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Dienstag, 14. Dezember 2021

348/365 nach einer Mail

... bis sie dann auf einmal wieder überschwappt, die Sorge, die Orientierungslosigkeit, die C-Welle. Du schluckst Wasser, hustest, ruderst ziellos mit den Armen und merkst erst Runden später, dass du die wichtigste Kraft verloren hast: Das Vertrauen. Komm setz dich ans Ufer, lausche dem Rauschen, lass deine Haare im Wind trocknen und spüre das Leben, wie es in dir pulsiert.

Montag, 13. Dezember 2021

347/365 Details

Es scheint so, dass ich besser schlafen kann, wenn ich die letzten dreissig Minuten vor dem zu Bett gehen nicht mehr online bin. Es ist ruhiger in meinem Kopf, ich lasse durch ein schönes Buch eigene Bilder entstehen und nehme sie hinüber in den Schlaf. Ein weiteres Experimentierfeld im Alltag, aber auch etwas mehr Zeitdruck auf meinem 365-Projektchen. Zu veröffentlichen gibt es heute nichts. Die Begegnungen während des Tages sind freundschaftlich, heiter und wertschätzend. Die Herusforderungen liegen in den Überraschungen, welche jeder Augenblick bereit hält, Episödchen, welche nicht das Zeug zur Literatur aber doch die Kraft haben, Lächeln zu zaubern. Und nun mache ich mich auf den halbstündigen Weg ins Bett. Hier lasse ich ein paar Grüsse liegen. Bedien dich, wenn du vorbei kommst.

Sonntag, 12. Dezember 2021

346/365 üben

Wir lernen ein Leben lang. Es mag ein Kalenderspruch sein – ich mag es, darüber nachzudenken. Ich habe Kolleginnen, die lernen Fremdsprachen, machen Weiterbildungen zu Therapeutinnen, lernen Gebärdensprache oder Stepptanz. Da bin ich eher träge unterwegs. Mich reizt der Alltag mit seinen unendlich vielen eingespielten und oft unbewussten Mustern.
Zur Zeit übe ich, die Füsse zu entspannen, wenn ich in der Küche stehe. Ja, lach nur, doch was so simpel tönt, ist für mich eine echte Herausforderung und eine Nachwirkung der Physeotherapie, die ich vor einem Jahr gemacht habe, um einer Operation am Knie zu entgehen. Ich hoffe, irgendwann wird es mir gelingen, auch dann entspannt auf dem Boden zu stehen, wenn ich mich nicht darauf konzentrieren kann.

Samstag, 11. Dezember 2021

345/365 Selbstverständlich

Das ist ein Notizzettel, der hier neben und auf und unter hundert anderen Alltagszeugen und Arbeitshelfern liegt. Ein Test für die Herstellung des Geschenkpapiers am Montag. Es fällt mir in diesem Klassenzug nicht leicht, mich zu motivieren für aufwändige Geschenke und liebevolle Kleinigkeiten. Noch nie, gar nie kam irgendeine Reaktion von Eltern auf eine Arbeit, ein Geschenk, eine Aktivität oder irgendetwas, was die Kinder nach hause bringen durften. Ich habe keine Ahnung, ob dies ein Ausdruck von Enttäuschung, Nichtgenügen oder Selbstverständlichkeit ist.
Ich werde es weiterhin versuchen, den Kindern zuliebe. Und ich hoffe, dass wenigstens sie Rückmeldungen bekommen.

Freitag, 10. Dezember 2021

344/365 Ungeduld

Kurz vor Schulbeginn heute früh hatte es begonnen zu schneien, und als der Tag aus der Dämmerung erwachte, war die ganze Welt vor den Fenstern verzuckert. Manche Kinder konnten an nichts anderes mehr denken als an die bervorstehende Schneeballschlacht in der Pause.
Leider ging der Schnee noch vor dem Läuten in Regen über und verpflotschte den zarten weissen Hauch.
"Bitte, macht euch nicht absichtlich nass", bat ich die Kinder. Ich vergass, dass Kinder in diesem Alter auf die Signalwörter hören und "nicht" keines davon ist. Wahrscheinlich aber waren sie innerlich einfach sosehr auf dieses Pausenereignis eingeschworen, dass sie sich nicht rechtzeitig den neuen Gegebenheiten anpassen konnten.
25 Minuten brauchten wir nach der Pause, bis alle nassen Kleider aufgehängt, die Turnsachen angezogen, trockene Socken zusammengesucht und die tropfenden Haare und erhitzten Köpfe wieder kühlgetrocknet waren.
Fand ich nicht lustig.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

343/365 Wichtellicht

Die Weihachtszeit und ich sind nicht wirklich gute Freundinnen. Mir fehlt da ein Gen. Doch dieses Jahr erlebe ich an unserer Schule etwas ganz Feines, Liebevolles, was mich zu verzaubern beginnt. Da sind unerkannte Wichteline unterwegs, welche immer wieder für Überraschungen und kleine Zeichen sorgen.
Vor der Pause heute kam eine Nachricht: "Ins Lehrerzimmer kommen!" Von dort wurden wir weiter geschickt in ein anderes Gebäude, wo ein Ensemble von KollegInnen im offenen Treppenhaus sang und spielte. Wir standen auf drei Stockwerke verteilt und lauschten, dem Alltag für ein paar Minuten entrückt.
Und als ich zurück in mein Zimmer kam, brannte auf meinem Pult die Kerze, welche ich zuvor ausgepustet hatte und daneben stand ein kleiner Weihnachtsstern auf einem roten Blatt Papier: Ein Gruss vom Weihnachtswichtel. "Freue dich einen Tag lang an dieser Blüte und verschenke sie dann unbemerkt weiter." 
Ansteckung kann etwas Wunderschönes sein. Das möchte ich nicht verlernen.

Mittwoch, 8. Dezember 2021

342/365 Wandel

Als vor etwa 22 Monaten als eine der erste Veranstaltung in der Schweiz die Basler Fasnacht abgesagt wurde, ging ein Erdbeben durch die Region, das Land, die Menschen. Es war kaum zu begreifen, dass sowas möglich ist, dass sich Prioritäten so krass verschieben können, dass sich eine Regierung über die Tradition hinweg setzt und Menschen und Betrieben den Höhepunkt des Jahres streicht. Unterdessen zuckt man kaum mehr mit den Schultern, wenn wieder etwas gestrichen wird, ins Wasser fällt. 2000 verkaufte Tickets, was solls. Ein Jahr Proben, dann eben. Fussballspiele, besser so. Projektwochen, ok. Wir nehmen zur Kenntnis und lösen daneben unser Sudoku.
Die Knabenkantorei Basel hat vielleicht geweint, das war der Mail nicht zu entnehmen. Ihr Grossprojekt zusammen mit dem Symphonieorchester ist eine Woche vor den ausverkauften Aufführungen aufgelöst worden. Dafür haben sie sich kurzerhand einen Raum gemeitet und heute eine Dann-eben-so-Probe gestreamt, manchmal lief eine Santichlaus mit seinem Schmutzli durchs Bild. Mir wurde in der Küche mit dem Handy in der Hand nie recht klar, ob das jetzt eine Komödie oder ein Weihnachtsoratorium oder eine Trauerfeier sein soll. Ein Versuch ist es auf jeden Fall, ein Versuch, hell und laut und mutig "trotzdem!" zu singen.