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Montag, 18. März 2019
Auf ein Neues
Immer diese Schwere zum Schulanfang. Ob ich das schaffe? Ob ich richtig vorbereitet habe? Ob ich genügend schlafen kann? Ob es den Kindern gut gehen wird? Ob ich im Kollegium achtsam genug sein kann – in diesen Pausenminuten, wo ich eigentlich nur abschalten will...? Ob es gelingt, den Schreitisch aufgeräumt zu halten? :)
Samstag, 16. März 2019
...
Wir waren dreimal fast zeitgleich schwanger, entsprechend lange Zeit täglich im resp. vor dem Kindergarten, später sah man sich im Dorf, wenn beide nicht in Eile waren, blieben wir stehen, unverbindlich, und doch irgendwie verbunden und im Gefühl, man nehme sich gegenseitig wahr.
Wie sehr habe ich mich getäuscht.
Eben im Dorf stand ich vor dem Gemeindeschaukasten vor der ersten Todesanzeige seit Monaten und las ihren Namen, ihren Jahrgang – Mitte der 70er-Jahre – und konnte es und wollte es nicht glauben. Vor einem Monat Unwohlsein, Arztbesuch, Metastasen im ganzen Körper, alles ging ganz schnell... Das erzählte man mir dann im Dorfladen. Da weiss man zum Glück noch von den Dingen, die eine Dorfgemeinschaft erschüttern.
Die Kirschblüten werden bald blühen.
Donnerstag, 14. März 2019
Code
Meine Gedanken sind beim Ausräumen der Einkäufe, beim Verteilen an die verschiedenen Aufbewahrungs- und Verarbeitungsorte. Einen Artikel um den anderen hole ich aus der Tasche, blicke ihn wohl kurz an, versorge ihn. Das ist tausendfach getan, Alltagstun, Alltagszeit.
Dann diese Milisekunde, vier Zahlen, zwei Punkte – ich realisiere erst, als ich mitten im Film drin stecke: Mittwoch, Verlegung auf die Intensivstation, Arzt im weissen Kittel, Diagnose, Angst, Panik, Schuldgefühle, Telefonat im kalten Windfang neben dem Hinterausgang, Milchpumpe, alles ist da auf einen Schlag. Haltbar wohl bis ans Lebensende.
Mittwoch, 13. März 2019
Biogeographie
Mir ist eine sympathische Idee begegnet. "Sammle die Namen aller Strassen, an denen du gewohnt hast." Lebenswege mal etwas anders... Es wachsen beim Suchen nach den Namen in schwindelerregendem Tempo Geschichten an den Wegrändern, Erinnerungen, Gefühle, Gerüche... Spannend, wie der Klang dieser Namen eine ganze Biographie trägt. In Klammern stehen die runden Geburtstage, die ich dort erlebt habe.
Weyermühlestrasse
Gartenhof (10)
Im Haberacher (20)
Wuhrmattstrasse
Speiserstrasse
Holbeinstrasse
Sommergasse
Am oberen Dorfplatz (30)
Dammstrasse
Mariasteinstrasse (40,50)
An der Speiserstrasse in Basel wohnte ich nur gerade 3 Monate lang zu Beginn des Studiums. In der dritten Woche ereignete sich die Brandkatastrophe beim nahe gelegenen Chemiekonzern. Durch die angstvollen Stunden in jener Nacht hat sich das Einzimmerstudio sehr tief eingeprägt.
Die Übung, in Gedanken an die verschiedenen Orte "heimzukommen", mir den Weg durch die Wohnstrasse vorzustellen und die Gefühle zu fühlen, die sich dabei einstellen, ist fast schon erschütternd. Damit werde ich jetzt eine Weile unterwegs sein, bevor ich entscheide, ob ich dazu was schreibe.
Dienstag, 12. März 2019
Nachlese
Da liegt auch dieser grüne Umschlag auf dem Stapel, der bald keiner mehr ist. Seit letztem Sommer lege ich ihn immer und immer wieder ungeöffnet zurück. Dabei erinnere ich mich so gut an den Moment, als ich ihn aus dem Briefkasten holte. Mein Herz machte einen kleinen Freudensprung, als ich ihn zwischen all den Rechnungen und Katalogen entdeckte: Ein handgeschriebener Brief mit einer schönen Briefmarke, das kommt nur noch sehr, sehr selten vor. Die Schrift kam mir vertraut vor, doch als ich ein paar Schritte später realisierte, war ich enttäuscht, beschämt und auch ein wenig belustigt.
Wenige Tage zuvor war mir der Impuls begegnet, dem wichtigsten Menschen in meinem Leben einen Brief zu schreiben. Ich sollte mir vorstellen, was ich ihm schon lange einmal sagen wollte, es aber immer unterlassen hatte, aus welchen Gründen auch immer. Ich sollte mir überlegen, wofür ich ihm dankbar bin und was ihn für mich so besonders und einmalig macht. Ich wurde so geführt in diese Vorstellung, dass ich warm und offen wurde und die Worte sich startklar schmückten.
Und dann war da der letzte Satz: "Stell dir nun vor, dass dieser wichtigste Mensch du selber bist und schreibe dir diesen Brief."
Es war eine schwierige Übung. Irgendwo zwischen dem verdrückten Mädchen, welches oft genug gehört hatte: "Nimm dich doch nicht so wichtig!" und der halbwegs erwachsenen Frau, welche mit grosser Sicherheit die eigenen Fehlerregister rezitieren kann, versuchte ich einen Freiraum zu schaffen für diesen Versöhnugsakt.
Den steckte ich dann in einen grünen Umschlag, klebte eine besondere Marke darauf und schickte ihn auf die Reise.
Erkannt habe ich den Brief nach einigen Sekunden, gelesen erst fast neun Monate später. Heute. Was ich lese ist leider bloss ein Versuch. Ich stehe zu der Schreiberin in einer derart ambivalenten Beziehung, dass ich ihr die scheinbar liebevollen, ermutigenden Worte nicht abnehmen kann.
Wir beide haben noch viel zu lernen.
Montag, 11. März 2019
Juhee
Es schneit!!! Was habe ich diesen Flockentanz vermisst während der langen letzten Monate! In einer Stunde scheint bestimmt wieder die Sonne. Dann beginn nämlich der Cortège der Basler Fasnacht, und heute früh stand in der Zeitung, Petrus sei ein Bebbi (Basler). Ich als Nichtbebbi geniesse nun einfach die Zauberminuten und halte sie hier fest, schneeflockenleicht!
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