten, welche sich Igel zu Freunden machen und von den Kindern für Bären gehalten werden, mit den Mützen, die in Jackenärmeln stecken bleiben und Strassenlaternen, welche mitten am Nachmittag milchig zu leuchten beginnen, weil sie nicht sicher sind, ob die Nacht bereits wieder vor dem Dorf steht, mit ihrem späten Duft nach Apfelkuchen und frischem Rauch, mit Erinnnerungen, die auf schwarzen, leeren Nussbäumen sitzen und unbeweglich dem leisen Seufzen unten auf dem Weg lauschen, diese Tage hätten, um sich etwas wichtiger zu fühlen, gerne Namen und bekommen sie nicht.

Mittwoch, 15. November 2017

Tat oder Wahrheit

Ein paar Dinge, die ich nicht kann:

Meerestiere essen – einen Weg begehen, wenn das Gelände auf einer oder auf beiden Seiten steil abfällt – Autofahren – jemanden anrufen, wenn der Anruf nicht abgesprochen ist – Spinnen in die Hand nehmen – mich auf Weihnachten freuen – mir Menschen aus dem Herzen reissen, welche nicht mehr in meinem Leben stehen

Dienstag, 14. November 2017

titellos

Kennst du das quälende Gefühl, dass du etwas sagen möchtest, aber der Hals ist zugeschnürt, die Luft erreicht die Stimme nicht, die Angst antizipiert alle möglichen Reaktionen und meint dich schützen zu müssen, indem sie die Räume in deinem Denken mit Entsetzen und Leere füllt, wo sonst die Sprache Brücken baut? Kennst du dieses Abgeschnittensein vom Fluss der Worte und den Schmerz, wenn dein Schweigen als Gewaltanwendung taxiert wird?




Die Pause, welche die Haut mir gönnt, kriegt ihre Chance. Satz um Satz. Blick um Blick. Schatten um Schatten. Schmerz um Schmerz. Und jedes Hinschauen und jedes Nichtfliehen hilft heilen. Heute durfte ich einen Entzündungshemmer anzetteln. Ein weiterer Prozess bekommt Raum. Hier heisst das Mittel "Geduld". Ich versuche sie mir zu schenken.

Sonntag, 12. November 2017

Novänder



Immer wieder ist es der November, welcher die zwingendste Lektion für mich bereit hält. Nach der Fülle, Weite, Grosszügigkeit und Wärme der hellen Jahreshälfte will er wieder hinein führen in das Unscheinbare, will meine Freude wecken am Graugeglaubten, will vielleicht gar Mut machen, dem Rückzug der Lebenskraft in den Schutz des Bodens zu folgen, und er leuchtet mit dem glühenden Spahn des Herdfeuers in die dunkeln Winkel, lässt Schatten tanzen und beleuchtet rotschimmernd das Konzert des Windes im Kamin. 
Heute habe ich begonnen, mich zu ergeben.


Freitag, 10. November 2017

heute so...

 

Lueg mis Räbeliechtli aa
ich has sälber gmacht
und jetz lüchtets hell und klar
dur die dunkli Nacht!