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Samstag, 10. Oktober 2020

10.10.2020

Wo ist sie denn geblieben, die Zeit, welche zu diesem tollen Datum geführt hat? Ferienzeit, Gartenzeit, Holzzeit. Es liegen gute Tage hinter mir. Sie waren gefüllt von unten bis oben, genauso wie es jetzt meine Holzvorräte sind. Jeder erdenkliche Winkel und Stauraum ist voll von Holz, mehr als sonst. Es war wunderschön dieses Jahr mit der zukünftigen Ofenwärme zu arbeitn. Es war kühl, windig, hie und da hat es etwas geregnet, das Holz hatte kaum Äste, ist vermutlich Stammholz, und liess sich daher problemlos aufschichten. Irgendwie kam es mir vor wie Meditation, dieses stundenlange Hin-und-hergehen, aufheben, tragen, niederlegen, diese verschiedenen Scheitformen, welche gerade soviel Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, dass ich nicht viel anderes denken konnte. 
Anfang der Ferienzeit hatte ich den Entschluss gefasst, dem Energie und Aufmerksamkeit zu schenken, was mich stärkt, was mir gut tut, was mich atmen lässt. Es war in einem jener besonderen Momente, die hie und da im Leben aufleuchten, in denen die Vorhänge wegfallen, die Fragen verstummen, ein stilles Lächeln über allem liegt. 

Möge es euch gut gehen da draussen.

Mittwoch, 30. September 2020

september

Manchmal treffe ich Frauen im Dorf, mit denen ich früher stundenlang geredet habe, ich weiss noch wo und zum Teil sogar, was die Kinder währenddessen gespielt haben, aber ich erinnere mich nicht an den Inhalt unserer Gespräche. Heute grüssen wir uns freundlich und etwas hilflos, weil wir wohl beide merken, dass wir den Faden verloren haben.

Dienstag, 29. September 2020

september

Sätze, die wie Gegenwind in Mutters Gesicht prallen: 

"Ich freue mich darauf, meine eigene Sekretärin zu haben."

Männer sagen sowas, machen tun es die Frauen. Auch heute noch? Zurück zu Mamas Rundumversorgung mit dem Unterschied, dass mann die Fäden selber in der Hand hält?

(Gibt es auch Chefinnen, welche sich den Papierkram von einem Mann machen lassen!)

Donnerstag, 24. September 2020

september

Die Melancholie des Herbstes beginnt um die Häuser zu ziehen. Auf den hohen Kandalabern klappern die Störche und erzählen sich vielleicht von bevorstehenden Abenteuern auf dem Weg in den Süden. Die Eisverkäufer rüsten ihre Wagen um in Marronibuden (zumindest stelle ich mir das immer so vor.), die Tage werden schneller müde und das Grün des Waldes hat es längst aufgegeben, üppig zu wirken.

Das seltsamste Jahr meines bisherigen Lebens rüstet sich, um seine Früchte zu verteilen. Sie schmecken bittersüss.

Sonntag, 20. September 2020

september

Bisher hatte ich immer gedacht, Gerichtssäle seien gross, etwas düster, erhaben, hölzern und vorne sitze die Richterperson im schwarzen Talar auf einem hochlehnigen, ledern geposterten Sitz.

Nichts davon war zu sehen, als ich am Donnerstag erstmals einen solchen Raum betrat. (Ich hoffe, es war auch das letzte Mal.) Sitzungszimmer würde ich das nennen, vorne ein grosser weisser Tisch, an dem die Richterin in Zivil sass und neben ihr eine blutjunge (hätte meine Tochter sein können) Gerischtsschreiberin vor dem Computer wartete. Im Raum standen wohl etwa vier weisse Tische, deren jeweils zwei Plätze durch eine Plexiglasscheibe voneinander getrennt waren. Auf jedem Platz stand ein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel. Es war hell, aber ich könnte nicht sagen, wie das Tageslicht in den Raum kam. An einen Blick aus dem Fenster kann ich mich nicht erinnern. 

Ich weiss, dass Bilder an der einen Wand hingen, ich erinnere mich, dass ich versuchte, sie anzuschauen, wahrzunehmen. Es gelang mir nicht. 

Es war seltsam friedlich zwischen uns beiden. Die Zeit hielt für ein paar Momente den Atem an. Es fühlte sich an, als würde ein neues Kapitel in einem gemeinsamen Buch aufgeschlagen. 

Das hatte ich nicht erwartet.

Donnerstag, 17. September 2020

september

Das hat mir heute die älteste Tochter geschickt, wieder einmal – wie so oft schon – passend:

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

Hesse

september


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