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Donnerstag, 29. März 2018

angeknüpft

Unglaublich, was unser Körper speichert an Erinnerung, vermutlich unendlich viel mehr und prägender, als wir ahnen können.

Vorerst jedoch geht es nur um das neue Schulzimmer, welches wir jetzt in den Ferien beziehen und einrichten. Ich habe mit meinen Kindern besprochen, dass ich den Hängestuhl, welcher lange Zeit Teil unseres Familienlebens gewesen ist, nun aber seit Jahren im dunklen Keller hinter Kisten liegt, ausleihen und im Gruppenraum unseres Klassenzimmers aufhängen darf. Heute habe ich ihn frisch gewaschen und noch nass hingebracht. Das war alles ganz konzentrierte Arbeit: Seil knoten, Knoten prüfen, Haken prüfen, Leiterakrobatik, bis die Höhe über Boden stimmt, verhedderte Schnüre entwirren und in sich neu drehen... 
Zum Schluss möchte ich den fertig gerichteten Stuhl probesitzen, obwhl er noch ziemlich feucht ist. Ich ziehe mir die vorderste Stoffbahn zurecht und lasse mich hineinsinken. Und in dem Moment ist alles da. Verrückt! Wie ein Film oder mehr noch wie ein Zeitsprung. Jede Faser meines Körpers scheint sich zu erinnern an das Schaukeln, an die Spannung des Tuches unter meinem Körper, an den Säugling an meiner Brust, an das Fäustchen um meinen Finger, aber auch an das Kind, welches auf meinen angezogenen, gekreuzten Beinen sitzt, das Bilderbuch vor uns, seine feinen Haare dicht an meinem Gesicht.
So unvorbereitet intensiv erfasst mich das alles, dass es mich einfach nur schüttelt. Irgendwann stehe ich auf, spüre die Feuchtigkeit in meinen Kleidern, versorge die Leiter und packe meine Sachen zusammen. Fasziniert und nachdenklich gehe ich durch den Regen. Was auf der Zeitachse längst Vergangenheit ist, lebt in meinem Körper abrufbar als Gegenwart. Was heisst das für mich als Pädagogin? 
Vielleicht wird der neue alte Sitzplatz für mich zum Vertiefungsort in Mittagspausen?