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Sonntag, 7. Februar 2021

38/365 Fleurflop

Gestern ist die älteste Tochter umgezogen: aus dem WG-Zimmer in ihre erste winzig kleine Wohnung. Zur Feier dieses besonderen Momentes habe ich ihr einen Blumenstrauss bestellt, einen richtig schönen Frühlingsstrauss. Als er geliefert wurde, war sie nicht da. Sie wurde angerufen und bat, die Blumen mögen vor die Wohnungstüre gelegt werden. Kurz darauf bekam ich eine Zustell-Bestätigungsmail mit dem Vermerk, die Blumen seien sorgfältig verpackt vor die Wohnungstür gelegt worden, weil Frau Windtochter nicht da war. 

Leider waren dann die Blumen nicht mehr da, als sie kam. 

Wer macht sowas? Freut sich jetzt wenigstens jemand über diesen Strauss? Hat sich jemand berühren lassen durch die persönliche Karte? 

Eigentlich hätte es eine Überraschung werden sollen, doch schliesslich hat diese Geschichte ihren besonderen Tag getrübt. Ich konnte mich lange nicht befreien von meinem Ärger und Frust. 

Vielleicht sollte ich mir eine schöne Geschichte ausdenken, in welcher die Blumen einen völlig anderen aber mindestens genauso wertvollen Platz bekommen haben.

Samstag, 6. Februar 2021

37/365 Staublicht

Meine Kamera ist in der Schule, die Handykamera stellt nicht mehr scharf, aber ich muss das teilen. Es ist so verrückt im  Moment. Das Licht, welches durch den dicken Nebel dringt, ist heute rot wie in der schönsten Dämmerstunde. Ich habe das so noch nie erlebt. Ich fühle mich wie damals, als ich zum ersten Mal das Meer sah oder an der Quelle des Rheins stand, oder als ich als Kind zum ersten Mal eine Sonnenbrille aufsetzte. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, es brenne irgendwo und wäre wohl weniger entspannt.
Der Grund liegt jedoch in einer hohen Südströmung, welche Saharastaub bringt und sich wie ein Filter vor das Sonnelicht legt, so habe ich es zumindest verstanden.
Wüstenlicht also, mitten an einem nebligen Februartag. "Es ist, als würde die Ferne zu uns reisen, statt dass wir in die Ferne reisen", meinte die Tochter vorhin.


Vielleicht kann ich später ein besseres Bild nachliefern.

Freitag, 5. Februar 2021

36/365 irgendwie

... fühle ich mich ziemlich aufgenzufällig. "Genau richtig", meint das Wochenende. Das muss es ja wissen.

Donnerstag, 4. Februar 2021

35/365 der zweite Erste am Vierten

Wieder früher Morgen, gleiche Zeit, gleicher Ort, die Türen des Trams öffnen sich alle gleichzeitig. Und da ist er, der helle Flötenton, mutiger schon als gestern und so klar und zweifelsfrei echt, dass er auf mein Gesicht ein Grinsen zaubert, welches zum Glück gut versteckt ist. (Man lacht ja heutzutage nicht mehr öffentlich, zumindest sieht man niemanden lachen.)

Gleichzeitig kommt eine Erinnerung durch die offene Türe geweht.

Es war der 4.2. vor 19 Jahren, als ich nach dem Mittagessen die Fenster öffnete um zu lüften. Und da hörte ich ihn auch, den Amselmann, der mit seinem Gesang dem Winter alle Schärfe zu nehmen vermag. Ich lehnte mich etwas hinaus um herauszufinden, ob ich den Sänger auch sehen könne. In dem Moment überrollte mich die erste Wehe. 

Die Letzte schenkte uns um 22:44 den dritten Sohn ins Leben.

Mittwoch, 3. Februar 2021

34/365 Heute

Man weiss ja heute oft nicht, ob ein Ton echt ist oder ob bloss ein Handyklingelton ertönt. So ging es mir heute mit dem ersten Amsellied des Jahres, und das finde ich eine ziemlich traurige Geschichte, weil es ihr den Zauber nahm. Ich sass im Tram kurz nach sieben, und seit dieser neuen Zeit öffnen an jeder Station alle Türen, ohne dass man danach verlangt. Und da war es, das zaghafte Lied, das mein ganzes Wesen mit all seiner Sehnsucht nach neuem Leben zum Klingen brachte, dieses ungeübte Aufjauchzen noch in der Dunkelheit.

Und gleichzeitig schob sich ein Misstrauen zwischen mich und dieses Klingen, der leise Schreck, ich könnte mein Sehnen einer Kopie, einer Fälschung geschenkt haben, einem simplen elektronischen Signal.

Als die Türen sich wieder schlossen, verstummte das Lied. Ich werde nie wissen, was mich da tatsächlich in Februarstimmung versetzt hat.

Dieses Jahr ist vielleicht eben das zweite dann das erste.

Dienstag, 2. Februar 2021

33/365 Umweg

Ich habe mich verlaufen. Ich weiss nicht, wann mir das zum letzten Mal passiert ist. Weil ich sehr dringend von A nach B musste, hatte ich auch keine Zeit herauszufinden, warum meine App mir nicht helfen wollte. Daher zog ich nach Bauchgefühl durch das Quartier, fragte hie und da nach dem Weg, wurde jedoch nie verstanden, weil ich die falsche Sprache sprach. Zuletzt rief ich eine ältere Frau, die mit ihrem weissen Hündchen das Strässchen überqueren wollte zurück auf meine Strassenseite.

"Können Sie mir sagen, wo B ist?" fragte ich. "Oh, da sind sie ganz falsch." Rief sie mitleidig und deutete vage in eine Richtung. 

Drei Minuten später stand ich vor der Türe in B. und spürte, wie gut es mir getan hat zu gehen, zu schauen und nichts anderes zu tun, als zu vertrauen, dass jeder Weg mich irgendwann ans Ziel bringt. Das Kopfkino und Gedankengeschnatter, welches ich seit Tagen und Nächten kaum zur Ruhe zu bringen vermag, war einfach verstummt.



Montag, 1. Februar 2021

32/365

Hm. Als ich sie so sah heute aus dem dritten Stockwerk unten an der Strasse stehen in ihrer unendlich grossen Hilflosigkeit und Unselbständigkeit, die kleine Schülerin, die mir schon sooo viel Kopfzerbrechen und Bauchweh bereitet hat, als ich sie warten sah da unten im Regen in der Meinung, ihre Mutter würde sie abholen und nicht verstanden hatte, dass dies erst eine Woche später geplant ist, da veränderte sich etwas in mir. Plötzlich sah ich nicht mehr all die Schwierigkeiten, die sich wie sperrige Perlen auf die Alltagsschnur reihen, sondern ich sah und hörte einen stummen Hilfeschrei mitten heraus aus der Einzigartigkeit eines Lebens, das den Weg ins Leben noch nicht gefunden hat. 
Das verändert alles.