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Donnerstag, 27. Januar 2022

Unpassend

Heute wäre nun das Q-Wort dran, aber weil wir schon beim U sind, unterlasse ich es und harre einigermassen gelassen der Dinge, die nun kommen. 

Was in mir nachwirkt von den Elterngespräche sind auch Bilder: Diese Männerarme voller gestochener Bilder und all die gepflegten Frauenhände mit kunstvoll gefärbten Nägeln.

Was die wohl beobachten und denken, wenn sie meine alten, von Hautkrankheit und Haushalt gezeichneten Hände sehen?

Mittwoch, 26. Januar 2022

Test

Wieviel Zeit habe ich und hat die Weltbevölkerung in den letzten 20 Monaten wohl mit Warten auf Testergebnisse zugebracht, auf eigene und auf die naher, massnahmenrelevanter Menschen, innerlich zweigleisig planend und bangend? Mich hat es nicht flexibler und gelassener gemacht, leider. Lebe grad eine weiter Chance.

Dienstag, 25. Januar 2022

So

Heute Abend habe ich die letzten drei Elterngespräche auch noch geschafft. Dreimal sassen mir Eltern gegenüber, welche von ihren eigenen Schulversagen, ihren ununterbrochenen Bauchschmerzen als Schulkind, ihren Ausgrenzungen als Ausländerkind, ihren Karrieren von einer Sonderschule zur nächsten .... erzählten. Ich beginne zu verstehen. Und ich realisiere, dass der Satz: "Unser Kind geht gerne zur Schule", das grösste Kompliment oder Vertrauensbeweis überhaupt ist, welche mir solche Eltern machen können. 

Demütig dankbar gehe ich nun schlafen, ohne all die Einwände und Abers, die ich anfügen könnte im Bezug auf meine Professionalität. Da haben sich heute für ein paar Stunden die Relationen verschoben. "Ich staune jeden Morgen, dass der einfach gerne aus dem Haus geht und sich auf die Schule freut." Welch traumatische Erfahrungen müssen in einem Vater eingeschrieben sein, der so auf seinen Sohn blickt?!

Montag, 24. Januar 2022

Rückblick

Das gibts ja nicht. Da schreib ich mal nichts und – schwupps – habe ich mich daran gewöht! Das mit dem Neuen täglich relativiert sich stündlich. Ich brauche Routine und vertraute Abläufe, der Beruf bringt Überraschung genug, manchmal im Minutentakt. 

Heute war ein Team von der Uni in meiner Klasse. Wir machen mit bei einem Forschungsprojekt zum Thema Werteentwicklung oder so ähnlich. Der eine Typ war vor einem Jahr schon einmal da und konnte sich an den einen Schüler noch sehr präzise erinnern. In der Pause schilderte er das Kind resp. sein Bild, das er damal mitgenommen hatte. "Aber der ist offenbar nicht mehr in der Klasse." meinte er. "Oh doch", erwiderte ich und zeigte dessen Platz. "Nein, den meine ich nicht", war er überzeugt.

Ich musste lachen und staunen. Von Woche zu Woche sind Fort- und Entwicklungsschritte oft kaum zu sehen. Wenn jemand kommt und einen Jahresbogen spannt, schafft das Distanz und du kannst plötzlich den Anflug eines "Erntegefühls" spüren. 

Das hat heute gut getan und Mut gemacht.

Donnerstag, 20. Januar 2022

Quer durch Europa

Heute hat zum ersten Mal, seitdem es diese Familie, in der ich die Mutter bin, gibt, jemand ein Auto gekauft. Kurz vor seinem 20. Geburtstag ist der Jüngste zum Besitzer eines Kleinbusses geworden. Was die ältere Schwester mit einem Schiff geschafft hat, will er auf vier Rädern verwirklichen. Alleine. "Du freust dich nicht wirklich, oder?" schrieb er, als ich im Familienchat nicht gleich auf seine Nachricht reagierte. So ein Auto ist eben Vieles: Verkehrsmittel, Traumverwirklicher, Freiheitschenkender, Abenteuerbegleiter, Selbständigmacher, Horizonzerweiterer, Geldschlucker, Umweltverschmutzer, Grenzüberschreiter (oder -fahrer), Zuhause und wohl noch so manches, was eine Mutter nicht verstehen kann. Nicht jedem dieser Aspekte reiche ich gleich freudig die Hand, aber das ist meine Geschichte. Ich werde ihn ziehen lassen und hoffen...

Montag, 17. Januar 2022

Pech, Gold, Schnee und Schaumstoff

Zwei Kinder kannten Frau Holle schon, eines von der CD bei den Grosseltern, das andere vom Film. Völlig gebannt hörten sie zu. Als ich bis zum Lebensende fertig erzählt hatte, streckte ein Mädchen auf: "Ich kenne auch eine Frau Holle, da kann man auf einen Knpf drücken, dann kommt so Schaumstoff herunter."

Sonntag, 16. Januar 2022

Ohnmacht

In unserer Familie sind es nicht die allgemein-aktuellen Diskussionen, die uns spalten, sondern das Thema Ernährung mit tierischen Produkten. Spätestens nach fünf Minuten weint sie, welche sich mit dem Thema Tag und Nacht beschäftigt, weil sie uns nicht restlos überzeugen kann und an ihrer Ohnmacht beinahe zerbricht. Jede Frage, welche einen Hauch von Infragestellung enthält, bringt sie zur Verzweiflung. Jetzt sitzt sie weinend oben in ihrem Zimmer, und ich sitze hier mit meiner eigenen Ohnmacht. Wenn das gemeinsame Essen verunmöglicht wird und Ort von Ekels und Fehlentscheidungen wird, fällt das letzte gemeinschaftsbildende Element unseres Alltages weg. Als einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, sehe ich meine eigene totale Umorientierung.

Fleisch wegzulassen fällt mir leicht, ich koche schon lange nicht mehr mit Fleisch. Was mir unglaublich schwer fällt ist, auf alle Milchprodukte und auf alles, was Eier enthält, zu verzichten. Und die Kraft und Energie, mich mit den Alternativen auseinanderzusetzten, fehlt mir.

Aber das Schlimmste ist, dass ich nicht weiss, wie ich auf eine gute Art im Gespräch bleiben kann mit der Tochter, die Angst, dass ich sie verlieren kann.