Wenn ich etwas nicht bin, dann Fasnächtlerin. Ich bin eine totale Nichtfasnächtlerin, weil ich als 9-Jährige mich als Prinzessin auf einem Kinderball schrecklich gelangweilt habe (vermutlich weil ich eh schon von Natur aus kein Fasnachtsgen habe) und schliesslich von einem Igel mit Stimmbruch sosehr erschreckt worden bin, dass ich panisch die Flucht ergriffen habe.
Als an der Onlinekonferenz Anfang Jahr mitgeteilt wurde, dass alle Schulfasnachtsveranstaltungen abgesagt sind, habe ich laut gejuchzt und später erfahren, dass mein Mikro an war. (Wenn ich nächstes Mal gefragt werde nach einem Moment, in dem ich am liebsten im Boden versunken wäre, dann werde ich einen wissen.)
Nun ist sie da, die Nicht-Zeit. Im Dorf werden keine lärmenden Kinder mit ihren Kesseln und Tröten um 5 Uhr früh durch die Strasse ziehen. Am Nachmittag ist Nicht-Unzug. In den Trams werden Nicht-Konfetti für bunte Pflotschböden sorgen. Der Faktor Null wird erlebbar sein wie kaum je zuvor, und jetzt, wo mein innerer Widerstand wegbricht, erlebe ich erstaunt, dass mir doch etwas fehlt.
Das Fasnachtsabzeichen, welches der Dorfverein trotzdem hergestellt und verkauft hat, um das Loch in der Vereinskasse etwas zu stopfen, besteht aus einer WC-Papierrolle aus Stoff. Ich versuchte der Klasse den Zusammenhang mit den Hamsterkäufen vor einem Jahr zu erklären. So vage erinnerten sich einige, dass früher, als sie noch im Kindergarten waren, einmal alle über WC-Papier gesprochen hatten. Aber das ist sooo lange her. "Da hatte ich noch nicht mal einen Zahn verloren, und jetzt schon sechs?"
Ein Mädchen darf zu Hause Fasnacht feiern. "Wir werden uns alle verkleiden, Papi und Mami auch, und dann im Haus mit Konfetti herumschmeissen!" So werden wohl Fasnächtlerinnen geboren.