Ja.
Wir haben gestartet.
Ja.
Es sitzen nun 11 Erstklasskinder in meiner Klasse (oder sie hüpfen oder kriechen oder spielen).
Ja.
Es ist eine wunderschöne Aufgabe.
Ja.
Da kommt jetzt ein "aber", welches sich laut Weiterbildung immer durch "und" ersetzen lässt.
Ich bin müde, unglaublich müde.
Es ist heiss, viel zu heiss. Das Zimmer im vierten Stock unter dem Dach mit Fensterfront zur Nachmittagssonne ist aufgeheizt wie eine Sauna, und seitdem es auch nachts nicht mehr abkühlt, ist Spass haben sehr relativ und aufmerksam sein sehr schwierig und Kreativität sehr lahm.
Schlafen ist ein Kunststück und der Boden ist hart wie Stein. Es ist zum Weinen und Verrücktwerden: Jedes Gewitter, jede Niederschlagszelle, und ist sie noch so gewitterlastig eingefärbt auf dem bewegten Radar, verzieht sich vor unserem Tal oder löst sich einfach auf. Im ganzesn Land ist es ständig wieder richtig nass, Bäche treten über die Ufer, unterspülte Hänge rutschen. Aber bei uns ist es nur heiss. Und trocken.
Jemand hat mir erzählt, wie er auf dem Weg durch den Wald drei tote Eichhörnchen gesehen hat, verdurstet vielleicht, oder einfach an Hitze gestorben.
Beirut, Weissrussland, Mauritius, Brasilien, Honkong, ......
Ich kriege all diese Lasten und Ängste und Sorgen kaum aus meinem Gemüt. Eine Welt, die sosehr dürstet nach Gerechtigkeit, nach Heilung, Sorgfalt, Menschenrecht – und Wasser, – wie lässt sie sich mittragen? Und dass die meisten Kinderaugen kaum mehr leuchten, dass viele Kinder mich fühlen lassen, wie sich ein Bildschirm fühlen würde, wenn er es denn könnte, das ist quasi der Welt auf Zellebene begegnen.
Als würde einer auf meiner Schulter sitzen und mitlesen, ändert die prognostizierte Zelle ihre Zugbahn und soll in 10 Minuten über uns ziehen.
Mal schauen.
(Die 10 Minuten sind um, es ist noch immer trocken. Vermutlich ist die Abstrahlung des Bodens hier so wüstenhaft, dass Wolken von unten her ausgetrocknet werden.)
