Eigentlich habe ich in meinem alten Tagebuch gestern nach was ganz anderem gesucht. Dann bin ich jedoch bei diesem Bild hängen geblieben, hineingemalt am 6.8.14 hinten im Tal, am Mirjambach. Ich sass damals auf einem Stein und malte mit Bachwasser, müde, traurig. Ein klein wenig Gelb, etwas Rot. Mehr Wärme und Licht lag damals nicht drin. Es standen einschneidende Momente an: Zuerst mein Wiedereinstieg in den Beruf nach über 20 Jahren Pause, dann zwei Wochen später der Auszug von Mann und Vater aus dem Familienhaus.
Damals erinnerte ich im Blog:
...
Eine Stunde später war ich da, war alles da, ein stilles, vertrautes Wiedersehen und Wiedererkennen, eine Flutwelle von Erinnerungen und heftigen Schmerzen zugleich.
Ich grub die Steine des "Mirjamherzens" aus ihren eingetreten Vertiefungen, suchte ein paar neue im Bach, steckte einen der "alten" in meinen eh schon vollen Rucksack und setzte mich dann auf das Brett, welches als Bank in der Nähe des rauschenden Wassers auf zwei Holzpflöcke gelegt worden war, ass ein paar Bissen.
Und dann geschah etwas, was ich so und hier sowieso noch selten erlebt hatte: Eine bleierne Müdigkeit überwältigte mich, zwang mich förmlich, mich hinzulegen, den Kopf auf meinem zusammengerollten Schlafsack. Und ich schlief ein, tief, fest, traumlos (?), widerstandslos.
Als ich erwachte, fror ich. Der Himmel, welcher bei meiner Ankunft blau gewesen war, war überzogen von grauen, dicken Wolken, ein Wind durchmass das Tal mit kräftigem Atem.
Ich holte den wärmsten Pullover aus meinem Gepäck, setzte mich mit dem nicht mehr ganz leeren Buch auf einen trockenen Stein im Wasser und begann, mit Bachwasser und Aquarellfarben zu malen.
Das Bild dürfte "Tanz des Erstaunens durch die Erschöpfung" heissen.
Es blieb mir eine halbe Stunde, in die ich nichts von alledem packte, was ich an diesem Tag hätte tun wollen, obwohl ich mir stets versichert hatte, dass ich mir keine Vorstellungen mache.
Nun hatte ich ihn verschlafen.
Seltsam.
Herzlich seltsam.
Das war heute vor drei Jahren.
Ich lese zwar immer wieder und oft, dass man die Vergangenheit ganz hinter sich lassen kann, dass man loslassen soll, was war, weil nur zählt was ist, weil Vergangenheit nur Gedanken sind, mit Emotionen verknüpfte Vorstellungen von einer nicht mehr existierenden Gegenwart. Ich bin noch nicht soweit, das ganz verstehen und umsetzen zu wollen. Mich interessiert und fasziniert, woher das Wasser kommt, welches jetzt fliesst und trägt und mit dem Erstaunen tanzt.