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Mittwoch, 6. Februar 2019
Unsicherheiten
An einer Schule von der Grösse der "meinen" beginnt die Pensenplanung für das kommende Schuljahr, kaum dass man im laufenden richtig angekommen ist. Unser erstes Gespräch als Klassenteam mit der Schulleitung fand bereits im November statt und war für mich ein nachhaltiger Schock. Es wurde mir klar, dass Dienstjahre und Sicherheit in einem engen Zusammenhang stehen, dass Schülerzahlen nicht langfristig kalkulierbar sind, dass meine persönlichen Wünsche zwar wahrgenommen werden, aber so vielen Rahmenbedingungen untergeordnet werden müssen. Anfang Januar fand dann das zweite Gespräch statt, da brach auch das Notkonstrukt, das wir uns aus den bekannten Umständen gebaut hatten, zusammen. Ich bekam Angst, und die Angst ist bekanntlich einer der schlechtesten Ratgeber.
Am vergangenen Wochenende kumulierte dieser Prozess in zwei beinahe schlaflose Paniknächte. Ich fühlte mich ziemlich neben den Schuhen, als ich am Montag zum nächsten Gespräch kam. Die eingeladene Kolleginnenauswahl war eigentlich Rätsellösung genug. Ich wusste, dass damit mein Pensum nicht zu füllen war.
Und dann kam es wieder ganz anders. Neue Zahlen, Überlegungen von einer anderen Seite, und plötzlich ein noch nicht spruchreifes Angebot, welches seit November völlig unrealistisch schien, eines, welches ich mit grösstem Glücksdank annehmen würde, aber eben noch nicht ausgereift. Was es noch braucht bis zur erhofften Reifung, weiss ich nicht. Ich wage mich nicht richtig zu freuen, noch nicht.
Aber ich habe geschlafen die letzten zwei Nächte, tief und fest, und die Haut hat sich auch beruhigt. Ende März werden die neuen Verträge gemacht. Es ist absehbar.
Feuer
Jedes Feuer ist neu und anders. Jedes hat seinen eigenen Charakter, seine eigene kleine Lebensgeschichte. Jedes summt sein eigenes Lied, welches nur an diesem Tag gesungen werden kann. Jedes spielt auf seine Art mit dem Wind. Jedes Feuer ist ein flüchtiger, aber wirkungsvoller Gast. Jedem einzelnen bin ich zutiefst dankbar, dass es uns Lebensqualität und Geborgenheit schenkt, Tag für Tag, dass es das Tor bildet zwischen der Nacht und dem neuen Tag.
Montag, 4. Februar 2019
Morgenfundstück
Du solltest über kein Gefühl sagen, dass es klein oder unbedeutend sei. Wir leben nur allein durch unsere einfachen, schönen und wunderbaren Gefühle. Und jedes einzelne Gefühl, mit dem wir ungerecht umgehen, ist ein Stern, dessen Licht wir rauben.Hermann Hesse
Sonntag, 3. Februar 2019
Wunsch
Eine Stunde am Wochenende, eine einzige, die frei ist von Pflichten, eine, in der ich machen darf, was ich will, am liebsten gar nichts.
Oder aber einen hellen Gedanke, der so hell ist, dass er über den ersten Wunsch lachen kann und sagt: Das geht schon! Das schaffst du! Tu mit Freuden, was du tust, dann ist nichts zuviel oder so ähnlich.
Oder Fröhlichkeit, einfache, heitere Fröhlichkeit, so wie letzten Donnerstag, als es während der Schulstunde zu schneien begann in riesigen Flocken und die Kinder staunend da sassen und strahlten.
Oder eine Prise Gewissheit hie und da, dass es Sinn macht, was ich tue.
Oder eine Prise Gewissheit hie und da, dass es Sinn macht, was ich tue.
Und sonst den Mut, es zu lassen. (Wenn daran nicht die Existenz einer ganzen Familie hängen würde...)
Die Antischubsalbe muss unheimlich stark sein. Ob auch sie es war, die sich stundenlang gegen meinen Schlaf gestemmt hat letzte Nacht, obwohl ich totmüde bin?
Samstag, 2. Februar 2019
Schub
Wahnsinn, so wörtlich habe ich dieses Phänomen noch nie erlebt.
Seit gestern Mittag schiesst mit einer unheimlichen Hitze eine neue Schmerz- und Entzündungswelle in meine beiden Hände. Die Haut ist zeitweise empfindlich bis zur Berührungsunfähigkeit. Und das Verrückte ist: Es fühlt sich irgendwie gesund an, als würde sich viel tiefer etwas lösen, was blockiert war. Dieses Etwas scheint zu drängen: Pass auf dich auf. Schalte drei Gänge zurück! Ich kann nicht hinhören. Neun Elterngespräche nächste Woche, die Materialbestellung für das kommende Schuljahr, die ich vorgestern hätte abgeben sollen, ein Stapel Rechnungen auf dem Schreibtisch, ein Geburtstagskind am Montag – und dann bin ich ja eigentlich noch Lehrerin, auch nächste Woche. Ich schiebe den Schub zur Seite und weiss, dass es falsch ist. Aber es gibt keine Alternative. Schreiben tut gut.
Freitag, 1. Februar 2019
Morgengruss
Guten Morgen Februar
Zum zehnten Mal begrüsse ich dich nun mit diesem schalen Gefühl, mit diesem Nebeneinander von Angst vor dem Erinnerungsschmerz und der sehnsuchtsvollen Freude, gerade darin der Unsterblichkeit nahe zu sein, näher als sonst vielleicht. Amselmonat, Schneeglöckchenmonat, Eismonat, Brückenmonat, Lichtwachstumsmonat, Intensivmonat. Willkommen in meinem Leben.
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