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Montag, 4. März 2019

Kontrapunkt

Die Welt ist Energie. Das Leben ist es auch, Energien, die sich manifestieren, manipulieren, beeinflussen, bedingen. Und es liegt in der Natur dieses komplexen Geschehens, dass die Oberfläche immer bewegt ist, dass Unruhe das Kontinuum ist, dass in Wellen gesendet und empfangen wird. Irgendwo spielt mitten drin der freie Wille des Individuums mit, sagt man, erlebe ich zeitweise, frage ich mich oft. 
Wenn dem so wäre, so liesse sich Schwere durch innere Gedankenschöpferkraft überwinden.

Eindringlich und hell beschreibt das heute eine Frau, die viel jünger ist als ich und doch an einem Punkt zu stehen scheint, den ich in ganz besonderen Momenten erfahren habe, der in meinem Leben jedoch Gipfelglück und nicht Alltagsweg bedeutet.
Es kommt mir vor, als hätte sie den Text hier gestern gelesen und sich herausgefordert gefühlt, die Negativität dieser Sichtweise umzukehren. Natürlich ist dem nicht so. Sie ist eine professionelle Bloggerin, ich eine versteckte Notizenschreiberin, und doch glaube ich, dass auch hier ein Energiegesetz wirkt. Man findet, was man sendet und sieht, was man sucht und bekommt, was man tragen kann...
Ich bewundere Menschen wie sie. Es entsteht in diesem Kraftfeld in mir jedoch nicht Mut. Ich bleibe in der staunenden, weit entfernten Betrachterrolle, als würde ich das Geschehen auf einem anderen Kontinent beobachten. Vielleicht würde sie meine Welt miesepetrig nennen. Doch das ist sie nicht. Sie ist bloss sehr verletzlich, hellhörig, zerbrechlich.

Es stürmt draussen. Der, welcher als Kirschbaum in diesem Geschehen steht, strahlt Kraft und beinahe Ruhe aus. Andere Pflanzen neigen sich bis fast auf den Boden. Ich gehöre wohl eher zu denen. 

Du redest dich heraus, weil du die Arbeit scheust! raunt es von hinten rechts. Ich gehe jetzt hinaus und lasse mich durchwehen. Dann schauen wir weiter.

unterwegs: Flatterfahne in Licht und Sturm!

Sonntag, 3. März 2019

Zwischenspiel

Sie sitzt am Sonntagstisch und scannt sich durch die Gedankengefühle. Denken ohne Fühlen fällt ihr schwer. Fühlen ohne zu denken scheitert an ihrer Kontrollsucht. Ständig insisitiert diese Stimme aus dem rechten Hinterhalt, teilt in gute und schlechte Gefühle ein, in solche, welche unangebracht und daher wegzudenken sind und setzt statt dessen Gedanken in den Führersitz, welche zu den richtigen Gefühlen führen sollten. Da ist kein Fliessen, denn dieses Hin und Her wirkt wie bremsende Schleusen, in denen man zwischen engen, starken, öden, nassen Wänden wartet, bis Ausgeglichenheit wiederhergestellt ist und sich das schwere Tor langsam öffnet. Da ist keine Leichtigkeit, denn diese gehört der Flatterhaftigkeit der Vögel, der zu entsagen ihr beigebracht worden ist. Da ist keine Intuition, denn diese wählt zielsicher immer genau jene Richtung, welche der Verstand mit seinem Gedankenbollwerk blockiert.
Vor ihr liegt ein Gummiband, ein weisses, langes. Sie spannt es zwischen die Daumen und dehnt und entspannt es im Rhythmus des Atems. Irgendwann wird es zu Ende sein. Irgendein Atemzug wird der Letzte sein. Todsicher. Sie fürchtet sich nicht davor. Aber sie fürchtet sich vor der Möglichkeit, dann der Frage gegenüberzustehen: Warum hast du dein Leben nicht mutig in den Fluss gesetzt und der Strömung vertraut? Die Stimme aus dem Hinterhalt wird schweigen. Und sie wird die nicht gegangenen Wege vor sich sehen, die nicht ausgesprochenen Worte hören, den nicht gefühlten Schmerz fühlen. Die nicht geöffneten Geschenke werden sich auflösen wie Träume im Moment des Erwachens. Und dann?

Donnerstag, 28. Februar 2019

Auftakt

Die Fasnacht hat begonnen mit Sonne, Farben, Sujets, (hier zum Beispiel "Hundertwasser"),

Guggen, Wind und Konfetti. Das Zusammenspiel der beiden Letzteren ist bezaubernd für die Augen – sofern sie keinem Linsenträger gehören.

Mittwoch, 27. Februar 2019

Update

Der lange, unruhige Weg zur Aufgleisung des kommenden Schuljahres ist zu Ende, endlich. Wir sind zu Stillschweigen verpflichtet, bis die Eltern offiziell informiert werden, weshab ich auch hier nicht zu schreiben wage. Obwohl ich zutiefst hoffe, dass auf keinem verschlungenen Weg Windwortpfade ins berufliche Umfeld gelegt worden sind, kann ich nicht davon ausgehen.
Die Lösung fühlt sich stimmig an. Ich freue mich auf die Aufgabe, die mir zugeteilt wird. Ich kann an der Schule bleiben und habe im ganzen Prozess immer wieder Vertrauen und Wertschätzung von Leitungsseite erfahren dürfen. Und wie immer erkenne ich im Rückblick, wieviel ich gelernt habe, auch über mich selber. Dafür bin ich dankbar.

Sonntag, 24. Februar 2019

Gäste

Die Fasnacht steht vor der Türe, Hand in Hand mit dem Frühling. Während ich ihr leise seufzend die gute Stube meiner kommenden Woche zur Verfügung stelle, nehme ich ihn beiseite und versuche ihm zu erklären, dass er sich ruhig etwas mehr Zeit lassen dürfte, dass es nicht sehr passend sei, dass die ganzen städtischen Vorgärten jetzt schon gelb leuchten und die Kinder in T-Shirts auf den Pausenplätzen spielen. Er aber hört gar nicht zu. Das hat er sich abgewöhnt. Ich wisse ja, meint er mit schneeglockenheller Stimme, dass es der Sommer sei, der ihn zurück dränge. Und er setzt sich ans offene Fenster und pustet Blütenstaub vom Haselstrauch in die blaue Luft.
Ich kehre zurück zum Gast in meiner Stube und bespreche letzte Kostümdetails und Umzugsrouten, Liedstrophen und Heiterkeitserwartungen. 
Sie hat sich bereits gemütlich eingerichtet, die Frau Fasnacht, wohl wissend, dass sie nun fast drei Wochen bleiben wird. 

Wir werden ihr ein paar Konfetti (sorry, die heissen hier ja Räppli) streuen, Mehlsuppe kochen, die gewohnten Lieder singen und mit der Schule die gebastelten Kostüme durch die Strassen tragen. Und es wird wie jedes Jahr ein Widerhall von Trommel- und Pfeiffenklängen in der Luft liegen. 

Ursprünglich wollte sie damit den Winter vertreiben, nun vertreibt sie sich die Zeit mit dem Frühling. Die Zeiten ändern sich eben.

Donnerstag, 21. Februar 2019

Alltägliche Unwichtigkeiten

Hier ist ausnahmsweise mal grad ziemlich viel los. Ich freue mich über Abendhimmelfarben, Pausenbegegnungen, Aufwachen in der Nacht und Realisieren, dass ich noch liegen bleiben kann, freundliche Kassiererinnen, Zufallsbegegnung mit einer Bloggerin am Zebrastreifen... Morgen steht die alljährliche Reise mit Bus und Bahn zur Kunsteisbahn mit der Klasse auf dem Programm. Solche Tage machen mich im Vorfeld immer etwas nervös. Es braucht ziemlich viel Energie, damit alle Kinder mit all ihrem Gepäck, allen Kleidern und Thermoskannen gesund wieder nach Hause kommen. Und gleich danach geht es dann in die Stadt, wo wir den Tochtergeburtstag feiern, weil es ihr zwischen Schule und Chorprobe nicht nach Hause reicht. 
So Dinge eben, wie sie alle in ihrer Farbe und Form tagtäglich erleben. Oberflächenbewegungen, Tauchgänge sind selten. Es bleibt bei der Sehnsucht. Immerhin.

Montag, 18. Februar 2019

Wegbegegnung

Gestern im Strassengraben gefunden, dort, wo die Sonne seit Monaten nicht mehr hingelangt ist mit ihren Strahlen, dort, wo die Kälte wie ein See liegen bleibt, auch wenn nur wenige Meter daneben der Frühling mit aller Keimkraft zu wirken begonnen hat. Mich bringen diese Schatteneisblumen nicht weniger zum Staunen als die ersten Frühlingsboten.