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Dienstag, 21. Dezember 2021

355/365 oder minus zehn

Schon verrückt, wieviele Themenkreise tabu geworden sind. Bald bleiben noch das Wetter, die Katzen und vielleicht die Unordnung auf meinem Schreibtisch und die Suche nach der Kundenkarte an der Kasse, die vier jungen Strassenmusikanten, die wohltuende gedämpfte Stimmung im Bücherladen, das minikurze Gespräch mit einer Frau im Lift. Ach ja, und natürlich die Sonnenwende! Für zehn Tage könnte es reichen! :)

Montag, 20. Dezember 2021

354/365 Ablenkung

Es ist wirklich eine wohltuende Alternative zum Weihnachtsschnupfen: Den Tag im Schulzimmer zu verbringen, mit dem Aquarellkasten zu experimentieren, Rechnungsmandalas zu kreieren, eine Turnstunde vorzubereiten, welche die Kinder dann in der Wohnung abhalten sollen, Aufgaben so zu formulieren, dass Eltern sie einigermassen verstehen können, an der neuen Sitzordnung zu basteln, farbiges Papier zuzuschneiden für Scherenschnittexperimente... und zu Hause dann eine Semesterarbeit zu korrigieren. Jetzt, in der Nähe des Bettes, hüstle ich wieder eine Irritation im Hals weg. Erfolgreich.

Sonntag, 19. Dezember 2021

353/365 Angst

Ich lerne viel über die Angst, wie sie wirkt und wie sie es schafft, Macht zu übernehmen, indem sie lähmt, wer ihr gehorcht. Immer wieder gelingt es mir, diesen Spielen zu entrinnen, doch die letzten Monate mit diesem andauernden Ringen sind nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Vor drei Jahren, als die Tochter als Velokurierin zu arbeiten begonnen hat, war ich stolz, jetzt, da sie die Arbeit nach langer Pause wieder aufnimmt, mache ich mir Sorgen. Als die jungen Menschen anfingen, auch in ihrer persönlichen Freizeit in die Berge zu gehen, freute ich mich. Nun steht auf einem Wunschzettel: "Lawinensuchgerät". Mir wird ganz flau. Früher vertraute ich meinem Körper, pflegte ihn mit Wärme, Bewegung, Teetrinken und Schlaf. Heute bringt mich ein unbekanntes Ziehen im Bauch oder ein Stechen im Hals kurz vor den Wahnsinn. 
Niemals möchte ich ihr das Zepter überlassen in meinem Königreich. Doch sie hat an sovielen Stellen meine natürlichen Grenzen von Vertrauen und Zuversicht untergraben, schlüpft irgendwo herein und zieht sich erst zurück, wenn ich ihr den roten Teppich zum Hauptausgang ausrolle.

Samstag, 18. Dezember 2021

352/365 Korrektur

Das Ding mit der Pubertät ist wohl doch noch nicht ganz ausgestanden. Oder es liegt an meiner eigenen. Wie sonst wäre es erklärbar, dass die Tochter richtig allergisch auf mich reagiert und es aktiv vermeidet, im gleichen Raum wie ich zu sein? Vielleicht atme ich zu laut oder habe eine Art, die Schublade zu öffnen oder mit verschränkten Beinen in einer Zeitschrift zu blättern oder sonst einen Tick, an dem sie verzweifelt. Jedenfalls scheint mein Sosein eine ausgesprochen negative Wirkung zu verbreiten. Doofes Gefühl und am besten zu ertragen, wenn es im besagten Kontext eingeordnet wird.

Freitag, 17. Dezember 2021

351/365 "Ferien"

Der letzte Schultag dieses Jahres ist Geschichte. Es waren verrückte Tage. Alle Kolleginnen versuchten unter Aufwand aller Energie und Phantasie, den Umständen und Einschränkungen zum Trotz weihnachtliche Stimmung und Nomalität für ihre Klassen zu zaubern. Die Feiertagspläne, von denen die Kinder erzählten, klangen wie verzweifelte Fluchtpläne. Ganz zuletzt erklärten zwei kleinlaut und fast beschämt: "Wir bleiben nur zu Hause." Selber werde ich Anfang Weihnachtferien normalerweise krank, nie schwer, einfach Erschöpfungskopfschmerzen, Schnupfen, Husten, das normale Programm halt. Diesmal kann ich mir das nicht leisten, weil es das normale krank nicht mehr gibt. Ich werde entsprechend im wachsamen Verantwortungsmodus bleiben und den Fernunterricht von Anfang Jahr gründlich vorbereiten. Ob sich dabei die Lust auf Weihnachtsbriefschreiben trotzdem einstellen wird?

Donnerstag, 16. Dezember 2021

350/365 Perlenkette

Wenn die Tage Schnüre sind, so sind die Begegnungen, auf die wir uns einlassen, die Perlen, die wir auffädeln.

Mittwoch, 15. Dezember 2021

349/365 Frage

"Wann", fragt sie mich nach einer stillen Weile, "haben Sie sich zum letzten Mal in den Armen eines vertrauten Menschen geborgen gefühlt und entspannen können?"
Ich schaffe es, nicht zu weinen.
Aber verstecken kann ich mich nicht.