Seiten

Donnerstag, 30. November 2017

Ausblick

Letztes Jahr hatte ich mir die Aufgabe gestellt, jeden Tag im Dezember ein Bild mit nach Windhausen zu bringen. Im Nachhinein hatte ich mir damit das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht, weil es genau dieses achtsame Hinspüren in die Besonderheit des Alltäglichen war, welches mich durch die äussere Dunkelheit der letzten Wochen im Jahr getragen hat. 
Daher erstaunt es mich nicht, dass ich den Versuch ein zweites Mal wagen möchte, auch wenn es sich nach einem Nachmittag in der überbeleuchteten, lauten Stadt etwas grotesk anfühlt, der Überflut an Bildern noch einige mehr hinzuzufügen. 
Vielleicht macht der Fokus den Unterschied, zumindest für mich! Mal schauen...

Mittwoch, 29. November 2017

siebenhunderteinunddreissig

Ein paarmal habe ich heute schon dran denken müssen – an den plötzlichen Entschluss vor zwei Jahren.

Dienstag, 28. November 2017

laut, dunkler, am wenigsten

So, nun haben mich die Schülerinnen und Schüler lange genug angehustet. Ich kann jetzt auch bellen und krächzen. Dafür bin ich seit heute in einen wirklich warmen Wintermantel gepackt, wenn ich die Häuser und Fahrzeuge wechsle. Die Entscheidung fühlt sich richtig gut an. 
Tiefergründiges liegt heute nicht drin, das hat der Dauerregen weggespült oder es hat sich im Dämmerlicht des Novembertages aufgelöst in Einheitsgrau.

Montag, 27. November 2017

Vertrauen

Nur ein Satz heute, einer, der mir im Theaterstück, welches die Unterstufenkinder am Vormittag erleben durften, so tiefen Eindruck gemacht hat.

"Wie werden wir dorthin kommen?"
"Die Erde wird uns tragen!"

Ist das nicht eine wundervolle Antwort? Ich möchte sie nie wieder vergessen.

Sonntag, 26. November 2017

Sonntags

Da ich schon gestern abend gewusst habe, dass zwei der "Kinder" erst mit den frühen Morgenverbindungen zurückkommen werden und daher das Frühstück wohl eher zu Mittagessenszeiten stattfinden wird, habe ich das Backen auf heute früh verschoben und den Abend etwas entspannter ausklingen lassen. Längst ist nichts mehr übrig von ihm,


doch hierhin stellen mag ich ihn trotzdem, als Sonntagsgruss für alle, die mögen, und als Willkommensgruss sozusagen für eine der ganz seltenen Windgäste, welche ich persönlich in diesen Raum (wieder) eingeladen habe. Eigentlich war es damals vor zwei Jahren ja mein Ziel, mein  privates, sogenanntes reales Umfeld vom Schreiben zu trennen und mich den zahlreichen unheilsamen Verstrickungen zu entziehen. Doch wenn ich Menschen begegne, die das vergängliche, unberechenbare des Windes mit der Gratwanderung des Wortes zu verbinden verstehen, dann öffnet das Vertrauen schon mal die sonst geheim gehaltene Türe. (Natürlich weiss ich, dass im www Geheimhaltung nicht möglich ist. Das ist das Risiko, welches ich eingehe und welches mich vorsichtig sein lässt, immer noch und immer wieder.)

Sonntägliche Schreibtischgrüsse ins WindWirbelWortLand.

Samstag, 25. November 2017

Isolationshüllen

Manchmal ist sie schon etwas seltsam, die Frau, mit der ich durch dieses Leben gehe. Da hat sie sich zum ersten Mal seit sie denken kann eine neue Winterjacke bestellt, nachdem sie jahrelang oder lebenslänglich(?) bloss immer ausrangierte Jacken von Freundinnen, Schwestern, dem Vater(!), Kolleginnen, Hütemädchen... durch die kalte Jahreshälfte getragen hatte.
Nun steht das Paket seit drei Tagen verschlossen im Eingang, und sie traut sich nicht, es zu öffnen. Sie meint, sie habe Angst vor den Bemerkungen, die kommen würden: zu dunkel, zu lang, zu peinlich, zu klassisch, zu sportlich, zu wenig oeko... Ich versuche ihr dann klar zu machen, dass es ja um sie ginge, dass sie sich damit wohl fühlen müsse, dass sie das Teil auch zurückschicken könne (was garantiert dazu führen würde, dass sie ein weiteres Jahr in einem der ausgedienten Stücke herumlaufen würde), dass sie mit ihrer Unsicherheit die Kommentare förmlich anziehe und bestimmt nur jene hören werde, welche sie verunsichern, dass sie dies als gute Übung nehmen dürfe für ihre Aufgabe, zu sich und ihren Entscheidungen zu stehen, nicht nur wenn es um Kleider gehe, ... Sie scheint gar nicht zuzuhören. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie ein solches Paket ungeöffnet in einer Ecke warten lässt, bis die Mahnung kommt und sie gar keine Wahl mehr hat. 
Seltsames, unsicheres Mädchen, welches da in ihr stecken geblieben ist. Und ich tu mich so schwer mit ihrem Seltsamsein, was bestimmt nicht heilsam ist.

Mittwoch, 22. November 2017

Weinraum

Einfach weinen wollen manchmal am Abend, weil es so pausenlos fordernd ist von früh bis spät, weil die Kraft nicht mehr reicht, auch abends noch geduldig zu sein, Wünsche zu erfüllen und den Perfektionsansprüchen zu genügen – den eigenen. Und weil es so brutal klar ist, dass der einzige Mensch, der an dieser Situation etwas verändern kann, ich selber bin. Doch weinen geht nicht, der Kloss steckt zu fest. und wenn ich erst im Bett liege, bin ich so müde, dass ich schlafe, bevor das Weinen den Weg hoch findet. 
Schreiben ist manchmal wie weinen, danach lässt es sich vielleicht besser Brotteig kneten. Auf denn...

40 Minuten später
Das Brotteigkneten erschafft Wärme auf mehreren Ebenen. Es hilft z.B., in aller Ruhe noch einmal auf den Tag zurückzublicken, welcher ja keineswegs nur aus der abendlichen Erschöpfung bestand. Er hat – zumindest in der Schule – auch mit Beinah-weinen begonnen.
Da unser Schulzimmer sich im dritten Stock befindet, kommt es nur ganz selten vor, dass Eltern am Morgen ihre Kinder bis vor die Zimmertüre begleiten. Heute war eine der ersten Ausnahmen, und nachdem fast alle Kinder bereits im Schulzimmer waren, streckte die Mutter des Letzten noch ihren Kopf herein und bat um eine ganz kurzes Erklärungsgespräch (welches sich auch wirklich als sehr notwendig herausstellte!). Ich trat mit ihr auf den Gang und schloss hinter mir die Türe, wohl wissend, dass dies für die Klasse eine ungewohnte und daher sehr offene Situation ist.
Nach etwa drei Minuten verabschiedeten wir uns und ich kehrte entschlossen zum sofortigen Lektionsbeginn zurück ins Zimmer. Kaum hatte ich die Türe geöffnet, schallte mir das Morgenlied entgegen, wie ich es noch nie gehört hatte. Die Kinder standen im Kreis und sangen so voller Innbrunst und Freude darüber, dass sie mich überraschen konnten, dass mich wirklich für eine Weile ein heisses Weinen zumindest innerlich schüttelte.
Backen werde ich morgen früh.