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Mittwoch, 25. Juli 2018

Sommerferienbildtag 1

Nun sind die Fotos dieser zwei Bergwochen gesichtet. Wie ein Schatz liegen sie da vor mir und rühren an die Geschenke, die ich in mir trage. Es sind viele, viele geschenkte Momente, Blicke und Dialoge, die es mich zu teilen drängt. Und wie könnte ich die Ferien besser verlängern als so: Die Vormittags- und Mittagsstunden verbringe ich wie seit Montag in der Schule (bisher vor allem räumend), am Abend werde ich nach einem dieser Schätze tauchen. Ob dann Worte im Netz mit hängen bleiben, wird sich zeigen.

Montag, 23. Juli 2018

Sommerferien am Tag danach

Ich glaube, ich habe es verlernt. Oder verloren.Oder es ist in der heissen Bergsonne versengt oder gar von einem der Bergbäche weggespült worden, obwohl das Letztere eher unwahrscheinlich ist, weil diese Bäche dieses Jahr so wenig Wasser führen, dass von spülen schon fast nicht die Rede sein kann. Ausgetrocknet. 
Dabei bin ich ja in die Berge gefahren, um aufzufüllen, habe es auch getan, soweit man das tun kann. Das was füllt, ist Geschenk, und das, was ich gatan habe, hat oftmals dieses Beschenktwerden erschwert. Es war anders, dort zu sein und doch ständig mit der Welt zu Hause und anderen Orten dieser Welt verbunden zu sein um zu teilen, zu beraten, zu organisieren, zu trösten, - und ja, auch um getröstet zu werden. So lud ich täglich den Akku meines Handys und spürte in den Momenten, in denen ich ohne diese Verbindung zur Aussenwelt auf einem Stein mitten im Bach sass oder weit über dem Tal auf einer stillen Bergwiese den würzigen Duft von Alpenwiesen atmete, wie unruhig es in mir ist, wie es kaum möglich ist, dieses ständige Denken und Argumentieren, Mitplanen und Zurechtlegen im Kopf einfach mal ruhen zu lassen, Hingabe zu üben, Entspannung zuzulassen.
Doch wie geht das, wenn man von einem bewaffneten Raubüberfall im Dorfladen daheim erfährt, oder vom schweren Unfall des Nachbarn, oder von den Komplikationen bei der Reise der Tochter nach Vietnam, oder dass es zu Hause bei einem Gewitter reingeregnet hat, ... Alldas wäre früher auch passiert, es wäre mir aber nicht zu Ohren gekommen oder erst eben zwei Wochen später, und ich hätte daran dann genauso wenig ändern können wie jetzt, da ich von allem unmittelbar in Kenntnis gesetzt wurde. Bloss hätte ich früher – so meine ich – nach diesen stillen zwei Wochen gelassener und an der Stimme von Steinen, Wasser und Blumen erprobt reagiert. 
Andererseits wäre das spontane Kommen und Gehen der "Kinder" ohne diesen Organisationsdraht gar nicht möglich gewesen, genauso wie man durch die Bäche mit den niedrigen Wasserständen jetzt ohne Problem die andere Uferseite erreichen konnte ohne Brücke und oft sogar, ohne die Schuhe auszuziehen. 
Aber das Fliegen, das Träumen, das Hineinsinken in Blumenkelche, das Lesen von Wolkenbildern, das staunende Umarmen von zugeflogenen Worten, das habe ich verlernt oder verloren – oder ich habe es zugeappt, ausgetrocknet.

Sonntag, 22. Juli 2018

Sommerferien Mitte

175 Mail, drei davon privat/ persönlich.

Montag, 16. Juli 2018

Sommerferien heute

Ich habe ein Büchlein von Franz Hohler mit in die Berge genommen. „Zur Mündung“ heißt es, und ich habe es mir letzten Herbst auf einer Fortbildung gekauft, wo es auf dem Büchertisch lag. Mit ihm sitze ich auf meiner kleinen Bank auf der Schattenseite des Hauses. Seltsam berührt und verzaubert lasse ich mich durch die Bilder seiner Geschichten führen. Es ist der erste Tag hier, an dem ich alleine bin. Gestern sind die letzten Kinder weitergereist. Noch immer zucke ich manchmal zusammen, wenn der Wind knarrend eine Türe bewegt oder wenn eine Fliege mit dem Plastiksäckchen auf dem Tisch raschelt. Wenn andere Menschen da sind, achte ich mich nicht auf solche Geräusche. Daran werde ich mich jetzt gewöhnen müssen. Nein, ich will es. Eine Stunde lang dröhnten die Jets der Schweizer Armee über Berge und Täler und erfüllten mit ihrem donnernden Brüllen jeden Winkel, brachten Fensterscheiben zum Zittern und schluckten alle andern Geräusche weg. Vielleicht üben sie für die Eröffnung des Tennisturniers Ende Woche, doch was kümmert das all die Tiere, die sich in dieser Zeit wohl erschrocken verstecken müssen – nicht wollen. Die Wolken werden nun dunkler und verdecken immer mehr die Sonne. Ob sie schon bald das nächste Gewitter bringen? Es wird kühl im Schatten. Das Fenster über mir schlägt zu und klemmt den rot-weiss karierten Vorhang ein, der bis eben noch die Flatterfreiheit genossen hatte. Eigentlich wollte ich noch zum Bach hinunter und ihm aufwärts folgen bis zu der Stelle, wo ich mit den Steinen sprechen gelernt habe. Auch daran muss ich mich wieder gewöhnen, dass ich solche Entscheidungen nun ganz alleine treffe. Keine Wünsche und Einwände der andern nehmen mir dies mehr ab. Nicht mal die Wolken.

Sonntag, 15. Juli 2018

Sommerferien jetzt

Zwischen den weissen Wolkentürmen läutet Himmelblau über die sonntägliche Bergruhe. Keine einzige Maschine ist zu hören, bloss ein paar Grillen, ein Rotschwänzchen, welches wohl seinem Nachwuchs Flugstunden gibt, hie und da tuckert ein Auto durchs Tal, und wenn der Wind nicht zu laut in den Bäumen rauscht, kann man die Glocken der Kälber auf der anderen Talseite hören. Die eine Tochter liest ein Buch von einer KZ-Überlebenden. Sie war vor drei Tagen noch in Polen. Die andere lernt Vietnamesisch. Sie fliegt in drei Tagen mit dem Rucksack nach Vietnam, Kambodscha und später noch ein paar Tage Thailand. Jetzt umschwirrt mich laut brummend eine grosse, grün schimmernde Fliege. Der Schatten einer Wolke jagt über die gemähte Wiese, welche sich bis hinunter an die Talstrasse erstreckt. Die Schaukel im Ahornbaum bewegt sich leise hin und her. Vielleicht vermisst sie ja die beiden Jüngsten auch. 

Dienstag, 10. Juli 2018

Sommerferien Tag 11

Neben dem Feuer am Wasser sitzen und lauschen, wie viele Erinnerungen das Rauschen erzählt. Die Vergänglichkeit darin erkennen, aber auch den Schatz. Mich nicht wehren gegen die Erkenntnis, dass vieles gut war. Dem Rauch zuschauen. Wissen, dass die beiden Jüngsten den Bachlauf hochklettern und ich mir keine Sorgen zu machen brauche, weil sie jetzt gross sind. 5 Jahre älter als beim letzten Mal. 

Montag, 9. Juli 2018

Sommerferien Tag 10

Es wird anders sein diesmal. Alltagsnäher. Hier unten wird jeden Tag mindestens eines der erwachsenen Kinder wohnen, Zwischenstation machen, Waschen, Feste feiern, Packen.... So ganz festgelegt hat sich bisher jedoch nur einer. Daher werde ich die Katzenfütterung im Auge behalten müssen, werde erreichbar sein. Die jüngeren, welche mitkommen, nehmen Projekte mit, an denen sie arbeiten wollen. "Medienfrei" wird deshalb zumindest in der ersten Woche kein Thema sein.
So wird es eine Zeit in der vertrauten Bergwelt sein unter neuen Vorzeichen. Ich packe jetzt mal fertig. ("Ladegerät" stand bisher noch nie auf meiner Packliste.)