"Um 12 sind wir in der Schleuse", erfahre ich dann irgendwann.
Das wird also noch dauern. Es beginnt zu regnen und ich spaziere im Schutz der betörend duftenden Linden am rechten Rheinufer flussaufwärts. Wenige Schritte von hier wohnt nun der Vater meiner Kinder. Das ist eine seltsame Vorstellung, die mich das Warten beinahe vergessen lässt. Doch dann fährt ein riesiger Lastkahn vorbei. Der muss gleichzeitig in der Schleuse gewesen sein! Ich eile auf die Mitte der Mittleren Brücke und plötzlich sind sie da, winzig klein, blau-weiss, weit hinten. Die Kamera holt sie näher.
Schnell fahren sie dahin. Der Fluss, welcher letzten Sommer ein blauer, glatter Spieglel war, hat eine starke Strömung.
Unten strömt das Wasser, oben reisst der Regenwind am Schirm und warm und salzig läuft es mir übers Gesicht.
Es ist so unglaublich. Ein Jahr lang habe ich Matilda jetzt im Trockenen kennen gelernt als ewige Baustelle, und nun fährt sie da als richtiges, strahlendes Schiff auf den Brückenbogen unter mir zu,
auf ihr genauso strahlend und stolz der Besitzer und die Besitzerin, die zwar heute noch nicht definitiv aufbrechen zu ihrem Abenteuer, aber doch schon mal in den Hafen fahren, in dem sie sich in den nächsten Tagen startklar machen werden.
Eine Zeitlang schaue ich ihnen noch hinterher.
Dann mache ich mich zu Fuss auf den Weg zum Hafen, wo sie, als ich ankomme, bereits angelegt und gekocht haben.
Es ist wie im Traum: Leise schaukelnd liegt da ein gemütliches kleines Zuhause auf dem Wasser, der Regen trommelt aufs Dach, es riecht nach Pasta, am Fenster steht Basilikum und wir sitzen beisammen, essen, trinken, sie erzählen von ihren Plänen und wir versuchen zu realisieren, dass das nebeneinander Platz hat: Wie wir vor zwei Tagen im Bestattungsinstitut am Bett von Grossvati gestanden sind, gesungen und geweint haben und wie wir jetzt da die Lebendigkeit des Lebens fühlen.







