Einer meiner Schüler ist am Samstag zum zweiten Mal grosser Bruder geworden. Heute hat er erzählt, wie die Mama Bauchschmerzen gekriegt hat, wie er dann zu seinem Freund gegangen ist und der Vater sie am Morgen abgeholt hat und sie zusammen ins Spital gefahren sind. Vom winzig kleinen Bruder hat er erzählt, und wie fein der duftet, und dass er heute mit der Mama nach hause kommt. Er hat gestrahlt wie nie und die Klasse sass gebann da und lauschte. Für einmal streckte keines der Kinder auf um zu erzählen, wie es bei ihm war damals. (Nur das Mädchen neben mir flüsterte mir zu: Ich habe das zweimal erlebt, aber ich habe jetzt nur einen Bruder. Der Klasse wollte sie das nicht erzählen. Dass wir diese Erfahrung teilen, ist eine ganz besondere Verbindung zwischen uns. Die Mutter erzählte mir mal, wie glücklich ihre Tochter sei, dass ich auch immer ein Kind in meinem Herzen trage so wie sie.)
Ich fragte nach und realisierte erstaunt, dass kein einziges der übrigen 15 Kinder jemals bewusst ein Baby erlebt hat in seinem Leben. Entweder haben sie keine Geschwister oder sind selber die jüngeren oder aber sie waren noch Kleinkinder, als ihr Schwesterchen oder Brüderchen zur Welt kam.
Dafür hat eine Schülerin mir einen Gänsehautmoment der besonderen Art geschenkt. Es ist nicht angemessen, diesen hier im Detail zu schildern. Nur soviel: Sie hat uns erzählt, wie sie selber ihre Geburt, einen Kaiserschnitt, erlebt hat. Das war eine Innenschau, die nicht von Erzählungen stammen kann, so bildhaft und erschütternd. Unglaublich.