Als gestern die ganze grosse, feuchtfröhliche Geburtstagspartygesellschaft des Sohnes aufgebrochen war, um den Jahresübergang in der Stadt zu feiern, da wurde es mit einem Mal total still im Haus. Die erste Solosylvesternacht meines Lebens (die jüngste Tochter hatte in letzter Minute doch noch eine Freundin gefunden, welche sie vor dem Alptraum eines langweiligen Muttertochterabends zu retten bereit war) begann mit Lüften und Putzen, wenigstens soweit, dass der Tisch wieder benutzbar war.
Und wie ich da so sass vor den paar übrig gebliebenen Kartoffeln, da wurde die Stimme laut und lauter, welche mir darlegte, wie peinlich entlarvend und schwach es von mir sei, das Jahr mit einem Wutpost zu beenden, wie klar es da nun in der Welt stehe, dass es sich mit einem Menschen, dem Holzscheite wichtiger sind als funktionsunfähige Tochterfahrräder und Tote näher als Lebende und Stille tiefer als Gespräche, nicht leben lässt. Scham erfüllte mich und drückte mich in die wohl vertraute Ecke. Ich rückte meine Schuldmütze zurecht und entfernte das angeschlagene Herz mit seiner Geschichte aus dem Raum, als könnte ich ungeschehen machen, was in mir lebt und was ich am liebsten nicht sehen würde, als könnte ich das neue Jahr so unter einen helleren, erlösteren Stern stellen, als wäre die Grundlage für eine heile Illusion wieder hergestellt..
Doch dann lag da heute morgen die Frage von einer Leserin vor mir, warum ich das getan habe. Ich spürte Verständnis statt Verurteilung und Mut statt Schwäche.
Und daher steht die Einunddreissig jetzt wieder da, wo ich sie letztes Jahr hingestellt habe.
Den abgestürzten Teil des Herzens habe ich heute verfeuert. Es ist nun wieder wohlig warm im Haus.