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Mittwoch, 26. August 2020

Maskierter Bauchpinsel

Die Verkäuferin im Kinderbuchladen ist eben dabei, die Kalender 2021 auszupacken, als ich meinen kleinen Einkauf bezahlen möchte. Der Kalender, welcher vor ihr liegt, sieht spannend aus und ich bitte sie, für mich ein Exemplar aus der Schutzhülle zu schälen. Fasziniert blättere ich durch die bunten Wochenblätter und gebe hie und da einen Kommentar ab.

Dann beginnt sie zu erzählen, von ihrem dreijährigen Enkel und den Märchen, welche sie ihm erzählt, von seiner Liebe zu den Details und wie er sie zu seiner Geschichtenerzählerin auserkoren hat, vom Wunsch, eine gute Oma zu sein...

Als ich den Kalender bezahle, fragt sie, ob ich Kindergärtnerin sei. "Lehrerin", antworte ich. Da seufzt sie ein Bisschen und meint: "Genauso eine Lehrerin würde ich meinem Enkel einst wünschen!" Ich lache durch meine Maske und gebe zu bedenken, dass sie mich doch gar nicht kenne.

"Oh doch", meint sie "Genauso müsste sie sein!"

Lachend verlasse ich den Laden, aber gut getan hat es trotzdem irgendwie und Mut gemacht, dass es ja nicht nur die Anzahl Seiten im Arbeitsbuch gibt und die Menge der behandelten Laute (Wenn es darum geht, falle ich schon jetzt total ab gegenüber den Stufenkolleginnen), sondern auch etwas weniger messbares, das sich vielleicht hinter eine Maske wunschdenken lässt, aber vielleicht auch tatsächlich auf einer anderen Ebene spürbar ist und wirkt und Lernprozesse färbt und trägt.

Diese Hoffnung gebe ich nicht auf.