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Dienstag, 8. Januar 2019

Seltenfroh

Die drei, die im Moment zu Hause sind, albern durchs Haus, als wären sie inkarnierte Emojies, kichern, lolen, necken und nonsensen. Ich beobachte von weitem, höre das Lachen, spüre die Leichtigkeit, freue mich über ihre Freude miteinander und erinnere mich vage und wehmütig an Zeiten, in denen dieses Haus erfüllt war von solchen Interaktionen. Der Abbruch dieses Lebens war so aprupt, die Stille kehrte ein im Schock, und was sich daraus langsam wieder frei schälte, war nie wieder von derselben Heiterkeit. 
Umso mehr berührt mich diese Abendstimmung heute.

Montag, 7. Januar 2019

Alltagswind

Hab den ersten Schritt getan, und dann den zweiten, den dritten, und dann waren da Kinder und nur der Moment.
Da war es gut.
Und jetzt ist es Nacht. Was ich jetzt nicht verändern kann, versuche ich loszulassen.
Ich bin froh, dass die Weihnachtszeit vorbei ist.

Sonntag, 6. Januar 2019

Krönung

Heute vor zehn Jahren war sie Königin und wollte es nicht sein.

Es ist soviel Leben und gleichzeitig soviel Traurigkeit in diesen Tagen. Da hilft es manchmal, den altvertrauten Trauerraum wieder einmal zu öffnen, mir das Tuch der Sehnsucht wärmend über die Schulter zu legen, die Tränen fliessen zu lassen und die Last, genügen zu müssen, loszulassen.

Freitag, 4. Januar 2019

Konfrontation

Der Jahresanfang ist seltsam. Alles scheint so dicht zu sein, greifbarer als sonst, oft zu nah. Im Warenhaus auf der Rolltreppe halte ich es kaum aus bis zum nächsten Stockwerk, als die Person hinter mir bis auf zwei Stufen aufschliesst. Die roten Schilder mit dem %-Zeichen fauchen wie offene Raubtierrachen. Die Zufallsblicke in den Strassen treffen an einem Ort, wo Angst geweckt wird. Die Arbeitsstunden im stillen Klassenzimmer wispern sich wortlose Fragen zu. Die Gespräche am Tisch wühlen auf.  Zwei Töchter räumen ihre Zimmer, um sie zu tauschen. Immer wieder kommen sie mit Erinnerungsobjekten. Schau mal. War das wirklich so? Weisst du noch? Damals. Unsere Blicke auf das Vergangene, gemeinsam erlebte, sind zum Teil so unterschiedlich, wie völlig fremde Geschichten voneinander verschieden sind. Das irritiert, schmerzt, lässt staunen, je nachdem. 
Und je hartnäckiger mich dieser diffuse Spiegelblick verfolgt, desto mehr sehne ich mich nach Schlichtheit und Ruhe. Du musst sie in dir suchen, sagt die Tochter. Und ihre Augen leuchten aus dem verweinten Gesicht.

Mittwoch, 2. Januar 2019

Übergangsfarben

In den letzten Minuten des alten und in den ersten des neuen Jahres habe ich mit Farben gespielt. Da hängen sie nun, die Gedanken, als Pinselstriche zwischen den Zweigen von der Dreiundzwanzig.


Dienstag, 1. Januar 2019

...

Als gestern die ganze grosse, feuchtfröhliche Geburtstagspartygesellschaft des Sohnes aufgebrochen war, um den Jahresübergang in der Stadt zu feiern, da wurde es mit einem Mal total still im Haus. Die erste Solosylvesternacht meines Lebens (die jüngste Tochter hatte in letzter Minute doch noch eine Freundin gefunden, welche sie vor dem Alptraum eines langweiligen Muttertochterabends zu retten bereit war) begann mit Lüften und Putzen, wenigstens soweit, dass der Tisch wieder benutzbar war. 
Und wie ich da so sass vor den paar übrig gebliebenen Kartoffeln, da wurde die Stimme laut und lauter, welche mir darlegte, wie peinlich entlarvend und schwach es von mir sei, das Jahr mit einem Wutpost zu beenden, wie klar es da nun in der Welt stehe, dass es sich mit einem Menschen, dem Holzscheite wichtiger sind als funktionsunfähige Tochterfahrräder und Tote näher als Lebende und Stille tiefer als Gespräche, nicht leben lässt. Scham erfüllte mich und drückte mich in die wohl vertraute Ecke. Ich rückte meine Schuldmütze zurecht und entfernte das angeschlagene Herz mit seiner Geschichte aus dem Raum, als könnte ich ungeschehen machen, was in mir lebt und was ich am liebsten nicht sehen würde, als könnte ich das neue Jahr so unter einen helleren, erlösteren Stern stellen, als wäre die Grundlage für eine heile Illusion wieder hergestellt..
Doch dann lag da heute morgen die Frage von einer Leserin vor mir, warum ich das getan habe. Ich spürte Verständnis statt Verurteilung und Mut statt Schwäche. 
Und daher steht die Einunddreissig jetzt wieder da, wo ich sie letztes Jahr hingestellt habe. 

Den abgestürzten Teil des Herzens habe ich heute verfeuert. Es ist nun wieder wohlig warm im Haus.

ALLES GUTE!