Nachtschattenpflanzen der anderen Art. Grashalme, verrottende Grashalme im Strassengraben, Laubreste, vom letzten Regen angeschwemmt und stecken geblieben, liegen geblieben in der Restfeuchte, vom Winter entdeckt und erkannt. Vergänglichkeit als strenge Poetin.
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Montag, 21. Januar 2019
Sonntag, 20. Januar 2019
Eiswundersonntag
Es wartet wieder eine volle Woche jenseits dieser Nacht. Die nächste Portion Elterngespräche steht an, und nach so einem vierstündigen Block, in dem ich ganz präsent bin, viel höre, aber auch viel spreche, mich auf die unterschiedlichsten Menschen einlasse..., da komme ich nach Hause und stehe wie vor einer Felswand, von der das Echo widerhallt. Ich muss nachhören, nachspüren, mich hineinlehnen in das, was sich entspannt, und meist bleibt da kaum ein neues Wort, auch keines zum Schreiben.
Daher habe ich nun diese gestrige Wintermorgenhalbstunde rund um den Sonnenaufgang auf eine Woche ausgedehnt und werde versuchen, täglich eines der Bilder zu "Wort" kommen zu lassen. Ob dann auch noch "Wind" aufkommt, wird sich zeigen.
Samstag, 19. Januar 2019
Standort
Ein Mond, wie ich ihn selten sah, stand heute Abend am Himmel. Ohne jede Ahnung, wie sowas richtig aufs Bild zu bannen wäre, habe ich die Kamera in die Dunkelheit gehalten.
Zu sehen ist nur eine Ahnung von diesem wundersamen Hof, der den Mond zu einem leuchtenden Kuppelmittelpunkt zu machen schien. Ich stand da auf dem gefrorenen Feld zwischen kahlen Bäumen, überwältigt, müde und erleichtert nach dieser Woche mit dem ersten Drittel der Elterngespärche.
Und dann begegnete mir noch dieses berührende Geschenk.
Wochenende, sei willkommen!
Sonntag, 13. Januar 2019
...
Stopp! Bitte nicht weiterlesen, wenn du auf der Suche nach Heiterkeit und Himmelblau bist.
Neulich sagte mir eine Bekannte: "Was ich am Älterwerden so wundervoll finde, ist die Gelassenheit, die immer grösser wird. Ich vertraue immer mehr meinen Stärken, weiss, was ich kann und wo ich heilsam wirken kann. All dem, womit ich mich früher klein gemacht und gequält habe, gebe ich einfach keine Energie mehr. Es ist so befreiend, sich selber liebevoll zu behandeln, und die Menschen begegnen mir ganz anders als früher." Sie strahlte, als sie erzählte, und ich glaubte ihr jedes Wort, weil sie es spürbar und wohltuend verkörperte.
Nein, sie ist nicht ich. Obwohl wir fast gleich alt sind, bin ich nicht in ihrem Alter, nicht da, wo sie aufblüht. Da sind noch immer so viele Ängste in mir. Die Einsicht, dass wir mit unseren Gedanken unsere Wirklichkeit erschaffen, erdrückt mich manchmal fast, weil ich die Füsse nicht herausziehen kann aus diesem schweren Morast. Der Anspruch zu vergessen, was keine Gegenwartskraft mehr hat, die Notwendigkeit, endlich zu akzeptieren, dass Verbindungen zu Menschen einfach abbrechen könne, dass Ende nicht immer Verwandlung bedeuten kann, dass es Geschichten im Leben gibt, in denen die Herzensstimme kein Stimmrecht hat, die Frage, ob es mir zusteht, einen Job abzulehnen, weil ich keine Freude dafür spüre, obwohl ich und vor allem meine Familie total darauf angewiesen wäre, die Mutlosigkeit, wenn es darum geht, meinem Herzen zu folgen, die mit jedem Jahr grösser wird, die Einsamkeit, welche nicht ich suche, sonden jene, welche mich einsaugt..., all diese Endlosschlaufen halten mich gefangen.
Es ist wie dem Fluss entlang gehen. Auf der einen Seite schleppt sich das schwere Gepäck auf meinen Füssen durch klebrigen, nassen Schlamm, auf der anderen leuchten Plakate, auf denen steht: "Identifikation ist der Klebstoff, Bewusstheit das Lösungsmittel."– "Alle guten Handlungwn haben ihren Anfang in guten Gedanken." – "Was immer du tun kannst oder wovon du träumst – fange damit an. Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich." – "Manchmal muss man altes gehen lassen, damit neues entstehen kann." "We are here to find that dimension within ourselves that is deeper than thought." ....
Es ist wie dem Fluss entlang gehen. Auf der einen Seite schleppt sich das schwere Gepäck auf meinen Füssen durch klebrigen, nassen Schlamm, auf der anderen leuchten Plakate, auf denen steht: "Identifikation ist der Klebstoff, Bewusstheit das Lösungsmittel."– "Alle guten Handlungwn haben ihren Anfang in guten Gedanken." – "Was immer du tun kannst oder wovon du träumst – fange damit an. Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich." – "Manchmal muss man altes gehen lassen, damit neues entstehen kann." "We are here to find that dimension within ourselves that is deeper than thought." ....
Doch da ist keine Brücke, oder ich sehe sie nicht, oder ich vertraue ihr nicht. Und ich weiss, dass man sowas nicht schreibt hier draussen, wo eigentlich der Platz ist für Schönes, für die aufgeräumte Welt junger Familien, für inspirierende Gärten, für eindrückliche Reisen, für weise Gedanken, oder allenfalls für echte Sorgen, für die andere Seite des Flusses eben.
Mittwoch, 9. Januar 2019
❄️❄️❄️
Während die einen in den Schneemassen versinken, stehen die andern staunend vor dem Haus und lassen sich vom allerersten Flockenballet des Winters verzaubern. Ich gehöre heute zu den andern. Fasziniert beobachte ich, wie mir alles eben noch so Dringende entgleitet, unwichtig wird, still und leicht. Als es Nacht wird, gehe ich hinaus. Da liegen Geschichten am Boden, Wege, Schritte, Spuren. Noch sind es wenige. Richtungen sind erkennbar, Schrittlängen, ich kann in die Fussstapfen anderer treten und sie wieder verlassen. Es riecht so wundersam kalt. Danke.
Für die einen muss es wie Hohn klingen, wenn die andern so träumen...
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