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Mittwoch, 3. April 2019

Liebeserklärung

Ein Tag ist das heute, der alle Sinne öffnet, einer, der uns zu Zeugen macht von der unglaublichsten Explosion, die um uns herum geschehen kann, beinahe still und doch unendlich kraftvoll.
Der Künstler heute heisst Regen. Er kündigte sich schon im Morgengrauen an mit einem unverwechselbaren Duft, den auch die Vögel wahrzunehmen schienen. Und als er dann fiel, der Gute, das konnte ich, du, man – zuschauen, wie er zauberte, wie er Knospen öffnete, baumweise, waldweise, wie Blumen sich reckten und die Gräser sich entfalteten, wie die Risse und Spalten in der durstigen Erde sich schlossen, wie Baumkronen innert Stunden von einem Schleier überzogen wurden und jetzt, am Abend nicht mehr durchschtig sind.
Wenn das kein Wunder ist, dann gibt es keine!

Dienstag, 2. April 2019

...

"Tschühüss!" ruft der Sohn, welcher am Wochenende die ersten sechs Monate Zivildienst abgeschlossen hat, von oben. Erstaunt eile ich die Treppe hoch. "Du gehst noch weg?" frage ich. "Ich fahre heute Nacht nach Amsterdam und komme am Donnerstag zurück!", antwortet er, schwingt einen kleinen Rucksack auf den Rücken und weg ist er.
Kinder – das war früher, und ich realisiere es in Raten.

Montag, 1. April 2019

1. April

Nie zuvor bin ich so gründlich und gekonnt in den April geführt worden wie heute von unserer Schulleitung. Das Thema war traktandiert, aber so, dass wir nicht genau wussten, worum es geht. 
In der Mittagspause sickerten erste Datails durch. Beim Mittagessen wurde empört kommentiert und Stellung bezogen, Widerstand formierte sich. Die Stimmung war emotional aufgeheizt. Als dann das Traktandum detailliert auf die Leinwand projziert vorgestellt wurde als von oben diktierte strukturelle Umgestaltung und Anpassung an andere Schulen des Kantons, begann es beinahe zu kochen in der Konferenzrunde. Es wurde laut, es gab Tränen und verzweifelte Appelle. Die Diskussion wurde verschoben auf 17:30, auf das Ende der Konferenz.

Doch das, wovon ich erzählen möchte, ist dieser unglaubliche Moment, als die Schulleiterin zugab, seit einer Stunde Blut zu schwitzen, denn diese ganze Umstrukturierung sei bloss ein Aprilscherz. 
Eine ewige Sekunde lang war es totenstill, als wäre der Weg zum Verstehen und Realisieren blockiert durch den aufgebauten Widerstand. Doch dann entlud sich ein Gelächter, ein Applaus, Umarmungen, Kopfschütteln. Es plumpsten Tonnen von Steinen mitten in den Raum, so kam es mir vor.
Es war, als hätten wir eben das Geschenk des Jahres gekriegt.

Und vorne stand die Schulleiterin, welche nach unseren Reaktionen wohl am heftigsten erschrocken war über ihren Mut, diese Achterbahn uns zuzumuten und nun mit allem rechnete.

Doch es blieb für die meisten bei der fröhlichen Erleichterung, man erzählte sich gegenseitig lachend vom Gefühlschaos dieses Nachmittages und war einfach nur glücklich, nach diesen bangen Stunden die vertraute Schule wieder zu haben.

Freitag, 29. März 2019

im Rückspiegel

Am Tag, an dem das heutige Geburtstagskind und sein Zwillingsbruder zur Welt gekommen sind – heute vor acht Jahren – habe ich geschrieben:
Wir haben jetzt einen Sauerteig aus Berlin im Kühlschrank und neue Gläser in der Tochterbrille, einen angeschlagenen Sohnrücken und die Tochter mit dem Seidentuch vom Flohmarkt, wir haben Knabenbeine, die sich in Herrenkleidergrössen stecken wollen und ein Drama um schwarze Jeans, die noch nicht gewaschen sind (kann auch Komödie genannt werden), wir haben drei Wackelzähne und fast kein Himbeerjoghurt mehr, wir haben frisch geschnittene Bäume und ein Vogelkonzert draussen – und drinnen,

ganz drinnen

Glatteis.
Daran kann ich mich nicht mehr im Detail erinnern, aber ich erinnere mich daran, dass es ein Leben gab, in dem solche Details Alltag hiessen. Die schwarzen Jeans haben noch heute Dramatendenzen. Manchmal. Selten.

Vergessen und vermissen

Haben Sie schon einmal versucht, einen Menschen zu vergessen?
Haben Sie es schon mal geschafft?
Entweder ist es ihnen gelungen, dann erinnern Sie sich nicht mehr an ihn, oder sie erinnern sich und sehen daran, dass es erfolglos war. 
Ich bin richtig gut im Namen vergessen. Aber Menschen? Menschen, die nicht nur durch Rolltreppenbegenungen mit dir verwoben waren – das kann ich (noch) nicht.

"An diesem Lied ist etwas falsch", sagte ein Junge heute, nachdem wir für das Geburtstagskind gesungen hatten. Es wurde ganz still. "Wir singen: Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst. Aber wenn er nicht geboren worden wäre, hätten wir ihn ja gar nicht gekannt. Wir können ja nicht etwas vermissen, was es gar nicht gibt."

Ich liebe meinen Beruf!

Dienstag, 26. März 2019

Glück

Eine kurze Zeit lang spürte ich es gestern wieder einmal, dieses unbeschreibliche, warme, helle, leichte, lachende Glücksgefühl. Mitten in einem Elternabend erfüllte es mich, wie ein Frühlingsregen den Boden netzt. Wir waren eingeladen, die Arbeit im Jugendtheater etwas näher kennen zu lernen. Jede Mitarbeiterin stellte ihren Arbeitsbereich vor und liess uns Eltern je nach Möglichkeit mittun. Und da standen wir mit den jungen Menschen im Kreis und tanzten, wirbelten, schritten, reichten uns weiter, lachten. Und die Begeisterung und Kraft der jungen Menschen war so ansteckend, übertrug sich bei jedem Weiterreichen, Anlachen, Händedruck ein Funken mehr.
Sogar jetzt, eine kurze Nacht später, kommen mir wieder die Tränen, wenn ich mich zurückfühle...

Ich möchte mich bei allen, welche diesen Text heute versucht haben zu lesen, entschuldigen. Es war ein spontanes, schnelles Hinwerfen heute früh, hätte eigentlich bloss ein Entwurf sein sollen und stand dann doch unkorrigiert und voller Tippunfällen veröffentlicht da. Soll nicht wieder vorkommen.

Montag, 25. März 2019

Montagsupdate

Schon wieder Wochenanfang, schon wieder diese paar Minuten zwischen dem Aufbruch der Jungen und meinem.
Ich werde es schaffen, ich bin ausreichend vorbereitet, ich schlafe zuwenig, die Kinder gibt es nicht, es sind 20 Individuen, mit dem Kollegium habe ich einen intensiven Weiterbildungstag am Samstag verbracht. Ich fühle mich wohl und bin dankbar dafür. Und ja, der Schreibtisch ist noch leer, aber auch nur, weil ich alles, was anfiel, diese Woche in einem Wäschekorb gesammelt habe (und der ist voll!).
Ausserdem hat letzte Woche ein neuer Familienreigen begonnen. Es gibt immer noch erste Male. Dieses heisst "erster Bachelor". 
Doch nun muss ich los. Ich mag es bloss nicht, wenn es hier nach Stagnation ausschaut, obwohl es eigentlich wirbelt und wurbelt.