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Samstag, 7. August 2021

219/365 Listen

Es ist alltäglich und selbstverständlich geworden, ich gewöhne mich trotzdem nicht wirklich daran, was all diese Digitalisierung an Spielereien bereit hält.

So habe ich mir zum Beispiel die Mitarbeitendenliste unserer Schule nach absteigendem Alter ausgedruckt. Da ich mitverantwortlich bin für die Geschenke (auch) an runden Geburtstagen im Team, macht das sogar ein Bisschen Sinn.

Was soll ich sagen. Gelistet sind 77 Personen. Mein Name steht auf Position 16.

Freitag, 6. August 2021

218/365 Doch noch die Nase

Heute traf ich den Hauswart. "Hej, wir waren vorgestern in deinem Zimmer, haben nochmal alle Stühle ausgetauscht. Und du hattes sowas von Recht: Uns hat es fast den Atem verschlagen, als wir rein kamen."

Ich lüfte seit 10 Tagen täglich etwa 6 Stunden, habe den Raum geräuchert, Raumspray von farfalla benutzt, alle Textilien gewaschen und nass im Zimmer aufgehängt, habe den Bürostuhl dreimal shamponiert, alle Oberflächen mehrmals abgewischt... 

Nach dieser Rückmeldung reiste ich am Nachmittag ins Nachbardorf in die Drogerie und schilderte mein Problem. Nun werde ich übers Wochenende zwei Hausmittel ausprobieren und danach weiter schauen. Einerseits soll ich mit verdünntem Putzessig nochmal alle Flächen abwischen. Dann werde ich frisch gemahlenen Kaffee kurz anrösten und in Schälchen verteilt im ganze Raum aufstellen. 

Dann wurde mir von der Lampe Berger, Paris erzählt. (Kennt die jemand?) Die ist teuer und ich noch skeptisch. Ich fürchte, dass die ganze unbehandelte Holzdecke getränkt ist von diesem Raumgeruch der letzten drei Jahre und alle Bemühungen, die Luft zu reinigen, daran scheitern werden.

Doch jetzt starte ich morgen mal mit Kaffee, das tue ich eh jeden morgen!

Donnerstag, 5. August 2021

217/365 modernes Sterben

Das Schulhaus, in welches ich vor den Sommerferien umgezogen bin, ist nach Minergie–Standard gebaut. Eigentlich bedeutet das, dachte ich zumindest, immer gutes Raumklima, keine Überhitzung, minimaler Energieverbrauch. Das letzte kann ich natürlich nicht beurteilen. Was ich aber sehe, sind riesige Metallrohre, die mitten im Zimmer an der Decke befestigt sind, was ich höre ist alle Minuten ein klopfendes Geräusch darin, und was mich zu Widerstand anstachelt ist die Weisung, keine Fenster zu öffnen (man kann eh nur eines öffnen!). Vom Riechen spreche jetzt mal nicht. Es ist hell, gross, komfortabel ausgestattet, in warmen, (anregenden) Farben gehalten, ruhig, mit Blick zu Grün hinter den Häusern und mit Rolläden, welche automatisch schliessen, wenn der Bewegungsmelder länger als 5 Minuten keine Regung mehr registriert. Ich werde nicht jammern, auf so hohem Niveau ist das nicht angebracht.
Vorgestern habe ich meine einzige Pflanze, welche ich vor einem Jahr von einer Namensvetterin übernehmen durfte und die seither gewachsen ist und sich wohl gefühlt hat, aus der Werkstatt geholt. Dorthin stellen wir in den langen Ferien unsere Zimmerpflanzen, und dort werden sie von uns nach einem abgesprochnen Plan gegossen.
Und heute?
Sie beginnt zu sterben. Plötzlich bekommen die feinen, langen Blätter einen hellen Rand. Die Spannkraft zieht sich zurück. Ich habe keine Ahnung, was ich tun kann ausser traurig sein und mir überlegen, was dieser Raum wohl mit uns Menschen macht. 


Mittwoch, 4. August 2021

216/365 Notizen

Für die Geschichtsbücher: Heute, am 4. August, habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich heizen soll. Ich habe mich dann für die Variante dicker Pullover und Schal entschieden.

Und das Familienmitglied, welches gestern Virenbesuch hatte, sagt am Abend matt und elend: "Es ist unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit wir es annehmen, wenn wir fit und gesund sind und Energie haben, das zu tun, was wir wollen. Wir sollten eigentlich jeden Tag unendlich dankbar sein dafür!" – Heute früh dann, nach 10 Stunden tiefem, gutem Schlaf, sieht die Welt wieder vertraut und lustig aus. Als ich nach ein paar Seufzern an die gestrige Einsicht erinnere, kommt als Antwort: "Ja, schon, aber..."! 
Es ist eben wirklich unglaublich, ....

Dienstag, 3. August 2021

215/365 Viren

Kennst du das? Ein Magen-Darm-Käfer hat sich im Haus installiert, und du fühlst dich vor lauter Angst und Widerstand vor einer Ansteckung mulmig und schwindlig? Braucht man nicht.

Montag, 2. August 2021

214/365 Mauertraum

(Zitat vom 4. Mai: "Toller Tageszähler heute: 1, 2, 3, 4, 5, 6 in leicht veränderter Reihnenfolge")

Heute habe ich einen Bericht gesehen über eine Chinesin, welche es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat, Wüste in Wald zu verwandeln und so Lebensgrundlage für Menschen und Tiere zu schaffen. Grüne Mauer wird dieses Projekt genannt und ist bereits über 2000 km lang, wenn ich das richtig verstanden habe. (Sie spricht Chinesisch 😉!) 

Würde das nicht Arbeit schaffen für Hunderte und Tausende von Menschen, wenn man solche Mauern bauen würde überall da, wo der Boden kein Leben mehr hat?

Sonntag, 1. August 2021

213/365 Mutter

Vor vier Monaten hat sich das Leben meiner Mutter von einer Stunde auf die andere komplett verändert. Es begann eine intensive Zeit, welche sie bis an die Grenzen ihrer Kräfte forderte. Reisen zu Kliniken an mehrfach wechselnden Orten, Gespräche mit Ärzten, Entscheidungen für oder gegen verschiedene Massnahmen, Bangen um den nächsten Tag, viele Besuche, wenig Schlaf... Vor einem Monat dann wurde die Geschichte dieses Menschen, ihres Mannes, zu Ende geschrieben. Wieder waren wir Kinder da, fast täglich jemand, bis sie sagte, sie brauche jetzt wieder einmal einen ruhigen Tag für sich alleine. Sie erhielt hunderte von Briefen und Karten, las, staunte, erzählte denen, die da waren, von den Schriebenden und deren Bezug zum Vater, zu ihnen. Die Abschiedsfeier forderte viele kleine und grosse Planungsschritte, Absprachen, Gespräche. Zur Feier letzten Donnerstag konnte endlich auch der Bruder anreisen, welcher die ganzen drei Monate in Israel gelebt hatte. Heute ist nun auch er wieder abgereist.
Jetzt ist der Abschied vollständig. Vor ihr liegt ein neuer Alltag, ein stiller, einer, der die Lücke schmerzhaft zeigen wird, einer, der hoffentlich von ganz vielen Menschen durch Lebenszeichen aller Art aufgelockert sein wird. Keines von uns "Kindern" lebt um die Ecke oder im Dorf, nicht mal im Kanton. Es beginnt nun auch für uns ein neuer Abschnitt.