Die Tage, an denen es weh tut, sind selten geworden. Die Weite ist längst grösser geworden als der Schmerz, hat ihn eingehüllt, verwandelt. Doch heute spüre ich wieder seine Schwere, vielleicht weil der Tag so lang und so ruhig ist und etwas von der Qualität hat, welche das Leben mit ihr hatte. Ich zünde viele Kerzen an, überall, wie Nebellichter, suche Fotos, schliesse die Augen und erinnere mich an die feinen Haare zwischen meinen Fingern, an ihren Blick, spüre hinein in die Tiefe der Ergebenheit, in die sie mich geführt hat. Alle "waswärewenn" sind verstummt. Aber da in mir drin ist ein Ort, der nach ihr riecht und tönt, der nach ihr ruft, leise, liebevoll, an dem die Lichtgestalt ihres Lebensbaumes weiter wächst und weiter Wurzeln schlägt, wo ich mich heute niederlasse, trinke und ruhe.
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Sonntag, 29. Oktober 2017
Samstag, 28. Oktober 2017
entzünden
Jedes Mal, wenn ich an den Raumtrennscheiben im Teamarbeitsbereich der Schule vorbei gehe, bin ich berührt von den hier aufgedrucken Zitaten. Dass sie da stehen, welche da stehen, wie sie da stehen, das weckt immer wieder neue Funken der Dankbarkeit dafür, dass ich hier arbeiten darf.
In diesem Raum fand damals das Vorstellungsgespräch statt.
Die Löschdecke habe ich heute zum ersten Mal gesehen.
Freitag, 27. Oktober 2017
Wortschatzübung
Eine Schlucht, ein ausgetrockneter Bach, unendlich viele raschelnde Herbstblätter, mehrere bemooste Brücken, immer noch eine Stufe, und noch eine, endlos und dann doch die letzte, knorrige, rutschige Wurzelstränge von alten Bäumen, geheimnisvolle Nebelschwaden, drei wärmende Feuer, zwei friedliche, frohe Spielstunden im Wald, ein langes Seil, eine prallvolle Regenwolke zum Abstieg, eine schützende Höhle, eine spannende Geschichte, 60 Erstklasskinder, 120 müde Kinderbeine, der letzte Freitag im Oktober.
Mittwoch, 25. Oktober 2017
davor
Am Samstag beginnt wieder einmal diese verrückte Zeit. Da werden sie von der Höhe dieses weissen Turmes aus in die Tiefe stürzen und begeistert kreischen,
wird dieses Rad blinkend seine ewig unterbrochenen Runden neben den Münstertürmen drehen,
wird die Schwerkraft sich mit Lichtkraft und Rhythmen zu einer dröhnenden Watte vermengen
und wird sich Klein und Gross auf dem XXL-Spielplatz im Duft von gebrannten Mandeln und Magenbrot, zwischen Riesenballonen und Mässmogge, in Warteschlangen und Farborgien berauschen lassen. Freiwillig
Dienstag, 24. Oktober 2017
L
Da ist einfach nur Erleichterung zur Zeit. Erleichterung und Glück und Dankbarkeit über das Erleben, dass Schmerz nicht das Ende der Hülle ist und die Angst davor sich verzieht, dass Blicke wieder sprechen und selbst im Nebelmorgen beinah vergessene Weite mitklingt. Die Sorge um morgen findet keinen Boden und das Rascheln der Blätter verzaubert die Wege.
Auch das ist eine Strophe meines Lebensliedes, eine Farbe meines Bildes, eine Bewegung meiner Choreographie, ein Flügelschlag meines Traumes.
Wenn ein Blatt auf deiner Hand landet, dann kannst du vielleicht die Leichtigkeit spüren, welche meine Gedanken zum Schweigen und meine Freude zum Tanzen bringt.
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