In unserer Familie sind es nicht die allgemein-aktuellen Diskussionen, die uns spalten, sondern das Thema Ernährung mit tierischen Produkten. Spätestens nach fünf Minuten weint sie, welche sich mit dem Thema Tag und Nacht beschäftigt, weil sie uns nicht restlos überzeugen kann und an ihrer Ohnmacht beinahe zerbricht. Jede Frage, welche einen Hauch von Infragestellung enthält, bringt sie zur Verzweiflung. Jetzt sitzt sie weinend oben in ihrem Zimmer, und ich sitze hier mit meiner eigenen Ohnmacht. Wenn das gemeinsame Essen verunmöglicht wird und Ort von Ekels und Fehlentscheidungen wird, fällt das letzte gemeinschaftsbildende Element unseres Alltages weg. Als einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, sehe ich meine eigene totale Umorientierung.
Fleisch wegzulassen fällt mir leicht, ich koche schon lange nicht mehr mit Fleisch. Was mir unglaublich schwer fällt ist, auf alle Milchprodukte und auf alles, was Eier enthält, zu verzichten. Und die Kraft und Energie, mich mit den Alternativen auseinanderzusetzten, fehlt mir.
Aber das Schlimmste ist, dass ich nicht weiss, wie ich auf eine gute Art im Gespräch bleiben kann mit der Tochter, die Angst, dass ich sie verlieren kann.