Seiten

Mittwoch, 16. September 2020

september

"Tschüss, und schönen Tag morgen!" ruft der Sohn, der bei der Freundin übernachtet. Sein ganzer Kopf ist voll von Mathe und Physik. Die Noten zählen im Maturzeugnis. Und vor der Prüfung morgen früh hat er noch Fahrstunde.

"Habe ich etwas Falsches gesagt?" fragt er, wahrscheinlich, weil ich ihm nicht postwendend alles Gute für die Prüfungen gewünscht habe.

"Nein, nein. Dir auch einen schönen Tag", antworte ich bloss. Und weg ist er, mitten in seinem Leben, und das ist gut so.

Ich ahne, dass es besser wäre, an einem solchen Tag nicht allein zu sein. Ich weiss, dass es niemals die Aufgabe der Kinder ist, dafür zu sorgen. Und ich realisiere, dass ich für mich selber nicht wirklich zu sorgen verstehe. 

Vielleicht ist diese Einsicht die erste Muskelzuckung zum ersten Schritt auf dem neuen Weg.


Ich hätte nicht gedacht, dass hinter all der Wut und Enttäuschung, hinter den Verletzungen und Abweisungen der letzte Jahre soviel Trauer steckt. Ein ganzer Stausee hat sich da gebildet, ein tiefer, stiller, dunkler See, in dem sich kein Mond spiegelt heute Nacht, weil Neumond ist. 

Neu-Mond.