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Freitag, 6. September 2019

Entzauberung

Mir sind Menschen unheimlich, welche immer schon einen Kommentar und eine Antwort formulieren, bevor überhaupt eine Frage im Raum steht. Da mag Genialität und eine tiefe Intuition führen, ich kann mich darauf nicht einlassen, fühle mich überrollt und platt.
Das Gegenüber, welches ich heute nach langer Zeit wieder getroffen habe, hatte viele Jahre lang, als Bewundern noch eine meiner ausgeprägtesten Fähigkeiten war, meine höchste Achtung. Ich merkte es heute daran, wie ich sofort zusammen schrumpfte, als wir uns begrüssten. 
Ich habe wahrscheinlich kalt gewirkt, distanziert und nicht sonderlich interessiert. Innerlich war ich bewegt, erstaunt und froh, dass die alte Macht, einem solch brillianten Menschen huldigen zu müssen, nicht mehr über mich verfügen kann. Der Weg zur liebevollen Grösse ist noch ein weiter, aber die ersten Schritte sind geschafft.

Donnerstag, 5. September 2019

Donnerstag

Ja, manchmal wünschte ich mir, es wäre jemand hier, der mich nach einem solchen Tag einfach mal in den Arm nehmen würde, dem ich erzählen und bei dem ich vielleicht auch weinen dürfte. 
Heute ist so ein Tag. Der Sohn ist extra früh aufgestanden, um sich richtig verabschieden zu können, denn es war der letzte Morgen, an dem er noch richtig hier lebte. Es war ihm ganz wichtig, das so klar zu definieren. Nach seiner dreiwöchigen Reise, die er unterdessen gestartet hat, wird er zwar noch einmal hier übernachten, aber danach wird er weg sein und ganz sicher nie wieder hierher zum Wohnen zurück kommen. Vermutlich kommt er an Weihnachten, aber vorher bestimmt nicht. Da ist kein Groll, kein Streit, aber ein eindeutiger, unumkehrbarer Aufbruch in sein eigenes Leben. Heute also hat er sich verabschiedet mit einer langen Umarmung. Flügge. Erwachsen. 
Und während er nochmal zurück ins Bett ging, reiste ich meiner Tochter entgegen und fuhr mit ihr in ihre Uni-Stadt zur Studienberatung. Es ist ein grosses Glück, dass an ihrer Fakultät unglaublich verständnisvolle, hilfsbereite Menschen arbeiten. Gleichzeitig ist es erschütternd zu realisieren, dass sich ihr Bachelorabschluss wohl um ganze zwei Jahre verzögern wird.
Das alles und so manches mehr trägt man als Mutter halt so mit sich, spürt, versteht, begleitet, und manchmal braucht es ein paar Tränen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Und eine Umamrmung würde auch gut tun.
Aber geht schon, geht immer irgendwie.

Dienstag, 27. August 2019

Aufklärung

Die grössten Stimmungsschwankungen erlebe ich nicht etwa in der Klinik, sondern im Familienchat. Da kann es plätschern und bildern und nonsensen in heiterer Unbeschwertheit, irgendwann schreibe ich einen gefühlt genauso lockeren Kommentar und – Stille. Vorbei.
Wieder einmal thematisiere ich diese verwirrende Beobachtung. Da sagt die Tochter, sichtbar um Diplomatie ringend: "Also irgendwie kann ich das schon verstehen. Das, was du schreibst, hat sehr oft so etwas Bestimmendes, Arrogantes."
Was??? Ich muss mich verhört haben. 
"Ja, ich meine, du schreibst ja meistens so richtige Sätze und am Schluss davon einen Punkt. Das hat sowas Zurückweisendes, Abschliessendes."
aha
achso
Und woher bitteschön hätte ich das wissen sollen

Montag, 26. August 2019

Gruss

Es fehlt mir und fällt mir doch oft erst spät abends ein, wenn Ruhe einkehrt und die Todolisten ins Altpapier wandern: das Schreiben hier, das kurze mich Einkuscheln in einen erwartungsfreien Raum.
Es ist ok, wie es ist. Seit dem neuen Schuljahr habe ich das Gefühl, ganz im Kollegium angekommen zu sein. Die Unsicherheiten und Fremdheitsmomente werden immer seltener, die Gespräche auf den Gängen und unter den Türen länger und persönlicher. Die Klasse ist vertraut. Aus den kleinen Erstklasskindern vom Anfang sind DrittklässlerInnen geworden, die sich zurecht finden.
Im Paralleluniversum Familie sind die Veränderungen grösser. Die Hoffnung, dass die Prüfungszeit der Tocher endlich ein lichtvolles Ende findet, ist gross und laut Fachleuten unbedingt berechtigt. Aber die Zeit ist lange. Der Sonnenstand ist in diesen Tage gleich wie damals, als Mitten im Frühling das Chaos ausbrach.
Meine Tage haben viele Lichtblicke, einen davon sehr oft morgens auf der Fahrt zurArbeit 

oder am Abend dann, wenn die Blumen bei meiner Rückkehr im letzten Abendlicht stehen. 
In meinem Herzen leben viele Menschen, die es nicht ahnen oder nicht mehr daran glauben oder es nie gewusst haben oder aufgehört haben, ihre Anknüpfungspunkte offen zu halten.
Ich glaube es gibt Zeiten, in denen dieses Innewohnen die einzige Form der Verbindung sein kann, weil die Gefässe überquellen von dem, was jeder Tag und jede Stunde hinein füllen.

Montag, 19. August 2019

...

Diagnose Müdigkeit. Es reicht einfach nicht für kreative Schreibpausen. Dabei könnte ich damit manchmal die Zeit anhalten für ein paar Augenblicke.

Montag, 12. August 2019

Berlin

Heute schreibe ich in einer persönlichen Angelegenheit, genauer: Im Auftrag meines Sohnes.
Früher hatte ich viel mehr Kontakt zu meinen Leserinnen, stand mit vielen im Mailkontakt und lernte einige gar persönlich kennen. Seit ich wieder als Lehrerin arbeite, haben sich meine Kapazitäten diesbeszüglich extrem verändert. Die Kommentarfunktion ist meist geschlossen, mein Schreiben hat sich weitestgehend anonymisiert.
Warum ich das erzähle: Damals wusste ich von einer ganzen Handvoll oder mehr Leserinnen, dass sie in Berlin leben. Ich habe keine Ahnung, ob jemand von denen oder andere BerlinerInnen, von denen ich gar nichts weiss, noch hier mitlesen. Versuchen kann ich es ja. Wer weiss, vielleicht hilft ja der Wind das Glücksrad drehen: 
Dieser eine Sohn, der Filmer und Fotograf, von dem ich immer mal wieder etwas gezeigt habe, wird anfang Oktober nach Berlin ziehen. Er hat eine Praktikumsstelle mit einem Praktikumslohn im Kreuzberger Stadtteil (sagt man dem so?) und sucht nun ein (WG)-Zimmer in Fahrraddistanz, das er zumindest für den Anfang mieten kann.
Wenn hier jemand jemanden kennt, der entsprechende Tipps geben könnte, so füllt mein Mailkonto mit Hinweisen und Wegweisern! (frauwindwort(at)gmail.com). 
Danke!

Sonntag, 11. August 2019

Aufräumen

Morgen ist es so weit. Nach zehn Tagen Schule ohne Kinder und ohne Pausenglocke, dafür mit umsomehr Begegenungen im Kollegium (ich wusste gar nicht, dass in mir drin soviel Reden ist!), mit noch mehr Aufräumen und vielen Vorbereitungen geht es wieder los.

Und weil ich schon seit Wochen hier die ganze Farbbilder ordnen sollte, stelle ich jetzt mit der Hoffnung, sie werden für sich sprechen, eine ganze Reihe davon ein. Es war ein wunderbarer Prozess, der uns über viele Wochen begleitete und nie zu Ende sein wird. Denn wenn du einmal mit den Farben Freundschaft geschlossen hast, wirst du ihnen anders begegnen, immer.

Am Anfang standen einfach drei Farbtuben am Boden in unserer Mitte. Und alles, was hier an bemaltem Papier leuchtet, ist nur mit diesen drei Farben und ihren Mischungen bemalt. Das fasziniert mich unendlich und täglich aufs Neue.