Das Schulhaus, in welches ich vor den Sommerferien umgezogen bin, ist nach Minergie–Standard gebaut. Eigentlich bedeutet das, dachte ich zumindest, immer gutes Raumklima, keine Überhitzung, minimaler Energieverbrauch. Das letzte kann ich natürlich nicht beurteilen. Was ich aber sehe, sind riesige Metallrohre, die mitten im Zimmer an der Decke befestigt sind, was ich höre ist alle Minuten ein klopfendes Geräusch darin, und was mich zu Widerstand anstachelt ist die Weisung, keine Fenster zu öffnen (man kann eh nur eines öffnen!). Vom Riechen spreche jetzt mal nicht. Es ist hell, gross, komfortabel ausgestattet, in warmen, (anregenden) Farben gehalten, ruhig, mit Blick zu Grün hinter den Häusern und mit Rolläden, welche automatisch schliessen, wenn der Bewegungsmelder länger als 5 Minuten keine Regung mehr registriert. Ich werde nicht jammern, auf so hohem Niveau ist das nicht angebracht.
Vorgestern habe ich meine einzige Pflanze, welche ich vor einem Jahr von einer Namensvetterin übernehmen durfte und die seither gewachsen ist und sich wohl gefühlt hat, aus der Werkstatt geholt. Dorthin stellen wir in den langen Ferien unsere Zimmerpflanzen, und dort werden sie von uns nach einem abgesprochnen Plan gegossen.
Und heute?
Sie beginnt zu sterben. Plötzlich bekommen die feinen, langen Blätter einen hellen Rand. Die Spannkraft zieht sich zurück. Ich habe keine Ahnung, was ich tun kann ausser traurig sein und mir überlegen, was dieser Raum wohl mit uns Menschen macht.