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Donnerstag, 24. August 2017

Abrechnung

Zugegeben, ich habe auf der Heimfahrt getrunken, einfach weil ich Durst hatte, keinen Alkohol, geruchsneutral, nichts verschüttet. 
Doch nach dem Aussteigen stellt sich mir einer in den Weg, noch älter als ich, und poltert los. Das heisst, seine Stimme poltert, seine Augen grinsen seltsam blau.
"Soso, die ganze Zeit trinken, endlos, als gäbe es kein Verbot, im Tram zu trinken. Aber so sind die Frauen. Tun heilig, kommen alle in den Himmel. Und geben Sie es doch zu, es ist überall dasselbe! Immer heisst es: Die Männer, die Männer! Ist es nicht so? Es sind immer die Männer, die fremd gehen. Aber dass dazu jedes mal eine Frau gehört, das könnt ihr nicht rechnen, oder?" und er zwinkert mir mit einer herausfordernden Kopfbewegung zu.

Huch. Es gibt wohl wirklich verschiedene Arten zu rechnen. Ich wünsche ihm Frieden, mehr kann ich nicht tun.

Dienstag, 22. August 2017

achtzehn

Nicht zu fassen. Nicht für mich. Das vierte Kind wird morgen volljährig. Noch liegt die Karte unbeschrieben auf dem Tisch. Ich übergebe dir nun ganz und gar die Verantwortung für dein Entscheiden, Leben und Handeln. Ich möchte mit Respekt und Achtung deinen Weg bejahen und segnen, unabhängig davon, ob er sich in meinen beschränkten Vorstellungsmustern bewegt oder nicht. 
So oder so ähnlich – und leise möchte ich mir selber ähnliches zusprechen, denn Zurückbleiben ist auch Aufbruch. Und Loslassen, das, was gelingen durfte und das andere auch.

LIVE YOUR DREAM AND SHARE YOUR PASSION.


Montag, 21. August 2017

Bankgeheimnis oder so

Die Bank, auf welcher ich damals auf das Vorstellungsgespräch gewartet habe, ist nicht mehr da. Daher habe ich mich heute in der Mittagspause auf die Suche nach Ersatz gemacht. Ich fragte eine Frau mit Hund, doch die realisierte durch meine Frage bloss, dass auch "ihre" Bank etwas weiter hinten nicht mehr da steht, wo sie immer war. So ass ich mein Mittagessen unter einem Kirschbaum.


und nahm danach den Weg, den mir die Frau empfohlen hatte. Es kam mir vor, als spaziere ich durch eine völlig andere Welt, durch eine Geschichte, die von Reifen, Wärme und Geduld erzählt.


Keine 100 Meter später fand ich dann doch noch eine Bank, zu spät, um mich zu setzen. Doch das werde ich nachholen, sie steht fünf Minuten von der Schule entfernt.


Samstag, 19. August 2017

mit Haut und Haar

Ich ahne, dass sich mir da ein neuer Lebensmittelpunkt herein geschoben hat, welcher sich nicht öffentlich machen lässt. Persönlichkeitsschutz, logischerweise. Und weil es aus Randbemerkungen und Reaktionen in Begegnungen erahnbar wurde, dass hier doch immer noch oder wieder Menschen aus meinem realen Alltagsumfeld schweigend still anwesend sind, fühle ich mich gezwungen, wenn auch nicht ganz zu schweigen, so doch sehr vorsichtig und unverfänglich alles, was mein neues berufliches Umfeld betrifft zu umgehen.
Man stelle sich einen Wind vor, welcher versucht, Fettnäpfchen zu vermeiden. Paradox! 
Die Chance für mich könnte darin liegen, immer wieder zu spüren, was ausser dieser Faszination für meine neue Aufgabe und all den kleinen und grossen Glücksmomenten noch den Weg in mein Bewusstsein findet. Denn etwas ist mir schon nach einer Woche klar: Er hat mich mit Haut und Haar und Herz und Sinn und Tag und Nacht, der neue Job.


Die Verbindung von der Schule zum Schreiben ist aus Filz und voller Leben. Sie hat davon diese Woche bereits geschrieben. Gundula und Nicolo sind umwegfrei in die Herzen der Kinder gehüpft und gerätselt und werden sie zusammen mit Liputto, dem ich ganz zufälligerweise letzte Woche in unserem Keller (wieder)begegnet bin, durch ihre ersten Schulmonate begleiten. 

Ich bin sehr, sehr glücklich, aber mindestens genauso müde.

Und wenn ich doch noch einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass von irgendwoher, gerne auch aus mir selber, irgend ein Hinweis oder ein Wink kommen würde, wie meine Hautproblematik in mein Leben zu integrieren oder/und zu heilen wäre. Keine Spekulationen, keine Ratschläge. Davon habe ich ja genug. Seit 15 Monaten nun sind meine Hände entstellt, seit zwei Tagen auch wieder mein Gesicht. Universum, kann es sein, dass auch meine Augen Schuppen haben, die bloss fallen müssen?

Dienstag, 15. August 2017

Kurzmeldung

Jede Minute neu, jede Situation eine Überraschung, jedes Kind ein Rätsel für sich. Ich bin müde, aber voller Zuversicht. Der Spagat zwischen den beiden Aufgaben hier zu Hause und dort in unserem Klassenzimmer ist die grösste Herausforderung. Ich bin müde, aber das sagte ich – glaube ich – bereits.


Sonntag, 13. August 2017

...

Es ist wunderschön jetzt im Wald. Die Regentage scheinen ihn satt gemacht zu haben. Die Stille wirkt grösser als sonst, entspannter. Ich bin froh, dass ich ihm heute meine Unruhe anvertraut habe. Ganz ruhig stand mein Baum da, liess mich anlehnen und lächelte grosszügig über mein Bisschen Chaos. 

Der kleine Spross ist nicht mehr erwacht,

 
doch am gleichen Strunk gegenüber hat sich ein stattlicher Jungstrauch entwickelt,




von dem im letzten Herbst noch nichts zu ahnen gewesen war. Vielleicht wirkt das lächerich, doch ich liebe diese kleinen Geschichten, welche der Wald erzählt.

 
Das hat er vermutlich gespürt. Denn als ich etwas später auf meiner Bank sass, das leere Buch auf den Beinen, und zum x. Mal versuchte der Geschichte zu lauschen, welche mich und meine Klasse an die Hand nehmen will durch die ersten Wochen, da begann sie plötzlich zu fliessen, als wäre sie da und möchte bloss noch festgehalten werden. Hier, wo ich so oft schon schreibend gesessen und heilsame Verbundenheit erlebt hatte, verwandelte sich in frohe Selbstverständlichkeit, was wochenlang im unbedingten Wollen erstickt war. 

So gut



so fein

  
so hell

 
Und am Schwarzdorn, dessen Blüten im letzten April erfroren waren, fand ich eine einzige, einsame, vollkommene Schlehe.




So komm denn, Montag, Neubeginn. Ich bin bereit.

Freitag, 11. August 2017

Konjunktiv

Was gäbe ich darum, jetzt meinen früheren Arzt noch zu haben. Ihn hätte ich in so einem Moment kontaktieren können, er hätte zugehört und allein dadurch meiner inneren Ruhe die Chance gegeben, zurück zu kehren, und er hätte mir ein homöopathisches Mittel zukommen lassen, welches an einer Stelle gewirkt hätte, die ich mental nicht zu erreichen weiss.

Ich hatte letzte Nacht einen Alptraum vom ersten Schultag, dramatisch realistisch bis ins Detail, und seither bin ich innerlich so aufgewühlt, ängstlich, verunsichert, gelähmt. 

Daher versuche ich es mit Schreiben und Weitblick, vielleicht hilft das ja.