Es sei das erste Mal seit 1912, dass es so spät nach Beginn der Vegetationszeit noch einmal einen derart strengen Frost gegeben habe, habe ich gestern gelesen. Damals war es in der Nacht, als die Titanik sank.
Noch immer ist es ringsum grün, doch bei genauem Hinsehen entdeckt man überall Spuren der Kälte. Die winzigen Kirschen an unserem Baum sind alle schwarz, die bewachsene Hausmauer präsentiert sich traurig,
Ich habe grosse, alte Nussbäume gesehen, welche früh blühten wie selten und jetzt behangen sind mit schwarzem, leblosen Sterben. Die einzigen Weinreben, denen ich begegnet bin, sehen erbärmlich aus. Mir tut das weh, nicht nur wegen der Bauern, welche existentielle Folgen in Kauf nehmen müssen, sondern weil diese Kälte so hart in die Grosszügigkeit der schenkenden Natur eingreift, welche ja nur dem Ruf der viel zu frühen Wärme gefolgt ist.
Das fühlt sich alles nicht nach Schlusssatz an.

