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Donnerstag, 14. Juni 2018

WM

WarteMinuten an der Tramhaltestelle gehören zu meinem Heimweg. Heute habe ich dem jüngsten Sohn geschrieben, nachdem ich kurz zuvor  erfahren hatte, dass in wenigen Stunden die FussballWM beginnt.

Das war eine heitere Warte- und später Fahrzeit.

Lieber J., hast gewusst?
Heute beginnt die FussballWM?
😎
Klar 😂
Also WM heisst WeltMeisterschaft
😇
Schonklar
Es könnte ja auch
WagenMiete oder
WunderMittel oder
WinterMorgen oder
WochenMitte oder
WasserMusik oder so heissen...
Oder WanderMeister
Genau!!
Oder WanderMuffel
Vielleicht aber auch WaldbeerenMüsli.

WürgeMonster wäre etwas brutal,
aber WolkenMorgen tönt angenehm kühl.
Da passt dein WM bestens zum Frühstück!

WartMal, ich bin gleich zu Hause.
Nur noch Wenige Minuten.
Dann können wir ja
WürfelMemory spielen
😅😅😅
Oder WasserMelonen
zeichnen
Vielleicht steht WM auch 
für die Beziehung zwischen 
Hund und Katz:
WuffMiau
Ja, warum micht?

Und dann war ich zu Hause, und er hatte leider nicht gesehen, dass ich die Wassermelonen bloss zeichnen wollte und nicht in der Tasche hatte, und ich machte mich an der WaschMaschine zu schaffen, während er die Gross(lein)wand einrichtete, um den ersten WM-Match zu schauen.

Dienstag, 12. Juni 2018

Hoch hinaus

Als ich nach hause komme, liegt eine Notiz in der Küche.
  
Bin noch weg, komme später, habe kein Handy dabei. 

Zwei Stunden später – es ist unterdessen beinahe dunkel – ist er wieder da.
Darf ich wissen, wo du warst? (Frau muss mit dieser Frage vorsichtig sein.)
Mit einer seitlichen Kopfbewegung deutet er auf die gegenüberliegende Talseite.

Ich war dort am Waldrand auf einem Hochsitz.
– ? –
Maturlektüre. 

Sonntag, 10. Juni 2018

Familienrechnen

Grundlage ist zur Zeit die Sechs, da die beiden StudentenWG"Kinder" auch hier basieren, quasi. Ich erwache durch Küchengeräusche. Der Älteste macht sich früh und diszipliniert wie immer in der Prüfungsvorbereitungszeit auf den Weg an die Uni, um zu lernen. Ich mache mir Kaffee und lege mich mit einem Buch zurück ins Bett. Was für ein Luxus! Morgennnebel im Tal, über dem Lindenbaum blauer Sommerhimmel. Als ich etwas später das Handy einschalte, kommen zwei nächtliche Nachrichten: "Komme doch nicht heim"  "Schlafe hier in ....". Ich gehe durchs Haus, um die Fenster zu öffnen, damit die frische Morgenluft hereinziehe, bevor die Hitze hinausgesperrt werden muss. Da steht noch eine Zimmertüre offen, ein leeres Bett ohne Nachricht ist auch eine Form von SMS. Es beginnt zu rechnen in mir. Als ich spät mit der Jüngsten nach hause kam, schlief der Älteste schon. Da waren es zwei. Irgendwann nachts hatte ich Autotüren gehört, Stimmen. Da muss der Dritte nach hause gekommen sein. Dann die zwei Nachrichten, einer nicht da, dafür einer schon wieder weg. In mir verschieben sich Farben, Geschichten, Gefühle, Einkaufslisten, Fragen, und irgendwann ist das aktuelle Bild komplett: Zwei müssen offenbar noch hier sein und schlafen. Wahrscheinlich wollen die dann Frühstück, wenn der mit der offenen Zimmertüre sein Mittagsgeschirr wegräumt. Mein Sonntag kommt ins Rollen.

Samstag, 9. Juni 2018

C wie Camping

Dann ist da eben noch das C. Es hat in der deutschen Sprache fast nur Zudienerstatus, steht aber doch mitten im ICH – und am Anfang von ganz vielen englischen Wörtern, die für uns völlig vertraut klingen. Wir spüren ihnen nach. Cowboy, cool, Computer oder eben auch Camping. Weiss denn jemand von euch, was mit Camping gemeint ist?
Das Gesicht der kleinen M. leuchtet auf und ihre Hand schnellt in die Höhe. "Das bedeutet, dass man über dem Feuer Marshmallows brätelt!"
Pars pro toto. (Aber das ist lateinisch.)

Donnerstag, 7. Juni 2018

Wort – Schatz – Erweiterung

Ich bin zur Zeit daran, ein neues Wort in meinen Wortschatz aufzunehmen. Und ich merke, dass ich kein 20 mehr bin, so schwer wie ich mich damit tue. Nomen, weiblich, vier Silben, im Duden nicht zu finden.
Selbstfürsorge.

Mittwoch, 6. Juni 2018

sechstersechster

Nix. Nix was mehr Anerkennung bekommt als unscheinbarer Alltag. Ausser die Vielfalt an kleinen aber gelebten Begegnungen im Schulalltag. Die geben Sinn, die gestalten Realität. Ich tue mich unendlich schwer mit der aktuellen Forderung, diese jungen Kinder zu bewerten, ihre Entwicklungen an Messlatten zu halten und mit Prädikaten zu versehen. Das fühlt sich so falsch an, so weit entfernt von dem, was ich als heilsam und sinnvoll erkenne. Und doch muss ich es tun, will ich mir und meiner Familie nicht die Beine absägen. Es braucht Kraft, wenn man tagelang beschäftigt ist mit dem Verstehenlernen von Computerprogrammen, die einem helfen sollen bei etwas, was so heftig Widerspruch auslöst. Die Kraft fehlt anderswo, dort, wo die Krativität fliesst und der Humor, dort, wo die Heilkraft des Wortes Stille erschafft. Dort haben sich Hilflosigkeit und Zweifel breit gemacht. In fünf Tagen schliessen die Eingabeportale. Dann habe ich es vielleicht hinter mir. Was aber, wenn es in mir bleibt, das drückende Gefühl, systemtreu auf Kosten der Jüngsten gehandelt zu haben? Bewusst. Zeugnis. Zeug nix.

Samstag, 2. Juni 2018

Samstagabendmoment

Jetzt ist diese Woche vorbei. 
– und in dem Moment realisiere ich, dass ich das Zimmer frei geben muss.
Dann schreibe ich eben später von meiner Erleichterung, vielleicht. 

Morgen wird kein Wecker klingeln. Was für ein Luxus!
Und der Satz, den ich heute von meinem zweitletzten Ausbildungstag mitgebracht habe, handelt von der Sprache. Aber er steckt noch im Rucksack.
Morgen mehr.
Vielleicht.