Heute habe ich einen Brief geschrieben an eine Person, welche mir sehr nahe steht. Obwohl ich ständig mit ihr im Gespräch bin, ist dies doch das erste Mal, dass ich schreibe, und entsprechend ungewohnt hat es sich angefühlt. Vor dem Papier machen die Worte meist einen Halt, den sie beim Sprechen nicht machen, und dieses Zögern und Abwägen hat die Sichte verändert. Ich habe Dinge geschrieben, die ich nicht sagen könnte, habe Dinge nicht gesagt, die sich sonst ständig in den Raum drängen. Und als ich da sass, Herz und Ohren offen, hörte ich vom Wald her wieder das Reh rufen. Diesmal war es kein klagender Ruf, es tönte eher wie ein singendes Bellen. Mir klang es wie ein Diktat, ein unerwartetes, und ich folgte dem Klang durch den Wald und setzte die Worte in die gelegte Spur.
Als ich das Papier in den Umschlag steckte, entfernte sich das Rufen in grossen Sprüngen und wurde immer leiser, bis ich nicht mehr folgen konnte.
Ich bin gespannt, ob und wie dieser Mensch reagieren wird, wenn er auf die ungewohnten Worte trifft.










