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Sonntag, 8. Januar 2017

von der Geduld

Wie soll ich denn ums Himmels Willen geduldig sein mit den Kindern, wenn ich es selber mit mir nicht sein kann? Wie sollen die Kinder spüren und erleben, dass ich bereit bin, sie auf ihrem ungeraden Weg ein Stück zu begleiten, wenn ich bei jeder eigenen Kurve fliehe oder gar aus der Bahn geworfen werde? Das Kind hört ja nicht in erster Linie die Sätze, die ich sage, sondern es spürt, woher sie kommen. "Üben Sie sich in Geduld." War das vielleicht so gemeint, dass ich selber lerne zu entspannen und zu akzeptieren, wenn mir so ein Z schon wieder einen Streich gespielt hat? Morgen beginnt der Alltag wieder. Neue Chance... 

(wie schwer es mir fällt, von der Chance zu sprechen statt von der Angst. Da ist wohl auch irgendwo ein Z versteckt.)

Überforderung

Vermutlich habe ich einen Fehler gemacht, wenn es denn solche Fehler überhaupt gibt. Vielleicht habe ich mir auch nur einen Weg zur Selbsterkenntnis und zum Lernen geschaffen. Auf jeden Fall tue ich mich unendlich schwer. Gestern, zu Beginn des Ausbildungstages, stand die übliche Frage im Raum: "Wer schreibt das Protokoll?" – Stille – "Wer hat denn noch nie...?" – Schweigen, 25-fach – "Denken Sie daran, jeder ist mal dran in den zwei Jahren." – Schweigen – Und wer es irgendwann nicht mehr ausgehalten hat, sitzt jetzt vor den Tasten und fürchtet sich. Das Thema war so komplex. Acht Stunden intensive, spannende Auseinandersetzung und viele Menschen in der Gruppe, welche unendlich viel mehr Vorwissen, Erfahrung und Verständnis haben als ich. Nun ist alles getan, was ich mir erlaubt habe, davor zu tun: Schlafen, Feuer machen, Wäsche aufhängen, einkaufen, neue Kerze am Grab anzünden, ein Buch bestellen, noch einen Kaffee mit extra feinem Milchschaum, noch kurz ein wenig surfen, noch dieser Blogeintrag. Und dieses Morgenstern-Gedicht noch, welches den gestrigen Nachmittag eingeleitet hat. (So geht das nun seit gestern abend)

Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.

Denn zu fragen ist
nach den stillen Dingen,
und zu wagen ist,
will man Licht erringen;
wer nicht suchen kann,
wie nur je ein Freier,
bleibt im Trugesbann
siebenfacher Schleier. 

Vielleicht fühlen sich einige meiner Schüler manchmal auch so? Vielleicht fürchten sie sich genauso vor einer Aufgabe, der sie sich nicht gewachsen fühlen, werden hibbelig, tun noch dies und das, und wir fordern Konzentration, diagnostizieren Aufmerksamkeitsstörungen. Vielleicht haben sie Angst.

Samstag, 7. Januar 2017

Weite – Bildung – Mittag – Pause – Schritte – Blicke

Weiterblick


Blickbildung 


 Bildungsschritte


 Schrittweite


Weiterbildung


 Mittagspause


Pausenblick





Und dabei ständig im Ohr:
"Verlieren sie niemals die Geduld bei diesen Kindern (beim Lesen). Üben sie sich in Geduld. Sagen sie niemals Sätze wie: Reiss dich zusammen. Das habe ich dir schon hundermal gesagt! Wenn du dir bloss etwas Mühe geben würdest. Ich weiss nicht, ob du das je lernen wirst. Jetzt habe ich doch soviel mit dir geübt und du kannst es noch immer nicht.... Halten sie sich vor Augen, wie diese Kinder denken und sie werde auch beim zwanzigsten Mal freudig feststellen: Hoppla, nun hat dich dieses Z schon wieder rein gelegt! Und sie werden auch bei vierzigsten Mal so ruhig bemerken wie die Male zuvor, dass das ein B sei, wenn das Kind wieder D gelesen hat.
Behalten sie das Kind mit im Boot, bilden sie mit ihm ein Forschungsteam und freuen sie sich mit ihm über jeden Erfolg."

Freitag, 6. Januar 2017

Neuzugang

Darf ich vorstellen? Heute hat eine neue Arbeitsassistentin ihren Dienst angetreten. Dabei hat sie sich bereits im Vorfeld als stille Widerstandskämpferin erwiesen. Ein Teil meiner Crew nämlich wollte mir klar machen, dass es veraltet, unpraktisch, aufwändig und uneffektiv sei, was ich vorhabe. Im Zeitalter der Vernetzung ... usw. 

Nun hat sie sich also geöffnet, das erste unbeschrieben Blatt war einmal eins, und ich werde mir Mühe geben, sie nicht nur zur Hüterin von Pflichten zu machen, sondern ihr auch anvertrauen, wann sie mir schützende und heilsame Freiräume schaffen soll.

Bitte sehr: Meine neue Agenda!



Donnerstag, 5. Januar 2017

* * * * *




leicht

 *

hell

*

still

*

 wunder

*

voll

*

flocken

*

froh

*

flaumig

*

 taumel

*

tanz 

*


Mittwoch, 4. Januar 2017

mitten drin



Da stehtst du am Grab deiner Tochter, zum zweitausendsten Mal vielleicht, ist auch nicht wichtig, aber unendlich vertraut, an diesem Ort, der dich so gut kennt wie keiner sonst, weil du hier die Nadelöhre des Schmerzes zugelassen hast und durchgegangen bist ohne zu fliehen, weil du hier dem Säen, Wachsen und Vergehen zugeschaut und zu ihm Sorge getragen hast, weil du hier geübt hast dich zu öffnen für die Stille, weil du hier still sassest oder standest und zum Himmel blicktest, im Frühling den Vögeln lauschtest, im Sommer die Schmetterlinge beobachtetest, im Herbst von den sich sammelnden Zugvögeln umgeben warst. Und wieder stehst du da. Der kalte Wind trifft dich schonungslos, macht es unmöglich, ein Streichholz anzuzünden. Die Sterne und Lichter, um die du weisst, sind weiss bedeckt, verborgen. Du kommst von der Glassammelstelle und wirst nachher Popcorn machen, aber jetzt, jetzt umfängt dich eine vertraute, ziellose Sehnsucht, die keinen Namen mehr trägt, die in dich fliesst wie eine goldene Melodie, die dich wärmt und hüllt und bewegt, während du frierend da stehst am Grab deiner Tochter, vielleicht zum zweitausendsten Mal. Acht Jahre. Bald. Du zählst längst nicht mehr und doch zählt dir heute die goldene Zahl im Stein vor. Als ginge es darum, die Distanz zu verstehen und nicht das, was sie überwindet. Heute hinterlassen deine Schritte Spuren.

Dienstag, 3. Januar 2017

Neuschnee

Aus unserem Haus lässt es sich in drei Himmelsrichtungen blicken. Vor zwei Wochen haben die talseitigen Nachbarn die Bäume geschnitten, was uns Weitblick und Horizont schenkt. 
Heute morgen tut der Blick besonders gut.